Kingdoms of Amalur: Re-Reckoning im Test: Ein Remaster mit Licht und Schatten - Video-Update

Test Matthias Dammes
Kingdoms of Amalur: Re-Reckoning im Test: Ein Remaster mit Licht und Schatten - Video-Update
Quelle: PC Games

Acht Jahre nach dem Original erscheint mit Kingdoms of Amalur: Re-Reckoning das Remaster eines guten Rollenspiels, dem seinerzeit der Erfolg verwährt blieb. Im Test prüfen wir, was die Neuauflage besser macht und wo die Entwickler zu wenig getan haben, um das Spiel an moderne Standards anzupassen.

Die Fantasy-Welt von Amalur wurde Anfang der 2010er-Jahre geschaffen, um daraus eine große und sich über verschiedenste Spiele erstreckende neue Marke zu etablieren. Die Entwickler von Big Huge Games und Publisher Electronic Arts haben sich dazu seinerzeit auch prominente Leute wie Fantasy-Autor R.A. Salvadore, Morrowind- und Oblivion-Lead-Designer Ken Rolston und Comiczeichner-Ikone Todd McFarlane ins Boot geholt, um die großen Ambitionen der Neuschöpfung zu unterstreichen. Als im Frühjahr 2012 Kingdoms of Amalur: Reckoning erschien, sollte dies nur der Auftakt sein. Ein Nachfolger war bereits in Planung und auch an einem Online-Rollenspiel im gleichen Universum wurde bereits gearbeitet.

Aus all diesen hochfliegenden Plänen wurde aber nichts. Trotz seiner unbestrittenen guten Qualität (PC Games Wertung 81) blieb der wirtschaftliche Erfolg aus. Die Entwickler veröffentlichten noch zwei DLCs für das Rollenspiel, bevor bei Big Huge Games die Lichter ausgingen. Nachdem der Verkauf der Markenrechte aus der Konkursmasse des Studios mehrmals scheiterte, blieb die Zukunft von Amalur lange ungewiss. Im Sommer 2018 übernahm dann THQ Nordic die Rechte. Zwei Jahre später veröffentlicht der Publisher nun eine Remaster-Fassung des Rollenspiels und verhilft der Welt von Amalur somit zu einer zweiten Chance.

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Held ohne Schicksal

In Kingdoms of Amalur schlüpft ihr in die Rolle eines Protagonisten, der gerade erst gestorben ist. Die Experimente eines erfindungsreichen Gnoms verhelfen euch jedoch zu einem zweiten Leben. Das Besondere dabei: ihr habt kein Schicksal mehr, was in der Welt von Amalur ein sehr großes Leider sind nur wenige Charaktere in der Story so interessant wie die mysteriöse Alyn Shir, die trotz der recht bieder präsentierten Dialoge eine gewisse Faszination erzeugt. Quelle: PC Games Leider sind nur wenige Charaktere in der Story so interessant wie die mysteriöse Alyn Shir, die trotz der recht bieder präsentierten Dialoge eine gewisse Faszination erzeugt. Problem ist. Hier folgt nämlich alles und jeder dem großen Kreislauf der Vorhersehung. Jemand der sein Schicksal selbst in die Hand nehmen kann, stellt die vorhandene Ordnung also gehörig auf den Kopf. So interessant wie diese Anfangsprämisse auch ist, so sehr verfällt der Rest der Handlung leider in ein typisches Fantasy-Klischee.

Ein böser Widersacher will die ganze Welt und alle Völker unterjochen. Der schicksalslose Held (ihr) ist der der einzige, der ihn aufhalten kann. Diese Story kommt zudem auch nur schleppend in Fahrt. Leider verspielten die Entwickler auch Potential aus der Rolle des Helden als Figur ohne Schicksal mehr zu machen. Diese Ausgangslage hätte sich schließlich Prima für wichtige Entscheidungen mit entsprechenden Konsequenzen für Charaktere und Welt geeignet. Aber eventuelle Dialogentscheidungen haben keinerlei Auswirkungen und resultieren nur in leicht veränderten Gesprächen. Die dynamischen Kämpfen fühlen sich gut an und sehen super choreografiert aus. Gegen einen Gegner wie diesen Ettin ist gutes Timing beim Ausweichen seiner Schläger besonders wichtig. Quelle: PC Games Die dynamischen Kämpfen fühlen sich gut an und sehen super choreografiert aus. Gegen einen Gegner wie diesen Ettin ist gutes Timing beim Ausweichen seiner Schläger besonders wichtig.

