Mit pubertärem Humor und halbnackten Frauen sorgt Duke Dukem 3D für einige Kontroversen - und überschattet damit seine vielen Stärken.
Und auch bei der Geschichte hat man sich nicht lange den Kopf zerbrochen, die geht nämlich in etwa so: Böse Aliens suchen die Erde heim, um attraktive, junge Frauen zu entführen - und der Duke zieht los, um sie zu retten. Das war's.
Und dabei ist der Part mit dem Retten sehr großzügig ausgelegt, denn die wehrlosen "Babes" (so werden sie im Spiel genannt) kann man ohnehin nicht aus ihren Kokons befreien. Da hat man eigentlich nur die Wahl, die hilflose Frau von ihrem Leid zu erlösen - oder einfach schulterzuckend weiterzugehen. Sinn ergibt beides nicht.
Doch mit solchen Kleinigkeiten hält sich der Duke nicht auf, der Typ ist schließlich nicht zum Denken da. Er ist das wandelnde Klischee von einem Actionhelden, laut, hypermaskulin und hemmungslos überzeichnet. Als hätte man ein halbes Dutzend Filmstars aus den 80ern zusammengetackert, den Muskelberg mit Steroiden aufgespritzt und ihm dann noch ein paar Mal mit einem Stück Wellblech vor den Kopf gehauen.
Quelle: PC Games
Die Darstellung der entführten Frauen zieht einige Kontroversen nach sich.
Natürlich ist diese Art von Humor nicht jedermanns Sache! Die einen lachen sich schlapp, die anderen finden es pubertär, sexistisch oder einfach nur nervig. 3D Realms kann es egal sein, denen geht es nicht darum, Moralvorstellungen aufzubrechen oder ein Statement abzugeben. Man will einfach einen guten Shooter abliefern, der sich verdammt noch mal nicht ernst nimmt! Ein albernes Spiel, in dem man auch mal lachen oder den Kopf schütteln darf, während die Fetzen fliegen! "Es ist einfach kindisch.", wird Allen Blum viele Jahre später über sein eigenes Werk sagen. Stimmt genau. Trotzdem - oder vielleicht gerade deshalb - bleibt es vielen Fans bis heute so gut im Gedächtnis.
In diesem Artikel
- Seite 1 Duke Nukem 3D: Rückblick auf einen Shooter, den es so nie wieder geben wird
- Seite 2 Duke Nukem 3D: Die Build-Engine macht's möglich!
- Seite 3 Duke Nukem 3D: Coole Details und interaktive Levels
- Seite 4 Duke Nukem 3D: Clevere Tricks und Easter Eggs
- Seite 5 Duke Nukem 3D: Atomic Edition und Konsolenumsetzungen
- Seite 6 Duke Nukem 3D: Source Ports, EDuke32 und die Megaton Edition
- Seite 7 Duke Nukem 3D: Fazit und Vermächtnis - Hail to the King, Baby...?
- Seite 8 Bildergalerie
Viel mehr als nur ein Doom-Klon
Humor hin oder her, am Ende zählt das Gameplay. Und genau da kann Duke Nukem 3D so richtig punkten, vor allem mit seinem Leveldesign. Das setzt nämlich auf halbwegs realistische Settings - für Shooter zu der Zeit sehr ungewöhnlich! In der ersten Episode seid ihr zum Beispiel in L.A. unterwegs und kämpft dort in Kinos, Hinterhöfen und Videotheken, in Filmstudios, Striptease-Lokalen oder Gefängnissen. Die Level sind außerdem erstaunlich detailliert und längst nicht so flach aufgebaut wie in vielen Konkurrenzspielen. Die Build Engine macht's möglich.
Und es gibt ungewöhnlich viele Erkundungsmöglichkeiten, alternative Wege und Secrets, die in Doom schlichtweg nicht möglich gewesen wären. Kurz nach Spielbeginn könnt ihr zum Beispiel auf eine Kiste springen, von dort auf eine andere Ebene hüpfen und dort einen versteckten Raketenwerfer aufsammeln - so was wirkt heute vielleicht belanglos, ist Anfang 1996 aber noch ganz schön fortschrittlich!
Quelle: PC Games
Die dreiläufige Chaingun (auch Ripper genannt) ist das einzige Maschinengewehr im Spiel.
Umso merkwürdiger wirkt es heute, dass Duke Nukem 3D bei Release noch standardmäßig mit der Tastatur gespielt wird. Vielleicht wollten die Entwickler damit die Doom- und Wolfenstein-Fans abholen, die es so gewohnt sind. Doch gerade in den späteren Levels wird es ohne Maus unnötig knifflig, da man oft nach oben oder unten zielen muss. Zwar gibt's ein starkes, vertikales Auto-Aiming, doch das hilft beim Ausweichen oder Erkunden natürlich auch nicht weiter. Keine Frage, das Zielen per Maus hatten davor schon andere Spiele eingeführt, zum Beispiel Marathon oder Terminator: Future Shock. Doch erst mit Quake und Duke Nukem 3D wird es endgültig zum neuen Standard im Genre.
