Vier schießwütige Trottel, überdrehte Action, Online-Gedöns und zig Wiederholungen: Mit Suicide Squad will Rocksteady an seine Arkham-Erfolge anknüpfen, der Versuch geht daneben. Abschreiben sollte man es trotzdem nicht.
Gute Bewaffnung ist aber nur die halbe Miete, denn die Kämpfe folgen auch einem bestimmten Rhythmus. Egal, ob ihr Feinde mit Nahkampfattacken für kritische Treffer vorbereitet, Angriffe unterbrecht oder angeschlagene Gegner mit Schildbrechern umhaut, um so frische Energie zu tanken - das alles muss sitzen, will man später nicht unter die Räder kommen.
Mit der Zeit erhalten eure Helden auch noch ein paar Spezialangriffe, die ganze Gruppen ausradieren. Außerdem könnt ihr eure Granaten und Nahkampfwaffen mit Effekten belegen, die Gegner dann zum Beispiel einfrieren oder in Raserei versetzen. Zu Beginn sieht man davon allerdings noch herzlich wenig, denn die meisten Features und Gegnertypen werden erst nach und nach freigeschaltet.
Und damit ihr das auch wirklich, wirklich mitbekommt, blendet das Spiel zu jeder Neuerung eine bildschirmfüllende Info-Tafel ein, die sich erst nach ein paar Sekunden wegdrücken lässt. Das bremst den Spielfluss unnötig aus und wirkt besonders in einem Online-Spiel deplatziert.
Quelle: PC Games
Auf der Karte wählt ihr eure nächste Mission aus. Leider wiederholen sich die Einsätze immerzu.
Eintönige "Nebenaufgaben"
Metropolis ist zwar ein imposanter Schauplatz, doch auf den ersten Blick wirkt die Stadt auch überraschend leer. Es gibt keine dynamischen Ereignisse oder interessanten Zufallsbegegnungen, eure Missionsziele sind klar vorgegeben und die meisten Gegner kann man problemlos umgehen. Zumindest gibt es aber wieder typische Riddler-Rätsel wie in Arkham City, ihr dürft also auch hier bestimmte Orte scannen oder Trophäen sammeln, sofern das euer Ding ist. Ansonsten könnt ihr die Rätsel auch einfach ignorieren.
Im Laufe der Zeit trefft ihr außerdem wichtige NPCs, die euch ihre Dienste anbieten. Der berüchtigte Pinguin tritt beispielsweise als Waffenhändler auf. Poison Ivy kümmert sich um zusätzliche Schadenseffekte wie Feuer oder Eis. Und die Cyber-Spezialistin Hack schaltet Bonusziele frei, mit denen ihr regelmäßig Bonusressourcen einstreichen könnt.
Quelle: PC Games
Alle Helden fühlen sich klasse an. Ihr könnt euch auf eine Figur konzentrieren oder die Charaktere nach Belieben durchwechseln.
Bevor ihr das alles aber richtig nutzen dürft, müsst ihr erst eine Reihe von Aufträgen erledigen. Nun könnte man meinen, dass Rocksteady gerade hier ein paar spannende Geschichten auf Lager hat, die starken Charaktere gäben es ja locker her. Doch weit gefehlt: Die Nebenmissionen haben außer ein paar kurzen Dialogen nur wenig zu bieten, die Figuren entwickeln sich kein bisschen weiter und spannende Überraschungen gibt's auch nicht.
Noch enttäuschender finden wir aber, dass sich die kurzen Aufgaben ständig wiederholen: Für den Pinguin müsst ihr zum Beispiel immer nur Zivilisten retten. Poison Ivy will mehrfach, dass man ihre Pflanzen beschützt und für Toyman sollt ihr immerzu Datenscherben sammeln. Klingt vielfältig? Ist es aber nicht! im Grunde müsst ihr ständig die gleichen Gegner in den gleichen Situationen mit den gleichen Tricks bekämpfen. Die Action macht zwar trotzdem Spaß, doch die Aufgaben selbst sind so eintönig und erzählerisch dünn, dass wir uns schon fragen, was Rocksteady eigentlich all die Jahre gemacht hat.
Diablo lässt grüßen
Doch wenigstens lohnt sich das Ganze: Habt ihr die kurzen Missionen abgehakt, könnt ihr eure Waffen und Granaten mit nützlichen Effekten belegen, außerdem dürft ihr die Werte eurer Ausrüstung anpassen oder Knarren in höherer Qualität kaufen. Wer Destiny 2 oder Borderlands gespielt hat, wird da ein Muster erkennen: Unter der Haube von Suicide Squad steckt eben ein typischer Loot Shooter, in dem es vor allem darum geht, ständig neue Beute mit besseren Eigenschaften abzustauben.
Quelle: PC Games
Typisch Loot Shooter: Ihr sammelt regelmäßig bessere Waffen und seltene Ausrüstung. Die Werte lassen sich später auch verändern.
Leider fällt die Inventarverwaltung etwas umständlich aus, eine Vergleichsoption oder ein geteiltes Beutefach für alle vier Charaktere gibt es beispielsweise nicht. Und wenn ihr als Missionsbelohnung unnütze Items erhaltet, dürft ihr sie nicht sofort in Rohstoffe zerlegen, sondern müsst immer erst ins Inventar wechseln. Das kostet unnötig Zeit, ist aber notwendig - sonst kann der Rucksack nämlich schnell unübersichtlich werden.
