Zeitloses Spieldesign ohne Ballast

Special Felix Schütz
Zeitloses Spieldesign ohne Ballast
Quelle: Bethesda

Doom ist nicht irgendein Shooter. Es ist DER Shooter, der ein ganzes Genre geprägt hat. Unser Report zeigt, wie Doom entstanden ist, warum es seiner Zeit voraus war - und wie viel Spaß es heute noch macht. Mit 57 Minuten Video-Special!

Nur für Erwachsene

Dass Doom kein Spiel für Kinder oder Zartbesaitete werden dürfte, hatte nach Wolfenstein 3D wohl niemand ernsthaft erwartet. Trotzdem sorgt der Shooter gleich ab Release für Kontroversen; die zuckenden Körper als Leveldekoration, die Blutspritzer und der von Gewalt bestimmte Spielablauf gehen einigen Sittenwächtern gehörig gegen den Strich.

Da das Spiel durch das kostenlose Shareware-Modell auch reichlich auf Schulhöfen geteilt wird, bleibt der Jugendschutz außen vor: Doom landet auf den PCs vieler Minderjähriger, ohne dass deren Eltern jemals davon erfahren.

Dass im Level "Command Control" anfangs sogar noch ein Raum enthalten ist, der die Form eines Hakenkreuzes hat, macht die Sache auch nicht unbedingt besser. John Romero hatte den Part eigentlich als Wolfenstein-Easter-Egg eingebaut, doch als id Software deshalb zahlreiche Beschwerden erhält, ändert er den Level mit einem Patch. Ab der Version 1.4 ist das Hakenkreuz also nicht mehr zu sehen.

Ein aufgespießter Körper in Doom. Quelle: PC Games Sowas sah der Jugendschutz gar nicht gern. In Deutschland bekommen wir davon allerdings schon nicht mehr viel mit. Hierzulande wird Doom nämlich am 31. Mai 1994 wegen seines hohen Gewaltgrades indiziert. Vor allem die besessenen Soldaten, also die menschlichen Gegner, sind der Bundesprüfstelle ein Dorn im Auge. Und damit verschwindet Doom aus den Händlerregalen - und zwar für stolze 19 Jahre! Erst 2011 stellt der heutige Publisher Bethesda einen Antrag auf Listenstreichung, dem die BPjM dann auch nachkommt.

In diesem Artikel

  1. Seite 1 Die Anfänge von id Software
    1. 1.1 Die Anfänge bei Softdisk
    2. 1.2 Der erste Durchbruch
    3. 1.3 Commander Keen oder: Die Geburt von id Software
  2. Seite 2 Erste Gehversuche: Wolfenstein 3D verändert alles
    1. 2.1 id Software goes 3D
    2. 2.2 Ein Shooter schockt die Welt
    3. 2.3 Die Geburtsstunde von Doom
  3. Seite 3 Die Entwicklung von Doom
    1. 3.1 An die Arbeit!
    2. 3.2 Als die id Tech laufen lernt
    3. 3.3 Probleme und noch mehr Lösungen
    4. 3.4 Licht ohne Schatten
  4. Seite 4 Release und Erfolg: Doom schlägt ein
    1. 4.1 Zwischen Rückschlag und Fortschritt
    2. 4.2 Die letzten Meter zum Release
    3. 4.3 Mit Shareware zum Erfolg
    4. 4.4 Technik ist die halbe Miete
  5. Seite 5 id Tech 1: Ist das überhaupt 3D?
    1. 5.1 Jeder Schuss ein Treffer
    2. 5.2 Am Ende zählt der Spielspaß
    3. 5.3 Nicht ohne meine Kettensäge!
    4. 5.4 Doom hat eine... Handlung?
  6. Seite 6 Zeitloses Spieldesign ohne Ballast
    1. 6.1 Nur für Erwachsene
    2. 6.2 Doom 2: Hell on Earth
    3. 6.3 Doom trifft Fantasy
    4. 6.4 Doom auf Konsolen: Highlights und Nieten
    5. 6.5 The Ultimate Doom
  7. Seite 7 Von Mods und Legenden
    1. 7.1 Alle Macht den Moddern
    2. 7.2 Final Doom
    3. 7.3 Doom 95: Die Geschichte von Bill Gates und Gabe Newell
    4. 7.4 Das Ende der id Tech 1
    5. 7.5 Doom 64: Das wahre Doom 3?
  8. Seite 8 Doom neu definiert - dank Source Ports!
    1. 8.1 Die Quelle aller Mods
    2. 8.2 Nachschub für die Fans
    3. 8.3 Neue Level zum großen Jubiläum
  9. Seite 9 So spielt man Doom heute!
    1. 9.1 Wo kann ich Doom kaufen?
    2. 9.2 Ein Genre erhebt sich: Doom und seine Folgen
    3. 9.3 Im Wandel der Zeit
    4. 9.4 Epilog: Ein Shooter für die Ewigkeit
  10. Seite 10 Bildergalerie