Interaktive Details
Schnell fällt auf, dass die Perspektive beim Rauf- und Runterschauen noch hässlich verzerrt, was im schlimmsten Fall zu Motion Sickness führen kann. Es ist eine Einschränkung, die auch schon die Doom-Engine geplagt hatte. Spätere Editionen von Duke Nukem 3D lösen das Problem zwar mit echter Perspektivenkorrektur, doch in der Ursprungsversion muss man noch ohne auskommen.
Echte Duke-Fans lassen sich davon aber natürlich nicht abhalten, dafür macht das Erkunden zu viel Spaß. Das ist vor allem den unzähligen interaktiven Elementen und Details zu verdanken, die es in den Levels zu entdecken gibt. Ihr könnt zum Beispiel Lichtschalter verwenden, was nicht ein netter optischer Effekt ist, sondern die Kämpfe in dunklen Räumen auch spürbar einfacher macht. In Doom gab es solche Mechaniken nicht - und genau deshalb will 3D Realms sie auch haben. Schließlich will man den Fans etwas Neues bieten!
Coole Details und interaktive Level
Gleich im zweiten Level steht ein Billardtisch, an dem man sämtliche Kugeln versenken kann, wenn man Lust dazu hat. Spielerisch zwar völlig unbedeutend, aber es sind gerade solche Details, die dafür sorgen, dass sich die Level nicht wie stumpfe Schießbuden anfühlen. Manchmal entdeckt man auch Computerbildschirme, an denen man auf Überwachungskameras zugreift. Die liefern euch dann nützliche Hinweise auf Schlüsselkarten und versteckte Items oder sie verraten euch die Positionen von Gegnern. Auch Luftschächte lassen sich oft benutzen, wenn man das Gitter zertrümmert und hineinkriecht. Darin winken da zum Beispiel Secrets mit Power-Ups oder vielleicht entdeckt man einen Weg zu einem versteckten Bonuslevel.
Und sogar Toiletten sind funktional, was erst mal wie ein alberner Gag wirkt. Aber wenn ihr die Klos zerballert, könnt ihr von den Wasserfontänen trinken und so Lebenspunkte tanken. Also nicht nur ein Gimmick, sondern tatsächlich ein nützliches Feature!
Durchdachtes Leveldesign
Letztendlich geht es natürlich auch in Duke Nukem 3D nur wieder darum, tonnenweise Feinde wegzuballern, farbige Schlüsselkarten zu sammeln und lebendig den Levelausgang zu erreichen. Erkundung nimmt dabei aber einen größeren Stellenwert ein. Hin und wieder sind Items sogar halbwegs "sinnvoll" platziert und liegen nicht einfach nur in der Gegend rum wie in so vielen anderen Shootern aus der Ära. Zum Beispiel in Schränken, von denen man manche sogar öffnen kann.
Überhaupt beweisen Allen Blum und Richard Grey beim Leveldesign ein gutes Händchen, das ist nämlich schön abwechslungsreich und steckt voller Überraschungen. Schon im ersten Level kann man beispielsweise ein Loch in die Kinoleinwand schießen und so eine andere Route zum Levelausgang nehmen. Das ist zwar absolut nicht nötig, aber wie cool war das damals, als wir zum ersten Mal darüber gestolpert sind!
Quelle: PC Games
Mit dem Raketenwerfer schießt ihr in E1M1 ein Loch in die Kinoleinwand. Dahinter liegt ein geheimer Raum.
Im dritten Level landet der Duke dann plötzlich auf dem elektrischen Stuhl, verliert all seine Ausrüstung und muss sich zuerst mal neue Waffen beschaffen. Das allein wäre eigentlich schon eine gute Idee. Doch dann kämpft er sich nicht nur zurück in die Freiheit, sondern erreicht am Ende auch noch ein U-Boot, das ihn nach einem kurzen Tauchgang in den nächsten Level bringt. Fast wie in einem Actionfilm. Von so was konnte Doom damals nur träumen.
In der zweiten Episode geht es dann ins Weltall, wo man Raumstationen, Alien-Schiffe und sogar die Mondoberfläche erkundet. Ein starker Kontrast zur ersten Episode, auch wenn es hier etwas weniger interaktive Elemente gibt - das Sci-Fi-Setting ist Schuld. In Episode 3 geht's aber glücklicherweise wieder zurück auf die Erde, wo neue Ideen wie eine U-Bahn-Fahrt, Besuche am Filmset oder Schießereien in einer Feuerwache auf euch warten. Auch wenn das Gameplay also immer gleich bleibt, legt jede Map andere Schwerpunkte und bietet gerade genug Abwechslung, dass es nie langweilig wird.
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