Auch RPGs können Action

Die Stärken des Titels, die es dennoch zu einem guten Rollenspiel machen, liegen dafür in anderen Bereichen. Allen voran die motivierenden Spielmechaniken. Kingdoms of Amalur verwebt auf interessante Weise eine riesige offene Spielwelt, mit einer motivierenden Item-Spirale, einem actionreichen Kampfsystem und einer trotzdem rollenspieltechnisch recht tiefgründigen Charakterentwicklung. Das Ergebnis ist, dass das Spiel trotz seiner Mängel bei Story und Präsentation vor allem Spaß macht. Es motiviert unheimlich immer weiter zu spielen, Quests zu erledigen, Geheimnisse zu entdecken, den eigenen Charakter immer weiter auszubauen.

Drei Skillpunkte gibt es für jeden Stufenaufstieg, die wir frei auf die drei sehr unterschiedlichen Fähigkeitenbäume verteilen können. Quelle: PC Games Drei Skillpunkte gibt es für jeden Stufenaufstieg, die wir frei auf die drei sehr unterschiedlichen Fähigkeitenbäume verteilen können. Die Kampfsysteme in Rollenspielen können bisweilen schon mal statisch und sperrig wirken. Nicht so in Amalur, wo wir per Rolle ausweichen, mit einem Schild blocken sowie parieren und unsere Angriffe zu schick animierten Kombo-Attacken verbinden. Hierbei kommt es nicht nur auf die Charakterwerte des Helden an, sondern auch auf den Skill des Spielers. Timing spielt eine wichtige Rolle, da die Gegner sonst jede Gelegenheit nutzen den Spieler in die Defensive zu drängen. Die Art der ausführbaren Kombos wird dabei nicht unerheblich von der ausgerüsteten Waffe bestimmt. Hinzu kommen Fähigkeiten und Zauber, die sich über drei Skillbäume freischalten lassen. Der Kampf fühlt sich daher sehr dynamisch und befriedigend an.

Schön ist in diesem Zusammenhang auch, dass es keine traditionellen Klassen gibt. Zwar folgen die drei Talentbäume Macht, Finesse und Magie dem klassischen Fantasy-Muster von Krieger, Schurke und Magier, wir können aber völlig frei wählen, was wir wann wo wie skillen wollen. Auch die Wahl der Rüstungsart oder Waffen wird nicht durch irgendwelche Skillungen beschränkt. Wir stellen uns unsere Ausrüstung auf Basis der Werte zusammen, die wir bevorzugen und wählen eine Waffe, die unserem Kampfstil entspricht. Gegen einen kleinen Obolus können wir unsere Skillung auch jederzeit zurücksetzen lassen und mit neuen Builds experimentieren.

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Nur das Nötigste

Soweit so unverändert. Doch wie verhält es sich nun mit dem Remaster? Ist den Machern von THQ Nordic gelungen, das Spiel angemessen ins Jahr 2020 zu bringen? Die Antwort darauf fällt eher zweischneidig aus. Aus technischer Sicht darf man definitiv nicht zu viel erwarten, um nicht enttäuscht zu werden. Klar handelt es sich hier nicht um ein aufwendiges Remake wie die Neuauflage von Final Fantasy 7 oder Mafia. Man sieht dem Spiel sein Alter von inzwischen acht Jahren also auch im Remaster durchaus noch an.

