Vier schießwütige Trottel, überdrehte Action, Online-Gedöns und zig Wiederholungen: Mit Suicide Squad will Rocksteady an seine Arkham-Erfolge anknüpfen, der Versuch geht daneben. Abschreiben sollte man es trotzdem nicht.
So läuft Suicide Squad auf dem PC
Apropos PC-Fassung: Die lässt sich mit Maus und Tastatur sehr ordentlich steuern, auch wenn wir einem guten Gamepad immer noch den Vorzug geben. Noch wichtiger ist aber, dass ihr kräftige Hardware im Gehäuse habt, um das hübsche Metropolis mit seinen vielen zerstörbaren Objekten zu stemmen. Die offiziellen Systemanforderungen findet ihr hier.
Nur auf dem PC könnt ihr außerdem Raytracing aktivieren, dadurch spiegeln sich Objekte und Charaktere realistisch auf bestimmten Oberflächen. Das sieht schick aus, bleibt auf Mittelklasse-Rechnern aber reines Wunschdenken - die haben nämlich ganz andere Sorgen. Es gibt zwar eine Reihe von Grafikoptionen, um meistens noch saubere 60 Fps zu erreichen, darunter auch DLSS und andere Upscaling-Methoden. Doch auf den höchsten Einstellungen schwenken selbst Monster-Maschinen irgendwann die weiße Fahne. Unsere Kollegen von der PC Games Hardware haben vor allem die unverhältnismäßige Prozessor-Auslastung als Problem ausgemacht - im CPU-Benchmark-Test zu Suicide Squad erfahrt ihr alles Wesentliche.
Quelle: PC Games
Die flüssige Steuerung der vier Helden ist ein echtes Highlight.
Kostüme gegen Bares
Dass Suicide Squad ein Live-Service-Game ist, lässt es sich erstaunlich wenig anmerken. Es gibt zwar tägliche Belohnungen, aber die fallen kaum ins Gewicht und man wird auch nicht ständig zum Koop gedrängelt. In eurer Basis werdet ihr auch keinen zufälligen Spielern begegnen, solange ihr eure Session nicht für andere geöffnet habt. Einen typischen Shop gibt's aber natürlich trotzdem, hier dürft ihr euch mit neuen, kostenpflichtigen Klamotten, Emotes oder Siegesanimationen eindecken. Das ist zwar alles reine Kosmetik und fürs Gameplay völlig nebensächlich, doch wer sich optisch so richtig von anderen Spielern abheben will, muss mal wieder zum Geldbeutel greifen. Für alle anderen ist die Sache klar: einfach ignorieren!
Quelle: PC Games
Im Shop könnt ihr euch mit kosmetischem Zeug eindecken.
Saison 1 im März: Der Joker macht sich startklar
Mit solchen Mitteln will Warner offenbar noch ein paar Taler dazuverdienen, schließlich soll euch das Spiel noch eine ganze Weile bei der Stange halten: Mindestens vier Seasons mit unterschiedlichen Themen sind angekündigt, die erste soll bereits im März starten. Mit jeder Season wird es neue Umgebungen, Aufgaben, Beute und vor allem frische spielbare Charaktere geben, die eure Schurkentruppe verstärken. Den Anfang macht ein runderneuerter Joker, den ihr einfach aus einer Paralleldimension rekrutieren dürft. Es handelt sich also ausdrücklich nicht um den Mark-Hamill-Joker, der schon in Arkham City das Zeitliche gesegnet hat, sondern um einen neuen Charakter. Klingt vielversprechend!
Alle diese Inhalte werden kostenlos ins Spiel gepatcht. Wer mag, darf sich im März zusätzlich noch einen Premium Season Pass mit zusätzlichen Belohnungen kaufen. Auf der offiziellen Seite betonen die Entwickler aber, dass sich auch dieser Premium Pass ausschließlich auf kosmetische Inhalte beschränken wird.
So löblich die Aussicht auf kostenlosen Content auch sein mag: Das Spiel wird zum Vollpreis verkauft, und dafür hätten wir zum Launch einfach mehr Inhalt erwartet. Wir haben zwar mehr als 30 Stunden in das Spiel gesteckt, allerdings schließt das auch alle Nebenaufgaben und mehrere Endgame-Sessions mit ein. Wer sich dagegen nur auf die Story konzentriert, kommt locker mit der halben Zeit aus. Wir finden: Für 70 Euro ist das (noch) zu wenig.
Quelle: PC Games
Bunt, arcadig, laut: Der Stil von Suicide Squad passt eigentlich kein bisschen zur Arkham-Serie.
Das nächste Anthem? Hoffentlich nicht!
Den Release von Suicide Squad: Kill the Justice League als "kontrovers" zu bezeichnen, wäre also noch geschmeichelt. Dem Spiel fehlt es an Langzeitmotivation, viele Nebenaufgaben wiederholen sich und die meisten Spielmechaniken entwickeln sich kaum weiter. Auf der anderen Seite punktet die Popcorn-Action mit hohem Tempo und fluffiger Steuerung, die Charaktere sind wunderbar gestaltet und auch die verrückte Story hat ihre Momente. Es hat zwar etwas gedauert, bis wir mit dem Spiel warm wurden, doch am Ende hat es uns deutlich besser unterhalten, als wir erwartet hatten. Das rettet die Wertung noch knapp auf eine 7 - doch von einer uneingeschränkten Empfehlung sind wir immer noch weit entfernt.
Denn die Zukunft von Suicide Squad bereitet uns Sorgen: Mit Updates und Seasons könnte sich das Actionspiel zwar noch kräftig steigern, gute Grundlagen sind schließlich da! Es bleibt allerdings fraglich, ob Rocksteady überhaupt noch die nötige Zeit bekommt, um das Spiel wie geplant auszubauen: Warner Bros. Games hat bislang zwar keine offiziellen Verkaufszahlen veröffentlicht, doch die wenigen Spieler auf Steam sprechen bereits Bände. Warum noch Content für ein Spiel entwickeln, wenn die Community längst weitergezogen ist? Spiele wie Anthem können ein Lied davon singen.
Andererseits gibt es auf Steam eine Menge positiver Stimmen, die eine Lanze für Suicide Squad brechen. Auch auf Metacritic finden sich lobende Tests. Und Rocksteady weiß (hoffentlich), dass man nun schleunigst Inhalte nachliefern muss, um die Fans zurückzugewinnen. Warten wir also ab, was die erste Season bringt! Vielleicht ergeht es dem Spiel am Ende genau wie seinen vier Anti-Helden. Die sind nämlich auch nicht totzukriegen - selbst wenn die meisten sie eigentlich schon abgeschrieben hatten.
Suicide Squad: Kill the Justice League ist seit dem 02. Februar erhältlich. Ihr könnt euch das Spiel für PC, Xbox Series S/X oder PS5 kaufen, der Preis liegt bei 70 Euro. Die PS4 und Xbox One werden nicht bedient. Die PC-Fassung gibt's wahlweise auf Steam oder im Epic Games Store. Auf dem PC kommt auch der umstrittene Denuvo-Kopierschutz zum Einsatz. Transparenzhinweis: Die Version des Spiels wurde uns vom Publisher zur Verfügung gestellt.
