Von Mods und Legenden

Special Felix Schütz
Von Mods und Legenden
Quelle: Bethesda

Doom ist nicht irgendein Shooter. Es ist DER Shooter, der ein ganzes Genre geprägt hat. Unser Report zeigt, wie Doom entstanden ist, warum es seiner Zeit voraus war - und wie viel Spaß es heute noch macht. Mit 57 Minuten Video-Special!

Alle Macht den Moddern

Und das ist nur eines von unzähligen Beispielen dafür, wie wichtig die Modding-Szene von Doom schon immer war und bis heute noch ist. Und genau das hatte id Software auch von Anfang so geplant!

Schon bei Wolfenstein 3D hatte das Team nämlich bemerkt, dass viele Fans zwar eigene Inhalte basteln wollten, das Spiel aber dafür erst mal umständlich hacken mussten. Für Doom beschließt John Carmack deshalb, das Problem systematisch zu umgehen, indem er die Engine und die eigentlichen Spielinhalte streng voneinander trennt.

Das heißt: Alles, was Levellayouts, Monster, Texturen und so weiter betrifft, wandert einfach in eine große Sammeldatei. Die hat stets die Endung "wad", eine Abkürzung für "where is all the data?". Der Programmcode der Engine bleibt davon aber unberührt. Somit ist Doom von Haus aus perfekt darauf ausgelegt, unkompliziert gemoddet zu werden. Und dieser Plan geht voll auf, denn schon in kürzester Zeit beginnen die Fans, eigene Level und Mods zu bauen und das Spiel nach Strich und Faden umzukrempeln.

In diesem Artikel

  1. Seite 1 Die Anfänge von id Software
    1. 1.1 Die Anfänge bei Softdisk
    2. 1.2 Der erste Durchbruch
    3. 1.3 Commander Keen oder: Die Geburt von id Software
  2. Seite 2 Erste Gehversuche: Wolfenstein 3D verändert alles
    1. 2.1 id Software goes 3D
    2. 2.2 Ein Shooter schockt die Welt
    3. 2.3 Die Geburtsstunde von Doom
  3. Seite 3 Die Entwicklung von Doom
    1. 3.1 An die Arbeit!
    2. 3.2 Als die id Tech laufen lernt
    3. 3.3 Probleme und noch mehr Lösungen
    4. 3.4 Licht ohne Schatten
  4. Seite 4 Release und Erfolg: Doom schlägt ein
    1. 4.1 Zwischen Rückschlag und Fortschritt
    2. 4.2 Die letzten Meter zum Release
    3. 4.3 Mit Shareware zum Erfolg
    4. 4.4 Technik ist die halbe Miete
  5. Seite 5 id Tech 1: Ist das überhaupt 3D?
    1. 5.1 Jeder Schuss ein Treffer
    2. 5.2 Am Ende zählt der Spielspaß
    3. 5.3 Nicht ohne meine Kettensäge!
    4. 5.4 Doom hat eine... Handlung?
  6. Seite 6 Zeitloses Spieldesign ohne Ballast
    1. 6.1 Nur für Erwachsene
    2. 6.2 Doom 2: Hell on Earth
    3. 6.3 Doom trifft Fantasy
    4. 6.4 Doom auf Konsolen: Highlights und Nieten
    5. 6.5 The Ultimate Doom
  7. Seite 7 Von Mods und Legenden
    1. 7.1 Alle Macht den Moddern
    2. 7.2 Final Doom
    3. 7.3 Doom 95: Die Geschichte von Bill Gates und Gabe Newell
    4. 7.4 Das Ende der id Tech 1
    5. 7.5 Doom 64: Das wahre Doom 3?
  8. Seite 8 Doom neu definiert - dank Source Ports!
    1. 8.1 Die Quelle aller Mods
    2. 8.2 Nachschub für die Fans
    3. 8.3 Neue Level zum großen Jubiläum
  9. Seite 9 So spielt man Doom heute!
    1. 9.1 Wo kann ich Doom kaufen?
    2. 9.2 Ein Genre erhebt sich: Doom und seine Folgen
    3. 9.3 Im Wandel der Zeit
    4. 9.4 Epilog: Ein Shooter für die Ewigkeit
  10. Seite 10 Bildergalerie

Ein Detail hat id Software allerdings nicht bedacht: Im Jahr 1995 ist das Internet zwar schon weit verbreitet, allerdings haben viele PC-Spieler immer noch sehr langsame Zugänge, wenn überhaupt. Sich Patches oder Levels aus dem Netz zu saugen, ist also längst noch nicht die Norm.

