Shooter-Revolutionen, merkwürdigen Kopierschutz-Abfragen und Splitscreen-Erfahrungen: Geht mit uns auf eine Nostalgiereise zurück in die 80er und 90er!
Guten Tag, mein Name ist Olaf Bleich. Ich bin im September 1979 geboren und somit inzwischen in meinen Vierzigern. Und ja, ich spiele immer noch liebend gerne Computer- und Videospiele. Meine erste Konsole war das Philips G7000 - Magnavox' Antwort auf das Atari VCS 2600 und in den USA als Magnavox Odyssey 2 bekannt.
Mit Spielen wie Mampfer oder auch Pickel Peter verbrachte ich in frühen Jahren viel Zeit. Später folgten ein Commodore 64, auf dem ich bereits Befehlszeilen eingegeben habe, noch bevor ich lesen, geschweige denn Englisch konnte.
Und später ging es weiter mit dem Amiga 500 (nur echt mit Speichererweiterung und zweitem Floppy-Laufwerk!), dem Game Boy und dann unzähligen PC-Konfigurationen, die ich zu Jugendzeiten noch selbst zusammenstellte und verschraubte. Die 80er und 90er haben mich in Sachen Gaming sozialisiert und prägen meine Vorlieben bis heute. Und dies sind die kleinen Geschichten, Erinnerungen und Anekdoten dahinter.
Kick Off
(Fast) jedes Kind spielt gerne Fußball. Doch lange bevor ich mich an Pro Evolution Soccer und FIFA (beziehungsweise EA Sports FC) probierte, ging ich bereits in Kick Off auf den grünen Rasen.
Der große Unterschied zu den meisten anderen Fußballspielen: In Kick Off klebte der Ball nicht am Fuß. Stattdessen dribbelte man das Leder vor dem eigenen Kicker her und musste die Spielfigur immer wieder schnell ausrichten, um Richtungswechsel durchzuführen. Bei dem von Dino Dini entwickelten und 1989 veröffentlichten Titel knackte und ächzte der geliebte Competition-Pro-Joystick im Sekundentakt.
Zur großen Kunst gehörte das Ausführen von Hebern, indem man den Knüppel mit einem hektischen Ruck nach hinten riss. Kick Off fehlten Lizenzen ebenso wie erweiterte Funktionen; Features wie etwa Gelbe und Rote Karten kamen erst in späteren Serienteilen dazu.
Ich glaube aber bis heute, dass das Spiel meine Augen-Hand-Koordination massiv beeinflusst hat. Retrospektiv ist Kick-Off übrigens ein wahrer Kulturschock und derart schnell und auf Reflexen basiert, dass ich genauso gut eine Runde Apex spielen könnte.
The Secret of Monkey Island
Tatsächlich habe ich bis heute nicht die Geduld, ein Adventure am Stück und vor allem ohne Hilfen durchzuspielen. Bereits als Jugendlicher hatte ich für langsames Rätseln, Absuchen und Kombinieren keine Muße. Glücklicherweise wuchs ich in der goldenen Zeit der Print-Magazine auf.
Die Power Play gehörte früh zu meinen Favoriten; später nahmen die PC Games und die PC Player ihren Platz ein. Die Power Play besaß einen separat heraustrennbaren und auf hellgrünem Papier gedruckten Tipps-Teil mit Lösungshilfen. Mein Bruder und ich sammelten diese fein säuberlich in einem Ordner.
Und genau dieser wurde herausgeholt, wann immer ich Lust auf Adventures wie The Secret of Monkey Island hatte. In diesem befand sich auch die legendäre "Dial-A-Pirate"-Scheibe, mit der man den Kopierschutz des Spiels eingab. Was von The Secret of Monkey Island blieb, sind die Erinnerungen an die unzähligen Gags, das legendäre Beleidigungsduell und die Liebe zum Detail, mit der mich LucasArts damals nach Mêlée Island entführte.
Quelle: Moby Games
The Secret of Monkey Island
Super Mario Kart
Wer sich meine kurze Vorstellung zu Beginn genauer durchliest, stellt fest: "Moment mal, da sind doch gar keine Konsolen dabei." Korrekt! Lange Zeit war ich ein lupenreiner PC-Spieler. Konsolen kamen entweder durch Besuche bei Freunden oder einen Abstecher in die Videothek in mein Leben.
Damals musste man noch 100 D-Mark als Kaution hinterlegen, um sich etwa ein Super Nintendo oder eine PlayStation auszuleihen. Über diesen elterlich unterstützten Umweg fanden immer wieder Konsolen den Weg ins Jugendzimmer. Das Super Nintendo war allein aufgrund von Super Mario Kart (1992) ein gerne gesehener Gast.
Quelle: Moby Games
Super Mario Kart
Der Grund war dessen Splitscreen-Modus - Spiele mit geteiltem Bildschirm waren auf dem PC Mangelware. Mario Kart war eine Offline-Spaßgranate und stellte jede Freundschaft auf eine beinharte Probe. Witzigerweise war unser bevorzugter Spielmodus nicht das klassische Rennen, stattdessen liebten wir die Versus-Wettbewerbe. Was später auf LAN-Partys mit Quake oder Counter-Strike zum Nervenkitzel wurde, spielten wir hier in engen Labyrinthen und mit roten oder grünen Schildkrötenpanzern nach.
Doom
Und damit sind wir auch schon bei der 3D-Revolution der 1990er angekommen. Auch wenn Wolfenstein 3D (1992) als Urvater der Ego-Shooter genannt werden muss, so war es doch Doom, mit dem id Software 1993 eine Technik- und Gameplay-Revolution lostrat. Doom war ein Paukenschlag, ein Spiel gewordener Adrenalinrausch.
Quelle: Moby Games
Doom
Ein Actionfilm zum Selberspielen! Aber so viel Laune die Ballerei auch machte, so brachte sie die hauseigene Hardware doch an ihre Grenzen. Mein 386er mit 25 Megahertz und 4 Megabyte Arbeitsspeicher erfüllte gerade so die Systemanforderungen. Das Ergebnis: Für mehr Frames musste ich den Bildausschnitt empfindlich verkleinern.
Bildergalerie
Und so ballerte ich Demons, Imps und Lost Souls zunächst nur durch ein kleines Fenster über den Haufen. Trotzdem: An Doom führte damals kein Weg vorbei. Und als dann endlich ein 486er mit 50 MHz gekauft wurde, ging es auch im Fullscreen ordentlich zur Sache. Rock-Sounds, Shotgun-Schüsse und natürlich die legendäre Kettensäge ließen damals zwar meine Eltern aufhorchen, führten jedoch nie zu Verboten oder längeren Diskussionen. Zum Glück!
