Avowed im Test für PS5: Zweite Chance für das unterschätzte Obsidian-Rollenspiel

Test Felix Schütz
Avowed im Test für PS5: Zweite Chance für das unterschätzte Obsidian-Rollenspiel
Quelle: Xbox Game Studios

Die Macher von The Outer Worlds finden wieder mal ihre Nische: Obsidians Action-RPG pfeift auf neue Ideen und punktet lieber mit spaßiger Erkundung zugänglichem Design. Zum Top-Titel reicht's aber nicht. UPDATE: Jetzt mit PS5-Wertung!

Wenn Obsidian Entertainment ein neues Rollenspiel abliefert, möchte man doch meinen, dass das Marketing aus allen Rohren feuert. Stattdessen fliegt Avowed noch etwas noch unter dem Radar. Hat der Publisher etwa Zweifel am Erfolg? Oder liegt's vielleicht daran, dass viele Rollenspieler derzeit noch in Böhmen unterwegs sind?

Was auch der Grund sein mag: Obisidans neues Werk hätte ruhig etwas mehr Aufmerksamkeit verdient.

Dabei macht Avowed (jetzt kaufen 49,99 € )üüberhaupt nichts neu, im Gegenteil - es hinkt der Konkurrenz in manchen Punkten sogar spürbar hinterher. Aber es hat auch eine ganze Menge Stärken, die mir Dutzende schöne Spielstunden beschert haben. Hier erfahrt ihr, wo diese Stärken liegen - und ob Avowed am Ende das richtige Action-Rollenspiel für euch ist.

Der Action-Bruder von Pillars of Eternity

Avowed spielt in Eora, also dem gleichen Fantasy-Universum, das man schon in Pillars of Eternity besucht hat. Vorkenntnisse braucht ihr aber nicht, schon allein, weil das Spiel wichtige Namen und Begriffe direkt in einem praktischen kleinen Glossar erklärt. Außerdem führt euch das Spiel an einen unverbrauchten Schauplatz, ihr seid diesmal nämlich im Land der Lebenden unterwegs - eine riesige Insel, auf der sich verschiedene unabhängige Völker angesiedelt haben und seitdem - mehr oder weniger - selbst regieren.

Das klingt zwar nach Freiheit, doch tatsächlich ist eure Rolle in Avowed streng festgelegt: Ihr reist nämlich als offizieller Gesandter des Aedyranischen Imperiums auf die Insel und habt den Auftrag, dort einer mysteriösen Seelenkrankheit nachzugehen, die Infizierte langsam in den Wahnsinn treibt. Gleichzeitig sorgt eure Ankunft aber auch für politische Spannungen, denn vielen Inselbewohnern ist das Imperium herzlich verhasst, andere dagegen würden sich ihm am liebsten direkt anschließen.

Unkomplizierte Action und eine griffige Steuerung machen Avowed sehr einsteigerfreundlich. Quelle: PC Games Unkomplizierte Action und eine griffige Steuerung machen Avowed sehr einsteigerfreundlich.

In göttlicher Mission

In Avowed sucht ihr euch keine Klasse aus, sondern spielt ihr immer einen Gottähnlichen. So werden besondere Leute mit einem speziellen Draht zu den Göttern genannt, leicht zu erkennen an pilzähnlichen Wucherungen auf dem Kopf. Das erklärt übrigens nicht nur, warum es in Avowed keine tragbaren Helme gibt, es schaut auch sehr gewöhnungsbedürftig aus. Aber keine Sorge, falls ihr keinen Bock auf Pilze und Korallen im Gesicht habt, könnt ihr den Götterbewuchs auch einfach ausblenden - auf das Gameplay hat das nämlich keinen Einfluss.

Womit ich nicht gerechnet habe: Zu Beginn holt mich die Geschichte einfach nicht ab. Erst nach einigen Stunden machte es Klick, denn im späteren Verlauf wird die Geschichte interessanter, mit ein paar überraschenden Wendungen und coolen Entscheidungsmomenten. Auch der Humor kommt nicht zu kurz, in Gesprächen gibt es oft herrlich trockene Antwortsätze, die mich mehr als einmal zum Schmunzeln gebracht haben. Das hat Obsidian immer noch drauf!

Entscheidungen und Konsequenzen

Prima: Wenn ich in Quests Entscheidungen treffe, zeigen sich die Folgen manchmal direkt, oft aber auch erst viel später. Und das gilt nicht nur für die Hauptquest, sondern auch für einige Nebenaufgaben. Ich will natürlich nichts spoilern, darum nur so viel: Ich habe einmal versucht, es mir mit einer gewissen Gruppe nicht zu verscherzen. Ach, was war ich naiv! Denn die Folgen ließen nicht lange auf sich warten: Ich hatte unabsichtlich ein Blutbad heraufbeschworen.

Die Schauplätze von Avowed sind schön, aber leblos. Quelle: PC Games Die Schauplätze von Avowed sind schön, aber leblos. Das Story-Finale kann da zwar nicht ganz mithalten, was aber in erster Linie daran liegt, dass die Inszenierung hier einfach viel zu lasch ausfällt. Mit mehr Spannung und Dramatik hätte da etwas Großes entstehen können, denn die Ideen für den Schluss sind ziemlich gut. (Nicht auszudenken, was ein Studio wie Bioware damit gemacht hätte!)

Trotzdem haben die Entwickler nicht zu viel versprochen: Das Schicksal der Lebenden Lande liegt in Avowed tatsächlich in euren Händen. Und wenn man erst mal merkt, dass sich etwas auswirkt, was man vielleicht 20 Stunden vorher geschafft oder verbockt hat, ist das schon ziemlich cool.

Typisch Obsidian

Auch die vielen Nebencharaktere sind sympathisch geschrieben, die Dialoge fallen zwar manchmal zu lang aus, machen aber Spaß. Auf deutsche Sprachausgabe müsst ihr allerdings verzichten, was für ein Vollpreis-Rollenspiel (von Microsoft wohlgemerkt!) einfach enttäuschend ist. Aber immerhin: Die englischen Sprecher hängen sich ordentlich rein und sorgen für Atmosphäre.

Und das ist auch nötig, weil Obsidian bei der Inszenierung leider ziemlich auf Sparflamme kocht. Es gibt zwar ein schick vorgerendertes Intro-Filmchen, doch im Spiel selbst kommen nur sehr wenige Ingame-Cutscenes zum Einsatz - und die fallen auch noch ziemlich langweilig aus. Gerade einige der dramatischeren Story-Ereignisse können so leider kaum ihre Wirkung entfalten und halbwegs spannende Skript-Sequenzen sind ausgesprochen selten. Da hat selbst Skyrim manchmal mehr zu bieten.

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  4. Seite 4 Avowed im Test: Das reicht nicht für die Oberklasse
  5. Seite 5 Avowed im Test: Technik, PS5 und Wertung
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