Doom 2: Hell on Earth

id Software dürfte die Indizierung von Doom nicht großartig kümmern, die feilen zu der Zeit nämlich schon längst am Nachfolger: Doom 2 erscheint am 30. September 1994, also nach gerade mal zehn Monaten Arbeit. Die flotte Entwicklung klappt auch deshalb so gut, weil man frische Leute ins Boot holt, darunter Shawn Green oder den jungen Leveldesigner American McGee, die hier beide ihre Entwicklerkarrieren beginnen.

Die Doppelshotgun in Doom 2. Quelle: PC Games Erst Doom 2 führt die mächtige Doppel-Shotgun ein. Heute ist sie ein Markenzeichen von id Software. Doom 2 erscheint diesmal aber nicht als Shareware-Version, sondern wird nun gezielt als Komplettpaket für den Einzelhandel verkauft. Die Entwickler verzichten außerdem auf die Episodenstruktur des ersten Teils und lassen euch einfach 32 Level nacheinander durchspielen. Darum müsst ihr eure Bewaffnung auch nicht mehr nach jedem Episodenende abgeben, so wie es in Doom 1 der Fall war, sondern dürft eure Knarren bis zum Schluss behalten. Ob das nun Spannung aus dem Spielablauf nimmt oder nicht, darüber gibt es geteilte Meinungen.

Beim Design haben die Entwickler noch mehr Freiheiten als früher, da Doom 2 zum Teil auf der verwüsteten Erde spielt, was neue Schauplätze möglich macht. Auch der Levelaufbau fällt diesmal etwas komplexer aus, was bei vielen Fans auf Gegenliebe stößt, genauso wie die brandneuen Multiplayermaps.

Neue Gegnertypen in Doom 2. Quelle: PC Games Neue Gegnertypen werten die Kämpfe in Doom 2 auf. Ein echter Gewinn sind die neuen Gegnertypen, weil sie den Spielablauf abwechslungsreicher machen. Dazu zählen etwa der Heavy Weapon Dude, der uns mit einer Minigun einheizt oder der ikonische Mancubus, ein schwer bewaffneter Fleischberg. Der Revenant mit seinen ätzenden zielsuchenden Raketen feiert ebenfalls sein Debüt. Und wer ganz großes Pech hat, läuft einem Arch-vile über den Weg, der uns mit Flammenmagie in den Wahnsinn treibt.

Den Ekelpaketen haben wir nur eine neue Waffe entgegenzusetzen - doch die hat es dafür in sich! Vorhang auf für die ikonische Doppel-Shotgun: Diese Riesenwumme wird zum Inbegriff für id Softwares Shooter-Design und ist bis heute aus ihren Spielen nicht mehr wegzudenken. Und ja: Selbstredend wird auch Doom 2 in Deutschland indiziert. Dm Erfolg tut's aber keinen Abbruch, Doom 2 verkauft sich sogar noch besser als der erste Teil.

Doom trifft Fantasy

Noch während das erste Doom seinen Siegeszug startet, sucht id Software bereits nach Wegen, die id Tech 1 auch an andere Studios zu vermitteln. John Romero tritt deshalb erneut an Raven Software heran, drückt ihnen die Doom-Engine in die Hand und unterstützt sie dabei, den Fantasy-Shooter Heretic auf die Beine zu stellen. Das Spiel erscheint im Dezember 1994 und gilt bis heute als äußerst gelungener Doom-Klon, der auch viele eigene Ideen und Features mitbringt - zum Beispiel ein Inventar oder die Möglichkeit, nach oben oder unten zu schauen oder zu fliegen.

Doom im Mittelalter: Heretic und Hexen
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Ein Jahr später folgt dann schon der Nachfolger Hexen, der eine verbesserte Doom-Engine nutzt und noch mehr Neuerungen im Gepäck hat, zum Beispiel drei wählbare Klassen oder die Möglichkeit, zu springen. Damit zeigt Raven Software eindrucksvoll, dass in der id Tech 1 noch eine Menge ungenutztes Potenzial steckt - und dass Ego-Shooter auch als Fantasy-Abenteuer erfolgreich sein können.