Die Auflösungen wurden erhöht und auch einige Texturen wirken schärfer als noch im Original, aber insgesamt wird man das Gefühl nicht los, dass hier auch mehr drin gewesen wäre. Zugegebenermaßen funktioniert die optische Darstellung der Welt von Amalur dank seines leicht comichaften Stils auch heute noch wunderbar, ein paar mehr Details oder aufpolierte Objekte zum Beispiel bei der Vegetation hätten aber sicher nicht geschadet. Auch nicht schön ist, dass sich mit dem Remaster neue Grafikglitches eingeschlichen haben, die es im Original nicht gab. So fehlen auf einigen verschlossenen Truhen einfach mal die Deckel, einige Feienbehälter haben ein völlig verzehrtes 3D-Modell und Charaktere drehen gerne mal ihren Kopf um 180 Grad ohne den Körper mitzubewegen.

Grafikvergleich zwischen Original und Remaster

Original (PS3) Remaster (PS4)

Unverständlich ist auch, dass trotz der nur dezent überarbeiteten Optik, die häufig auftretenden Ladezeiten gerade auf den Konsolen zu lang sind. Bei jedem Betreten oder Verlassen eines Gebäudes, eines Dungeons oder der Schnellreise zwischen 10 und 30 Sekunden zu warten reißt unnötig aus dem Spielgeschehen. Das Remaster wäre doch die perfekte Gelegenheit gewesen, dem Spiel hier mal ein wenig Optimierung zukommen zu lassen. Unsere Testversion wurde zudem auch recht häufig von Abstürzen geplagt. Allerdings erschien kurz vor der Veröffentlichung noch ein Patch, der viele der Absturzursachen behoben zu haben scheint. Zumindest ist uns seitdem kein Absturz mehr aufgefallen.

Länger Herausfordernd

Deutlich bessere Arbeit haben die Entwickler allerdings bei einigen wohltuenden Änderungen am Level- und Lootsystem des Rollenspiels geleistet. Hierzu müssen wir kurz ausholen und das Levelsystem des Originals erklären. Dort besaß jedes Spielgebiet ein festgelegtes Minimal- und Maximal-Level für die Stufe von Gegnern. Sobald der Spieler ein Gebiet das erste Mal betreten hat, wurde dieses Gebiet dauerhaft innerhalb dieser Grenzwerte auf das Level des Spielers festgelegt. Ein Gebiet, das mit Level 5 gespeichert wurde, hatte also immer Level 5 Gegner, auch wenn man später zum Beispiel mit Stufe 10 wieder dahin zurückkehrte. Das führte dazu, dass man sehr schnell in vielen Gebieten des Spiels völlig übermächtig wurde.

Im Original waren so ein paar Riesenratten recht schnell keine Gefahr mehr. Das neue Levelsystem sorgt dafür, dass wir auch von den Nagern noch eine weile länger herausgefordert werden. Quelle: PC Games Im Original waren so ein paar Riesenratten recht schnell keine Gefahr mehr. Das neue Levelsystem sorgt dafür, dass wir auch von den Nagern noch eine weile länger herausgefordert werden. Diese Funktionsweise wurde für das Remaster entfernt. Stattdessen wird jetzt jedes Gebiet neu berechnet, sobald man es wieder betritt. Dabei gibt es aber weiterhin für die Gebiete individuelle Min/Max-Grenzwerte. Diese hängen jetzt allerdings auch vom Schwierigkeitsgrad ab. Auf Schwer sind Bereiche dadurch länger herausfordernd, als auf der leichten Stufe. Durch diese Änderungen konnten wir im Test erfreut feststellen, dass wir längst nicht mehr so schnell überlevelt waren, wie das noch im Original der Fall war. Die Gebiete unseres aktuellen Questfortschritts entsprachen immer sehr gut unserem aktuellen Levelstand. Wenn wir mit Stufe 20 in die Anfangsgebiete zurückkehren, sind wir aber natürlich trotzdem spürbar mächtiger, was auch so gewollt ist. Zusätzlich wurde auch ein neuer sehr schwerer Schwierigkeitsgrad eingeführt.