Und genau das machen sich einige Händler zunutze: Sie schnappen sich von Fans erstellte Level aus dem Netz, pressen sie auf eine CD und verkaufen das Ganze dann als inoffizielle Erweiterung. Die Qualität dieser Mod-Sammlungen schwankt aber gewaltig und natürlich sieht id Software auch keinen müden Cent davon.

Master Levels for Doom 2 Quelle: PC Games Mit "Master Levels for Doom 2" reagiert id Software auf die vielen, inoffiziellen Map Packs. Darum beschließt das Team kurz vor Jahresende, schnell noch eine eigene Sammlung ausgewählter, besonders knackiger Level rauszubringen und tauft das Paket einfach Masterlevels for Doom 2. Sicher nicht der spannendste Release, aber zumindest wissen die Fans, dass sie hier Nachschub von guter Qualität bekommen.

Final Doom

Im Jahr 1996 steckt id Software schon knietief in der Entwicklung von Quake, was für sie das nächste richtig große Ding werden soll. Trotzdem reißt das Interesse an Doom einfach nicht ab und viele Modding-Teams schaufeln fleißig weiter neue Maps ins Netz.

Dabei wird id auf eine Fangruppe namens TeamTNT aufmerksam. Die hat lange an einer eigenen, 32 Level umspannenden Megawad gearbeitet und ist gerade kurz davor, ihr Werk kostenlos zu veröffentlichen. Doch im letzten Moment ruft plötzlich John Romero an und macht ihnen ein Angebot: Er schlägt vor, ihre Level zu kaufen, sie überarbeiten zu lassen und sie dann zu einem späteren Zeitpunkt kommerziell zu veröffentlichen. Übrigens ein Vorgang, der in der Modding-Szene nicht unumstritten bleibt. Dieses Levelpaket wird später den Titel TNT: Evilution tragen.

Eine Szene aus Final Doom Quelle: PC Games Final Doom besteht aus zwei umfangreichen, besonders kniffligen Fan-Kampagnen. Etwa zur gleichen Zeit nehmen die Brüder Dario und Milo Casali Kontakt zu id Software auf und stellen ihnen einige selbst gebastelte Level vor. Die Doom-Schöpfer zeigen sich schwer angetan und heuern sie an, gleich eine komplette Kampagne mit 32 knüppelharten Maps zu erstellen, die man später The Plutonia Experiment taufen wird. Vier Monate später liefern die Brüder wie bestellt.

Daraufhin bündelt id Software ihre Kampagne mit TNT: Evilutio" zu einem brandneuen kommerziellen Release, der als Final Doom in den Handel gelangt. Das Spiel erscheint allerdings am 17. Juni 1996, also nur wenige Tage vor Quake - was auch ein Grund sein dürfte, warum Final Doom zu der Zeit schon keine hohen Wellen mehr schlägt.

Doom 95: Die Geschichte von Bill Gates und Gabe Newell

Auch wenn es dazu keine verlässlichen Zahlen gibt, wird oft geschätzt, dass Doom gegen Ende des Jahres 1995 auf mehr PCs installiert ist als Windows 95. Dabei hatte Microsoft wahre Unsummen ins Marketing für sein neues Betriebssystem gesteckt! Kein Wunder also, dass Bill Gates plötzlich großes Interesse daran zeigt, den Shooter auf Windows 95 zu bringen - schließlich will er aller Welt beweisen, dass es für Gamer wesentlich mehr zu bieten hat als das veraltete MS-DOS.

Microsoft möchte die Entwickler von den Vorzügen von Direct X als neue Schnittstelle überzeugen und braucht dafür dringend einen Vorzeigetitel. Darum bietet man id Software an, Doom kostenlos auf Windows 95 zu portieren und dabei auf jegliche Publishing-Rechte zu verzichten. John Carmack schlägt ein.

Doom 95 erscheint zwar erst am 20. August 1996, hat dafür aber ein paar coole Upgrades im Gepäck, zum Beispiel Auflösungen bis 640 x 480 Pixel und ein besseres Interface für Multiplayer-Matches. Am denkwürdigsten ist und bleibt aber dieses Werbevideo, in dem Bill Gates höchstpersönlich mit Shotgun und Trenchcoat erklärt, was es mit Windows 95 und Doom auf sich hat. Es waren andere Zeiten...

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Was viele heute nicht mehr wissen: Microsofts Entwicklerteam für den Windows-Port wird damals von keinem Geringeren als Gabe Newell geleitet! Newell ist zu der Zeit bereits ein Fan von Doom, er betrachtet es sogar als wegweisend für die Videospielindustrie.

