Nach einem Jahr ist Avowed auch für PS5 erschienen, inklusive einiger Verbesserungen für alle Plattformen. Wie wirkt sich das auf die Wertung aus?
Heißt also: Ihr solltet fleißig erkunden und die Spielwelt auf Beute absuchen, um genügend Rohstoffe zu finden. Rennt ihr dagegen nur von einem Questziel zum nächsten, könnte es auch mal ungemütlich werden - dann geratet ihr nämlich schnell an Gegner, die noch zu hochstufig sind. Hat man das allerdings erst mal kapiert, erledigt sich das Crafting irgendwann fast wie von selbst - allzu viel falsch machen kann man da nämlich nicht.
Die Technik: Licht und Schatten
Für diesen Test habe ich Avowed auf der Xbox Series X durchgespielt, aber natürlich haben wir uns auch die PC-Fassung umfassend angeschaut. (Tipp: Meine Kollegen von PC Games Hardware haben alle Infos inklusive Benchmarks im Technik-Test!)
Auf der Series X gibt's drei Grafikmodi, die sich in mehreren Punkten unterscheiden.
- Quality Mode: 2160p bei 30 Bildern pro Sekunde und mit aktiviertem Raytracing
- Balanced Mode: 2160p mit 40fps und Raytracing, steht aber nur auf 120Hz-Displays zur Verfügung
- Performance Mode: 1800p mit bis zu 60 Bildern pro Sekunde, allerdings ohne Raytracing
Die Unterschiede zwischen Quality und Performance fallen direkt ins Auge. Auf höchster Qualitätsstufe wirkt die Vegetation im Wald dichter, da gibt's dann beispielsweise mehr Gräser, Pilze oder Sträucher zu sehen, die im Performance-Modus fehlen. In Städten stehen außerdem mehr NPCs herum und die Schatten wirken feiner. Im Qualitätsmodus kommt außerdem hochwertigeres Raytracing zum Einsatz, das erkennt man dann zum Beispiel an schöneren Spiegelungen auf Wasseroberflächen, die dann auch die Umgebungen reflektieren.
Dieser Modus läuft allerdings nur mit 30 Bildern pro Sekunde, was für manche vielleicht schon ausreichend. Ich habe allerdings viel lieber im Performance-Modus gespielt, der sieht immer noch gut aus und schafft in den meisten Fällen noch 60 Bilder pro Sekunde, was gerade in den Kämpfen von Vorteil ist. Hier und da bricht dieser Wert allerdings auch spürbar ein, absolut stabil ist die Framerate also nicht. Dass im Performance-Modus so viele Umgebungsdetails heruntergeschraubt werden, finde ich außerdem enttäuschend: Ließe sich das auf einer Series X nicht besser optimieren?
Und die Xbox Series S? Auch hier stehen zwei Modi mit 30fps beziehungsweise 40fps auf 120Hz-TVs zur Verfügung stehen, die Auflösung liegt bei 1080p. In beiden Settings ist Raytracing aktiviert. Wie gut es damit läuft, könnt ihr euch beispielsweise hier anschauen.
Auf dem PC zeigt sich ein ähnliches Bild. Wenn ihr hier Hardware-Raytracing bei voller 4K-Auflösung ohne Upscaling aktiviert, kommen selbst modernste Grafikkarten ins Schwitzen. Aus meiner Sicht lohnt sich nicht. Eine saubere Framerate ist mir so viel wichtiger als ein paar Spiegelungen auf dem Wasser.
Schließlich kann Avowed auch ohne solche Gimmicks richtig schick aussehen. Gerade der Wüstenlevel "Splitterhang", den man in der zweiten Spielhälfte erkundet, hat mich positiv überrascht: Mit seinen wundervoll zerklüfteten Felswänden, stimmungsvollen Ruinen und feiner Beleuchtung ist Obsidian hier ein wunderschöner Schauplatz gelungen - die Unreal Engine 5 lässt da ordentlich die Muskeln spielen.
In diesem Artikel
- Seite 1 Avowed im Test: Es muss nicht immer ein Meisterwerk sein
- Seite 2 Avowed im Test: Überraschung aus der zweiten Reihe
- Seite 3 Avowed im Test: Wurde das Action-RPG zu lange unterschätzt?
- Seite 4 Avowed im Test: Das reicht nicht für die Oberklasse
- Seite 5 Avowed im Test: Technik, PS5 und Wertung
- Seite 6 Bildergalerie
Den hübschen Landschaften steht allerdings auch ein veraltetes, oft detailarmes Figurendesign gegenüber. Gerade die Animationen und die Mimik vieler Charaktere wirken regelrecht aus der Zeit gefallen.
Ihr hinterlasst auch keine dynamischen Fußspuren im Sand, obwohl das in vielen Spielen schon lange üblich ist. Und auch bei der Wasserdarstellung tun sich Fragezeichen auf: Raytracing mag ja schön und gut sein, aber dass meine Spielfigur keinerlei Wellen erzeugt, wenn man durchs Wasser watet , finde ich ein klitzekleines bisschen unzeitgemäß...
Zumindest habe ich auf der Series X aber keine gröberen Bugs erlebt, nur eine Kopfgeld-Nebenquest konnte ich nicht abschließen. Der Fehler wurde laut Obsidian aber schon vor Release gefixt, so dass ihr davon nichts mehr sehen solltet.