Positiv sind uns auch Änderungen am Lootsystem in diesem Zusammenhang aufgefallen. So wird der Loot von Behältern jetzt immer erst während des Öffnens auf Basis des Spielerlevels erzeugt und der Spieler bekommt häufiger Gegenstände die zu seiner Skillung passen. Bei Waffen hatten wir zwar hier und da mal ein paar Durststrecken, aber Rüstungen dropten angenehm oft passend zu unserer Spielweise. Es kommt auch häufiger vor, dass man mal qualitativ hochwertigere Gegenstände findet. Das sorgt für mehr Freude an der Verbesserung der eigenen Ausrüstung und motiviert uns noch mehr auf die Suche nach dem nächsten guten Item zu gehen. Die neuen Kameraoptionen erlauben es endlich die Kamera nach eigenen Wünschen einzustellen. Sogar solch weit herausgezoomte Ansichten sind möglich. Quelle: PC Games Die neuen Kameraoptionen erlauben es endlich die Kamera nach eigenen Wünschen einzustellen. Sogar solch weit herausgezoomte Ansichten sind möglich.

Licht und Schatten

Unterm Strich ist das Remaster von Kingdoms of Amalur also eine Mischung aus sinnvollen Anpassungen am ohnehin sehr guten Gameplay und verschenktem Potential auf der technischen Seite. Man hätte zum Beispiel auch über ein paar Verbesserungen für die Menüs nachdenken können, die besonders für PC-Spieler schon damals kein zufriedenstellendes Benutzererlebnis darstellten. Auf der anderen Seite, haben wir erfreut festgestellt, dass die Entwickler ein neues Kameramenü in den Optionen eingeführt haben. Darin lässt sich die Position und das Verhalten der Kamera jetzt schön individuell einstellen, nachdem diese im Original stets zu nah am Charakter war und sich gelegentlich eigenartig verhielt.

Unsere Kritikpunkte am Remaster sollen aber nicht den Umstand schmälern, dass es sich noch immer um ein hervorragendes Rollenspiel handelt, dass es schafft den Spieler in einen wunderbaren Spielfluss zu ziehen. Der riesige Umfang, der durch die enthaltenden beiden DLC noch einmal größer ausfällt, als im ohnehin schon großen Hauptspiel, sorgt für viele Stunden an Spielspaß.

Wer das Original seinerzeit verpasst hat und nicht so viel Wert auf optischen Hochglanz legt, kann dem Spiel also durchaus eine Chance geben. Für Liebhaber des Originals, die noch einmal in die Welt von Amalur abtauchen möchten, kann sich das Remaster dann lohnen, wenn man von den alten auf die aktuellen Konsolen umsteigen möchte. Auf dem PC ist die Sinnhaftigkeit zum Remaster zu greifen, wenn man das Original besitzt, aufgrund der noch geringeren technischen Unterschiede zumindest fraglich. Immerhin bekommen Besitzer des Originals auf Steam in den ersten zwei Monaten nach Release einen Rabatt von 50 Prozent auf den Kauf der Neuauflage, dessen Normalpreis bei rund 40 Euro liegt.

Meinung und Wertung

Meinung

Wertung zu Kingdoms of Amalur: Re-Reckoning (PC)

Wertung:

7.0 /10

Wertung zu Kingdoms of Amalur: Re-Reckoning (PS4)

Wertung:

7.0 /10
Pro & Contra
Actionreiches KampfsystemVielfältige CharakterentwicklungRiesiger UmfangNützliches CraftingsystemMotivierender LootAtmosphärische Spielwelt lädt zum Erkunden einSinnvoll geändertes LevelsystemNeuer SchwierigkeitsgradKameraoptionen für mehr Komfort
Klischeebehaftete Story mit wenig HöhepunktenVerschenktes Potential des Schicksalslosen HeldenUnkomfortable Menüführung, besonders mit Maus/TastaturGrafische Verbesserungen auf SparflammeHäufige und teils lange Ladezeiten

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