Vier schießwütige Trottel, überdrehte Action, Online-Gedöns und zig Wiederholungen: Mit Suicide Squad will Rocksteady an seine Arkham-Erfolge anknüpfen, doch der Versuch geht daneben. Abschreiben sollte man es trotzdem nicht!
Suicide Squad. Schon allein der Name entbehrt nicht einer gewissen Ironie. Schließlich wird dem Spiel schon seit Jahren nachgesagt, "dead on arrival" zu sein, zum Scheitern verurteilt. Der schlechte Ruf kam mit Ansage, selbst eingeschworene Fans rieben sich bei der Ankündigung irritiert die Äuglein: Auf das finstere Batman: Arkham Knight soll plötzlich chaotische Koop-Action folgen, ein Loot Shooter, bunt, lustig, überdreht. Dazu Buzzwords, die außer dem Publisher niemand hören will: Live-Service, Season Pass, Kosmetik-Shop, Online-Pflicht und das alles bitte schön zum Vollpreis - da mussten viele erst mal kräftig schlucken.
Auch die Entwickler taten sich schwer, das Spiel richtig zu vermitteln. Der Release wurde mehrfach verschoben, an der Vision hielt man trotzdem eisern fest - und nun zeigt sich leider, dass die Sorgen begründet waren. Suicide Squad: Kill the Justice League (jetzt kaufen 69,99 € ) legt einen schwachen Start hin, auf Steam liegt der Höchstwert bei gerade mal 13.000 Spielern. Für einen Titel dieser Größenordnung ist das schlichtweg zu wenig.
Wir haben es trotzdem seit dem Release intensiv gespielt. Und siehe da: Wir hatten deutlich mehr Spaß mit dem Ding, als wir anfangs dachten! Es braucht zwar eine Weile, bis man richtig reinkommt. Und ja: Es ist definitiv kein neues Arkham City. Aber Suicide Squad hat auch seine ganz eigenen Qualitäten - und wo die liegen, klären wir Test.
Update: Den Test zu Suicide Squad gibt's jetzt auch als Video-Review!
Böse Helden
Die ersten Spielminuten irritieren mehr, als dass sie unterhalten: Man wird einfach ins Geschehen geworfen und bekommt die Grundlagen der Steuerung eingetrichtert. Worum es überhaupt geht, erfährt man erst nach dem Tutorial: Fünf Jahre nach den Ereignissen aus Arkham Knight wird die Stadt Metropolis von dem vielbeschäftigten Superschurken Brainiac angegriffen. Der unterzieht die Justice League prompt einer Art Gehirnwäsche und bringt so mächtige Helden wie Superman, Batman oder Green Lantern unter seine Fuchtel. So kann er mühelos die ganze Stadt unterwerfen und die Bevölkerung abtransportieren, um sie nach und nach in eine außerirdische Invasionsarmee verwandeln. Wer wäre so blöd, sich mit so einem Feind anzulegen?
Vorhang auf für unser Selbstmordkommando: Ausgerechnet King Shark, Deadshot, Captain Boomerang und Harley Quinn bekommen den Auftrag, die bösen Helden stoppen, Metropolis zu retten und Brainiac plattzumachen. Wenn die Guten schwächeln, müssen halt die Bösen ran.
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Vier Chaoten retten die Welt
Auch wenn Suicide Squad im gleichen Universum angesiedelt ist wie Rocksteadys Batman-Spiele, schlagen die Entwickler diesmal heitere Töne an. Das Spiel hat zwar auch seine ernsten Seiten, doch meistens gibt sich die Story humorvoll und selbstironisch. Euer Schurkenteam albert von früh bis spät herum, da ist lachen ausdrücklich erlaubt - auch wenn die Gags nicht immer zünden und manchmal sogar anstrengend geraten. Die Batman-Spiele waren da noch deutlich ausgewogener.
Dafür entschädigen aber die vielen langen Zwischensequenzen. Die sind nicht nur sehr hübsch gemacht und toll geschnitten, sie halten auch die eine oder andere faustdicke Überraschung parat. Ein paar Szenen sorgten zwar schon für Kontroversen unter den Fans, aber vieles davon lässt sich als Geschmacksfrage abhaken: Wir sind hier im DC-Universum, mit Logik und Kontinuität braucht man da gar nicht erst anfangen. Und dass in einem Spiel, das sich selbst "Kill the Justice League" nennt, nicht mit Wattebällchen geworfen wird, sollte wohl allen klar sein.
Quelle: PC Games
Grün und böse: Der mächtige Green Lantern kämpft nun auf Brainiacs Seite.
Ein echtes Highlight ist außerdem die Darstellung der Charaktere: Alle wichtigen Figuren und ganz besonders eure Schurkentruppe verfügen über starke Mimik und feine Animationen, hier haben Rocksteadys Grafiker ganze Arbeit geleistet. (Gotham Knights kann da bei Weitem nicht mithalten!) Auch die Sprecher gehen völlig in Ordnung, die meisten der deutschen Stimmen sind gut gewählt. Das englische Original klingt aber wieder eine ganze Ecke besser - schon allein, weil hier nochmal der gefeierte Kevin Conroy in seiner Paraderolle als Batman zu hören ist. Der beliebte Schauspieler erlag Ende 2022 einer Krebserkrankung.