Auch die Tatsache, dass id Software mit gerade mal zwölf Entwicklern ein Spiel erschaffen hat, das sich stärker verbreiten konnte als das neue Windows, nötigt ihm Respekt ab. Und er zieht seine Schlüsse daraus: Nach dem Release von Doom 95 verlässt er Microsoft, gründet ein Studio namens Valve und beginnt damit, ein Team zusammenzutrommeln, das an einem visionären Ego-Shooter arbeiten soll... sein Name: Half-Life.

Das Ende der id Tech 1

Im Mai 1996 wird die Doom-Engine dann noch ein letztes Mal für ein großes, kommerzielles Spiel lizenziert, diesmal in dem innovativen Rollenspiel-Shooter Strife von Rogue Entertainment. Das Spiel ist zu der Zeit grafisch schon ordentlich veraltet, schließlich hat Duke Nukem 3D längst die Messlatte höher gelegt. Doch dafür hat das Gameplay eine Menge zu bieten, die Entwickler kitzeln da wirklich nochmal einiges aus der alten Technik raus. Allzu weit laufen muss das Team übrigens nicht, Rogue Entertainment sitzt nämlich im gleichen Bürogebäude wie id Software. Und in den kommenden Jahren sollten die beiden Studios noch öfter zusammenarbeiten.

Ein Screenshot aus Strife Quelle: PC Games Strife von Rogue Entertainment ist das letzte kommerzielle Spiel mit der Doom Engine. Zu dieser Zeit herrscht bei id Software allerdings schon mächtig dicke Luft: Während John Carmack wieder mal Tag und Nacht an seiner nächsten Engine für Quake feilt, kümmert sich John Romero derweil um viele andere Projekte nebenher. Doch Quake kommt dabei zu kurz, findet jedenfalls John Carmack. Und dann passiert es: Nach monatelangen kreativen Streitigkeiten gelingt es Carmack schließlich, Romero aus der Firma zu drängen. Die beiden Urgesteine trennen sich und ein enttäuschter Romero verlässt id Software, um mit seinem Ex-Kollegen Tom Hall das neue Studio Ion Storm (Deus Ex, Daikatana) zu gründen.

John Romero an seinem Arbeitsplatz Quelle: id Software Im Jahr 1996 kommt es zum Bruch zwischen John Romero (hier im Bild) und John Carmack. Die internen Streitigkeiten bei id ziehen aber noch weitere Kreise: Kurz nach der Veröffentlichung von Quake verlässt nämlich auch Jay Wilbur das Unternehmen, und wenig später nimmt auch Sandy Petersen gemeinsam mit mehreren anderen Entwicklern seinen Hut. Vom alten Doom-Team sind Ende 1996 also nur noch wenige Gesichter übrig.

Doom 64: Das wahre Doom 3?

Viele glauben, dass id Software zu dieser Zeit schon weitestgehend mit Doom abgeschlossen hat, schließlich genießen Quake und sein Nachfolger die volle Aufmerksamkeit. Doch dann folgt die Überraschung im Jahr 1997 - mit Doom 64, das exklusiv für das Nintendo 64 erscheint. Viele glauben, dass es sich dabei nur um einen weiteren Port von Ultimate Doom handelt, doch weit gefehlt: Doom 64 ist eine komplette Neuentwicklung!

Ein Bild aus Doom 64 Quelle: PC Games Doom 64 (hier ein Bild aus dem Remaster von 2020) ist ein eigenständiger Serienteil und wird von manchen Fans als das "wahre" Doom 3 angesehen. Das Spiel wird von Midway Studios San Diego unter der Aufsicht von id Software programmiert und basiert auf einer stark verbesserten Doom-2-Engine. Die kann nun erstmals farbige Beleuchtung und gefilterte Texturen darstellen. Außerdem bekommen alle Monster und Waffen neue, schärfere Sprites verpasst.

Doom 64 wird bei Release zwar dafür kritisiert, keine neuen Ideen mitzubringen, doch im Laufe der Jahre findet es trotzdem viele Fans. Manche sagen sogar, es sei das "wahre" Doom 3, eben weil es sich so schön klassisch spielt. Tipp: Seit 2020 könnt ihr das Ding übrigens auch wieder als hübsche Remaster-Fassung für alle aktuellen Plattformen kaufen. Lohnt sich! Hier geht's zum Test von Doom 64.

  1. Seite 1 Die Anfänge von id Software
  2. Seite 2 Erste Gehversuche: Wolfenstein 3D verändert alles
  3. Seite 3 Die Entwicklung von Doom
  4. Seite 4 Release und Erfolg: Doom schlägt ein
  5. Seite 5 id Tech 1: Ist das überhaupt 3D?
  6. Seite 6 Zeitloses Spieldesign ohne Ballast
  7. Seite 7 Von Mods und Legenden
  8. Seite 8 Doom neu definiert - dank Source Ports!
  9. Seite 9 So spielt man Doom heute!
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