Über fünf Jahrzehnte der elektronischen Unterhaltung liegen bereits hinter uns. In unserer Serie zeigen wir euch im ersten Teil die Ursprünge der Videospiele und verraten, mit welchen einfachen Mitteln damals Pixel auf die Bildschirme gezaubert wurden.
Quelle: Wikimedia Commons / Joi Ito from Inbamura, Japan
Spacewar!-Programmierer Steve Russel an einem PDP-1 im Computer Museum in Boston.
Das erste Computerspiel
So revolutionär diese Erfindung aus heutiger Sicht zu sein scheint, so wenig Aufsehen erregt sie zu ihrer Zeit. Zwar hat Higinbotham sein Ziel erreicht und seine Besucher zumindest zweimal während den Ausstellungen 1958 und 1959 gut unterhalten können, doch danach gerät das Spiel in Vergessenheit - ein großes Publikum erreicht Tennis for Two in dieser Zeit ohnehin nicht. Auch Steve Russell, mit Spitznamen "Slug", Schnecke, weiß im Jahr 1961 nichts von diesem Projekt. Der Student am Massachusetts Institute of Technology ist der typische Nerd: Er liebt abgefahrene Science-Fiction-Romane und begeistert sich für alles, was mit Technik zu tun hat.
Daher ist er auch Mitglied im Tech Model Railroad Club (TMRC) am MIT, dessen Mitglieder sich neben Modelleisenbahnen für alles interessieren, was nach Technik riecht. In den frühen Jahren der Computerindustrie wachsen hier viele Hacker, wie man die studentischen Programmierer der ersten Stunde bezeichnet, heran, da das MIT eines der wenigen Hochschulen ist, die oft mit den aktuellsten Rechenwundern versorgt werden.
Quelle: Wikimedia Commons / Matthew Hutchinson
PDP-1: Ein Original des Spacewar!-Computers steht noch im Museum
Das neueste Modell, das auf dem Campus eintrifft, ist der PDP-1 der Digital Equipment Corporation, ein Computer, der nur etwa die Größe eines großen PKWs hat und somit ein wirklich kompaktes Modell ist.
Das zuvor im MIT genutzte Gerät TX-O besitzt schon eine Kühleinheit, die nicht nur mehr Platz benötigt als der komplette PDP-1, sondern auch mehr als 15 Tonnen wiegt. Daher zieht der kompakte Neuling das Interesse der Studenten in hohem Maße auf sich, zumal dieser Rechner einen Bildschirm zur Datenausgabe nutzt und nicht mehr nur mit Lochkarten oder Streifen arbeitet. Dennoch ist das Beherrschen und vor allem das Programmieren dieser Monster ein Kraftakt. Steve Russell möchte sich gleich an einem ganz ehrgeizigen Projekt versuchen: Er will ein interaktives Computerspiel erschaffen.
In diesem Artikel
- Seite 1 Einleitung + Die frühen Jahre
- Seite 2 Das erste Videospiel
- Seite 3 Das erste Computerspiel
- Seite 4 Bewegte Bilder
- Seite 5 Der Weg zum kommerziellen Erfolg
- Seite 6 Konzepte vor Tennis for Two
- Seite 7 Exkurs: XNA Games Studio
- Seite 8 Der fast vergessene Vater der Videospiele
- Seite 9 Bildergalerie