Die richtigen Erwartungen zählen
Für wen eignet sich Avowed also? Eine ordentliche Story, sympathische Charaktere, interessante Entscheidungen, viel zu erkunden, toll gestaltete Gebiete, actionreiche Kämpfe - das alles mag nicht neu sind, es sind aber Stärken, auf die Obsidian stolz sein kann.
Andererseits fühlen sich die weitläufigen Welten oft statisch und leblos an, viele Spielmechaniken bleiben oberflächlich, den Gegnern fehlt es an Abwechslung und die Inszenierung kocht durchweg auf Sparflamme. Reicht das also noch für die Oberklasse? Nein! Dafür ist das Genre einfach schon lange deutlich weiter.
Aber wisst ihr was? Ich hatte trotzdem viel Spaß mit Avowed, sogar mehr, als ich nach meiner letzten Preview erwartet hatte. Mit seiner unkomplizierten Art hebt es sich wohltuend von den ganzen Rollenspiel-Brocken der letzten Jahre ab. Oh, nichts gegen Schwergewichte wie Baldur's Gate 3 oder Kingdom Come: Deliverance 2 - aber ab und zu darf es auch ruhig mal etwas sein, das man einfach locker wegspielen kann. Und genau das ist Avowed: vertraut, zugänglich und einfach unterhaltsam.
Klar: Mit Witcher 3 oder Skyrim kann sich Avowed nicht messen. Ich sehe es in der zweiten Reihe, etwa bei Spielen wie Kingdoms of Amalur oder The Outer Worlds. Sind das Spiele nach eurem Geschmack? Dann stehen die Chancen gut, dass auch Avowed euren Nerv treffen wird
Einziger Wermutstropfen: Der Spaß ist nicht ganz billig. Denn Avowed erscheint genau wie zuletzt Indiana Jones und der Große Kreis zum Preis von 70 Euro auf dem PC, für die Xbox-Version werden sogar 80 Taler fällig. Falls euch das zu teuer ist, könnt ihr natürlich auch zu einem Game-Pass-Abo greifen, hier ist Avowed gleich ab Release am 18. Februar erhältlich. Vorbesteller durften übrigens schon ab dem 13. Februar loslegen, das gilt auch für die Steam-Version.
UPDATE vom 17. Februar 2025: Die Preise für Avowed sind glücklicherweise schnell gefallen. Egal ob für PC oder Konsolen, alle Versionen kosten nur noch 50 Euro.
Avowed im Test für PS5
Nach genau einem Jahr ist Avowed auch für PS5 erschienen. Microsoft folgt damit weiter seinem selbst verordneten Kurs, alle wichtigen Titel früher oder später auch auf die Sony-Plattform zu bringen. (Wichtige Spiele wie Fable oder Halo: Campaign Evolved sind bereits für PS5 angekündigt.)
Die PS5-Version von Avowed präsentiert sich wie erwartet. Auf der normalen PS5 ist das Spiel gleichauf mit der Version für Xbox Series X. Auch hier gibt es einen Leistungsmodus und einen Qualitätsmodus. Unter "Leistung" gibt's etwas weniger optische Umgebungsdetails, aber dafür saubere 60 Bilder pro Sekunde - und das ist in jedem Fall die bessere Wahl.
Jubiläumsupdate für PC, PS5 und Xbox
Zusammen mit der PS5-Version erhält Avowed auch das sogenannte Jubiläums-Update auf allen Plattformen. Dieser kostenlose Patch bringt ein paar Verbesserungen, darunter:
- New Game Plus: Ihr beginnt das Spiel mit allen einzigartigen Items und Fähigkeiten, abgesehen von gottähnlichen Kräften - die müsst ihr nach wie vor im Verlauf der Hauptquest freischalten.
- Neue Waffe: Viertelstab (Quarterstaff)
- Neue spielbare Rassen: Zwerge, Orlaner und Aumaua
- Fotomodus
- Zauberspiegel: Hier könnt ihr im Camp nun euer Aussehen während des Spiels verändern. Das war vorher nur im Charaktereditor möglich.
- Neue gottgleiche Anpassungsmöglichkeiten bei der Charaktererschaffung
- Mehr Schwierigkeitsoptionen
- Kleinere Verbesserungen: U.a. bessere Beleuchtung, mehr Zufallsgespräche und bestimmte Gegner können nun respawnen
Trotz all dieser kleinen Verbesserungen bleibt die Wertung unverändert. Avowed bietet auf allen Plattformen immer noch das gleiche Erlebnis wie vor einem Jahr, daran ändern die paar Anpassungen und Balancing-Überarbeitungen der letzten Monate nicht viel.
Und falls ihr euch wundert, warum hier bis vor Kurzem noch eine glatte 8 stand: Wir haben unser Wertungssystem im Oktober 2025 überarbeitet, dabei wurden auch einige Wertungen nachträglich angepasst. Avowed ist eine davon. Mehr Infos dazu findet ihr hier. Transparenzhinweis: Die Testversionen des Spiels wurden uns vom Publisher zur Verfügung gestellt.
- Seite 1 Avowed im Test: Es muss nicht immer ein Meisterwerk sein
- Seite 2 Avowed im Test: Überraschung aus der zweiten Reihe
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