Doom auf Konsolen: Highlights und Nieten

Das erste Doom wird komplett auf dem Nextstep-Betriebssystem entwickelt, einem Vorläufer von Mac OS X - doch zuerst erscheint es exklusiv für MS-DOS. Im Laufe der Jahre wird das Spiel dann aber noch für massenhaft andere Betriebssysteme und Konsolen umgesetzt.

Doom auf dem Sega 32X Quelle: PC Games Doom auf dem Sega 32X Schon 1994 erscheint zum Beispiel eine technisch durchwachsene Umsetzungen für das Sega 32X, die wegen ihrer vielen Abstriche wenig Beachtung findet. Fast zeitgleich wird aber auch eine deutlich bessere Portierung für Atari Jaguar veröffentlicht, diesmal von id Software selbst.

Im September 1995 folgt dann eine anständige Version für das Super Nintendo. Bei Technik und Umfang muss man zwar deutliche Abstriche hinnehmen, doch schon allein weil es auf der Konsole so gut wie keine anderen Ego-Shooter gibt, bleibt diese Fassung trotzdem positiv in Erinnerung.

Doom auf der Sony Playstation Quelle: PC Games Schnell und schick: Die Playstation-Umsetzung kommt hervorragend bei den Fans an. Kurz darauf wird auch die Sony Playstation mit einer eigenen Umsetzung bedient, die mit farbiger Beleuchtung, toller Performance und einer guten Steuerung punkten kann. Diese Fassung entwickelt sich für id sogar zu einem echten Kassenschlager und räumt gute Wertungen in der Fachpresse ab. Bis heute ein Highlight!

Doom auf dem 3DO. Quelle: PC Games Der 3DO-Port entpuppt sich als ruckeliger Reinfall. Ganz anders sieht es bei den ruckeligen Ports für Sega Saturn und 3DO aus, die erst zwei Jahre später erscheinen. Besonders die 3DO-Fassung fällt wegen ihrer miesen Framerate komplett bei Fans und Kritikern durch. Was schade ist, denn ausgerechnet der lausige 3DO-Port hat einen starken Soundtrack zu bieten, der das Original meilenweit abhängt.

Und dann, viele Jahre später, wird Doom schließlich auch seinen Weg auf moderne Konsolen finden zum Beispiel Game Boy Advance, Xbox 360, PS4, Switch, iOS und Android. Im Laufe der Jahrzehnte gab es also kaum eine Plattform, auf der ihr Doom nicht spielen könnt. Das soll ihm erst mal einer nachmachen!

The Ultimate Doom

Trotz erster Konsolenports bleibt die PC-Fassung immer im Fokus der Entwickler: Schon im April 1995 bringt id Software mit The Ultimate Doom eine neue Edition des ersten Teils auf den Markt. Genau wie bei Doom 2 ist diese Fassung nur für den klassischen Einzelhandel vorgesehen.

Ein Screenshot aus The Ultimate Doom Quelle: PC Games The Ultimate Doom ist für den Einzelhandel konzipiert und fügt dem Spiel eine vierte Episode hinzu. Ultimate Doom enthält das komplette Spiel und ein paar kleinere Engine-Anpassungen. Doch das Highlight ist die brandneue, vierte Episode namens "Thy flesh consumed", die neun harte Level umfasst. Wer das Spiel bereits besitzt, darf sich das vierte Kapitel übrigens gratis runterladen - für die damalige Zeit ganz schön fortschrittlich.

Einige Level in Thy flesh consumed stammen übrigens von einem engagierten Modder, auf den id Software mittlerweile aufmerksam geworden war. Der junge Mann entpuppt sich als so talentiert, dass er kurzerhand eingestellt wird. Sein Name: Tim Willits. Er wird ein paar Jahre später den Lead-Designer-Posten für Doom 3 übernehmen und es sogar bis zum Studio Director von id Software schaffen!

  1. Seite 1 Die Anfänge von id Software
  2. Seite 2 Erste Gehversuche: Wolfenstein 3D verändert alles
  3. Seite 3 Die Entwicklung von Doom
  4. Seite 4 Release und Erfolg: Doom schlägt ein
  5. Seite 5 id Tech 1: Ist das überhaupt 3D?
  6. Seite 6 Zeitloses Spieldesign ohne Ballast
  7. Seite 7 Von Mods und Legenden
  8. Seite 8 Doom neu definiert - dank Source Ports!
  9. Seite 9 So spielt man Doom heute!
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