Über fünf Jahrzehnte der elektronischen Unterhaltung liegen bereits hinter uns. In unserer Serie zeigen wir euch im ersten Teil die Ursprünge der Videospiele und verraten, mit welchen einfachen Mitteln damals Pixel auf die Bildschirme gezaubert wurden.
Das erste Videospiel
Quelle: Wikimedia Commons / Courtesy of Brookhaven National Laboratory, William Higinbotham (game and photo)
Tennis for Two: Mit einem kleinen Oszillographen durften Besucher Tennis spielen.
Es ist reiner Zufall, dass auch im ersten vollelektronischen Spiel ein kugelförmiges Objekt im Zentrum steht, obwohl dessen Erfinder, William A. Higinbotham, ein bekennender Flipper-Fan ist. Der Physiker sucht 1958 eine Möglichkeit, die Besucher seiner Arbeitsstätte während der Besichtigung etwas besser zu unterhalten. Das nukleare Forschungslabor Brookhaven National Laboratory veranstaltet jedes Jahr einen Tag der offenen Tür, an dem sich Interessierte ansehen können, wie ungefährlich die Arbeit mit radioaktiven Materialen sein kann. Leider bekommen sie jedes Jahr aufs Neue lediglich ein paar sterile Fotografien und ungefährliche Gegenstände zu sehen; wirklich spannende Exponate werden seiner Meinung nach nicht ausgestellt.Um jedoch das Interesse aufrechtzuerhalten oder möglicherweise sogar zu steigern, will er die Besucher ein wenig unterhalten. Er kommt auf eine Idee, die er innerhalb von nur drei Wochen mit seinem Kollegen Robert V. Dvorak umsetzt. Die Basis ist für ihn ein kleiner analoger Computer, der im Zweiten Weltkrieg unter anderem als Chiffriergerät oder zur Flugbahnberechnung genutzt wurde. Diesen verbindet er mit einem Oszillographen. Seine Idee war, mit den beiden Geräten eine Flugbahn auf dem Bildschirm nachzuzeichnen und eine Möglichkeit zu schaffen, mit dem ersten Punkt der Bahn, also dem Ball, zu interagieren.
Dazu baut er zwei klobige Steuerungskästen, die mit zwei Knöpfen zwar minimal, aber ausreichend ausgestattet sind, um die Flugbahn des Balles entsprechend zu beeinflussen. Auf dem Bildschirm des Oszillographen erscheint nach etwas Programmierarbeit in der Mitte eine horizontale Linie, auf der ein kurzer senkrechter Strich steht. Tennis for Two ist entwickelt und im Oktober 1958 bereit, den Aufenthalt der Besucher aufzulockern. Bemerkenswert aus heutiger Sicht ist vor allem, dass der "Tennisball" eine physikalisch korrekte Flugbahn beschreibt, die selbst Pong knapp 14 Jahre später nicht bieten wird. Eine besondere Herausforderung von Tennis for Two ist vor allem, dass die Spieler beziehungsweise Schläger nicht sichtbar sind, sodass den Gegner oftmals nur seine schnelle Reaktion retten kann.
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In diesem Artikel
- Seite 1 Einleitung + Die frühen Jahre
- Seite 2 Das erste Videospiel
- Seite 3 Das erste Computerspiel
- Seite 4 Bewegte Bilder
- Seite 5 Der Weg zum kommerziellen Erfolg
- Seite 6 Konzepte vor Tennis for Two
- Seite 7 Exkurs: XNA Games Studio
- Seite 8 Der fast vergessene Vater der Videospiele
- Seite 9 Bildergalerie
