Die Welt von Avowed bietet jede Menge zum Suchen und Entdecken. Das tröstet auch ein bisschen über die schwachen Begleiter hinweg.
Die Begleiter: Stärken und Schwächen
Ein echtes Plus sind aber die Begleiter, die ihr im Spielverlauf anheuert. Es sind zwar insgesamt nur vier Stück, von denen ihr auch immer nur zwei gleichzeitig mitnehmen dürft, aber dafür sind die Figuren gut und sympathisch geschrieben. Sie kommentieren regelmäßig das Geschehen, plaudern auch miteinander oder grübeln später am Lagerfeuer über meinen Entscheidungen. Außerdem haben sie alle ihre eigenen Sorgen und Gefährtenquests - spätestens da wachsen sie mir dann richtig ans Herz.
Schade allerdings, dass man Begleiter weder ausrüsten noch großartig beeinflussen kann, das fühlt sich wie eine verpasste Chance an. Sicher: Meine Kumpels folgen mir zuverlässig, kämpfen brav mit und stehen auch nie im Weg rum. Aber sie entwickeln sich auch nie richtig weiter, dadurch fühlen sie sich statisch an. Zwar kann man hin und wieder auch ein paar Upgrade-Punkte auf ihre Kampftalente verteilen, doch das fällt kaum ins Gewicht. Romanzen sind übrigens nicht möglich und ich hatte auch nie das Gefühl, dass man es sich mit einer Figur so richtig verscherzen kann. Da sind andere Rollenspiele schon lange deutlich weiter.
Überhaupt sollte man mit den richtigen Erwartungen an Avowed rangehen, denn Obsidian verzichtet auf eine ganze Menge Features, die man vielleicht aus Dragon Age, Skyrim oder Baldur's Gate gewohnt ist. Wo andere RPGs zum Beispiel Fraktionen, Gilden, Ruf-Mechaniken, Minispiele, Nebentätigkeiten oder ein Moralsystem bieten, beschränkt sich Avowed aufs Wesentliche. Das ist einerseits erfrischend, weil es dadurch kaum Ballast hat und schnell kapiert ist. Und gegen Einsteigerfreundlichkeit ist ja erst mal nix zu sagen.
Quelle: PC Games
Am Lagerfeuer tauscht ihr euch mit euren Begleitern aus.
Andererseits entwickelt sich das Gameplay dadurch auch nie weiter, die meisten Features hat man schon nach ein paar Stunden gesehen und werden danach nur noch wiederholt. Und auch wenn es hart klingt: Avowed bietet einfach nichts Neues! Sieht man mal von den schicken Umgebungsgrafik ab, hätte man das Spiel auch problemlos vor 15 Jahren rausbringen können.
In diesem Artikel
- Seite 1 Avowed im Test: Es muss nicht immer ein Meisterwerk sein
- Seite 2 Avowed im Test: Überraschung aus der zweiten Reihe
- Seite 3 Avowed im Test: Wurde das Action-RPG zu lange unterschätzt?
- Seite 4 Avowed im Test: Das reicht nicht für die Oberklasse
- Seite 5 Avowed im Test: Technik, PS5 und Wertung
- Seite 6 Bildergalerie
Sammeln und entdecken
Aber: Avowed ist nun mal kein Skyrim, will es auch gar nicht sein. Ihr erkundet auch keine zusammenhängende Open-World, sondern in erster Linie nur vier offene Maps. Die Abfolge dieser Level ist durch die Story vorgegeben, das heißt, ihr müsst die Hauptquest weiterspielen, um ins nächste Gebiet zu reisen. Das macht Avowed deutlich linearer als viele andere Rollenspiele heutzutage.
Trotzdem versprühen die Landschaften jede Menge Open-World-Feeling, da die Gebiete angenehm groß ausfallen und euch beim Erkunden kaum Grenzen gesetzt werden. Gleichzeitig sind die Maps nie so überdimensionert, dass man die Lust verliert. Obsidians Leveldesigner ist da ein kniffliger Spagat gelungen - da hat sich das Studio seit The Outer Worlds massiv gesteigert!
Die Maps sind aber nicht nur groß, es gibt es auch immer wieder lustige und interessante Sachen zu entdecken. An einem Strand treffe ich zum Beispiel auf ein merkwürdiges Skelett, das mich prompt zu einem Kampf rausfordert - dann geht's zwar rund, aber dafür winkt als Belohnung auch eine besondere Zweihandwaffe.
Oder ich klettere an einem alten Leuchtturm empor, wo ich eine Leiche entdecke, die eine Schatzkarte umklammert hält. Die liefert mir allerdings kaum mehr als eine Zeichnung, das heißt: Wenn ich den Schatz in den Riesenlevels wirklich finden will, muss ich ganz schön die Augenoffenhalten.
Quelle: PC Games
Die Level in Avowed sind weitläufig und überraschend hübsch gestaltet.
Das gilt besonders für die Göttertotems, die mir einen ganzen Schwung passiver Boni verpassen. In jedem der vier Gebiete ist eines davon versteckt - allerdings muss ich zusätzlich noch jeweils sechs Fragmente sammeln, bevor sie ihre volle Wirkung entfallen. Und die sind teilweise richtig gut versteckt. Ich weiß nicht, wie es euch geht, aber mich motiviert sowas ungemein!
Leider ist das aber auch schon alles, was Avowed an "Adventure"-Elementen zu bieten hat. Ein paar knackige Rätsel hätten uns die Entwickler doch ruhig zutrauen dürfen! Stattdessen muss man höchstens mal ein paar Schalter aktivieren oder brüchige Wände mit einer Granate wegsprengen. Das ist zwar nicht schlecht, fordert aber auch nicht im geringsten.
Dabei hätte es durchaus mehr Möglichkeiten gegeben: Mit Eisgranaten und Frostmagie erzeugt man zum Beispiel kleine Plattformen auf Wasseroberflächen. Außerdem lässt sich das kühle Nass unter Strom setzen. Und mit Feuer kann man Dornenranken abfackeln. Alles nettes Features, die aber kaum zum Einsatz kommen und auch nie für kluge Puzzles genutzt werden. Mein innerer Guybrush lässt die Schultern hängen: Mensch, was wäre da alles drin gewesen!
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- Seite 2 Avowed im Test: Überraschung aus der zweiten Reihe
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- Seite 5 Avowed im Test: Technik, PS5 und Wertung
