Avowed im Test: Das reicht nicht für die Oberklasse

Test Felix Schütz
Avowed im Test: Das reicht nicht für die Oberklasse
Quelle: Xbox Game Studios

Trotz des schwachen Gegner-Designs machen die Kämpfe in Avowed überraschend viel Spaß. Vor allem Einsteiger kommen hier auf ihre Kosten.

Enttäuschendes Gegnerdesign

Im Gegensatz zum Kampfsystem hat mich das Gegnerdesign enttäuscht. Nicht nur, weil es ziemlich einfallslos ist, es wiederholt sich auch einfach zu oft. Meistens kämpft man gegen irgendwelche Echsenwesen, gegen Untote, Riesenspinnen, Käfer oder Wahnsinnige, die von der Seelenplage heimgesucht wurden. Hier und da gibt's zwar auch noch andere Gegnertypen, zum Beispiel Soldaten oder magische Konstrukte, doch gerade in Hinblick auf die Gesamtspielzeit ist das trotzdem zu wenig.

Auch bei den Bosskämpfen verschenkt Obsidian massenhaft Chancen. Richtig große, eindrucksvolle Monster sind mir im gesamten Spiel nicht begegnet - und glaubt mir, ich habe gesucht. Ein Oger oder ein mutierter Bär waren da schon das Höchste der Gefühle. Ansonsten kämpft man einfach gegen stärkere Varianten von Standard-Gegnern - und das ist leider genau so uncool, wie es klingt.

Waffen und Zauber

Auch die Waffenauswahl ist nicht gerade kreativ, für Nahkämpfer gibt es aber zumindest Dolche, Schwerter, Speere, Äxte, Streitkolben und Schilde, das geht in Ordnung. Genau wie in Skyrim dürft ihr außerdem jede Hand frei belegen. Dadurch lassen sich zum Beispiel zwei Einhandwaffen kombinieren oder ihr nutzt gleichzeitig ein Schwert und einen Zauberstab.

Fernkämpfer werden ebenfalls bedient, wenn auch mit weniger Auswahl: Für sie stehen nur Pistolen, Gewehre und Bögen bereit. Gerade die Schusswaffen wirken anfangs eher mickrig, können aber mächtig austeilen, wenn ihr euren Charakter passend geskillt und ausgerüstet habt. Vor allem gegen Ende des Spiels nicht zu unterschätzen!

Für Magier stehen Zauberstäbe bereit, sie feuern leichte magische Geschosse ab, die von Feinden abprallen können. Wer härtere Zauber einsetzen will, kann sie entweder im Talentbaum freischalten oder schnappt sich einfach ein Zauberbuch, das sofort vier magische Fähigkeiten bereitstellt. Das lässt sich übrigens auch prima mit einer Nahkampfwaffe kombinieren. Sehr zu empfehlen!

Denn mit Eishagel, Flammenstrahl und Kettenblitz bekommt ihr auch größere Gegnergruppen problemlos klein. Damit ihr aber flexibel bleibt, könnt ihr zwei Slots mit Ausrüstung belegen und so zum Beispiel schnell vom Feuermagier zum Axtkämpfer oder Pistolenschützen umschalten.

Wie viel Rollenspiel steckt da drin?

Da es keine festen Klassen gibt, stehen euch drei Talentebereiche offen, in denen ihr nach jedem Levelaufstieg einen Punkt verteilt. Die Menüs sind klein und aufgeräumt, da muss niemand lange über einem Build grübeln. Zumal die meisten Upgrades ohnehin nur passive Boni wie mehr Nahkampfschaden, Lebenskraft oder höhere Crit-Chancen darstellen.

Es gibt aber auch ein paar aktive Skills und Zauber, etwa einen Wirbelangriff oder eine Stampfattacke. Die sind nützlich, aber kein Muss. Denn Levelaufstiege erfolgen in Avowed eher langsam und Talentpunkte sind rar. Da will jedes Upgrade überlegt sein. Damit man sich nicht verzettelt, könnt ihr eure Punkte aber auch jederzeit zurücksetzen und umverteilen, das kostet nur ein bisschen Gold - so kann man später guten Gewissens eine andere Skillung ausprobieren.

Neben den Talenten gibt's auch ein simples Menü für eure Charakterattribute, mit denen ihr in erster Linie eure Lebenspunkte, Kampfkraft, Magie oder Ausdauer steigert. Manche Attribute ermöglichen außerdem bestimmte Antwortmöglichkeiten in Dialogen - so lassen sich manche Situationen zum Beispiel gewaltlos regeln. Und keine Sorge: Auch hier könnt ihr jederzeit umskillen, falls euch mal etwas nicht passt. Sagte ich schon, dass Avowed überaus einsteigerfreundlich ist?

Mit Magie teilt ihr auch auf Distanz zuverlässig aus. Quelle: PC Games Mit Magie teilt ihr auch auf Distanz zuverlässig aus.

Ausrüstung und Crafting

Die Gegner leveln allerdings nicht mit, sondern haben festgelegte Stufen. Und genau das gilt auch für eure Ausrüstung, die ihr auf jeden Fall verbessern müsst, damit ihr im nächsten Gebiet nicht unter die Räder kommt.

Am wichtigsten sind dabei die einzigartigen Gegenstände, die oft gut versteckt sind. Denn nur die verpassen euch spezielle Boni, die unterschiedliche Spielweisen unterstützen. Fernkämpfer ziehen zum Beispiel spezielle Ringe für kritischen Trefferschaden an, Nahkämpfer schnappen sich dagegen einen Schild, der Lebenspunkte wiederherstellt. Simpel, aber effektiv.

Mit einzigartigen Items könnt ihr euren Build gehörig aufmotzen. Darum sind sie aber auch die einzig relevanten Items im Spiel. Alles andere, was ihr unterwegs an Standardwaffen und Rüstungen findet, wird verkauft oder besser noch direkt in Rohstoffe zerlegt. Die braucht ihr nämlich dringend, um eure anderen Items zu verbessern und auf immer höhere Qualitätsstufen zu bringen.

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