Level Up in Tirana: Wie sich eine Gaming-Szene in Albanien formiert

Special Andreas Schneider Maik Koch
Level Up in Tirana: Wie sich eine Gaming-Szene in Albanien formiert
Quelle: Andreas Schneider

Spiele-Entwicklung ist nicht nur in den USA, dem Vereinigten Königreich oder Polen ein Thema: Auch in Ländern, in denen man es vielleicht weniger erwartet, gedeihen Entwicklerszenen - so auch in Albanien.

Zukünftige Videospiele aus Albanien nehmen vermutlich hier ihren Anfang: In der Pyramide von Tirana. Das Gebäude wirkt, als wäre es vom Himmel gefallen - ein massiver Betonkeil mitten im Zentrum der Hauptstadt. Einst Denkmal für Albaniens kommunistischen Langzeitdiktator, ist es heute ein Ort, an dem Teenager lernen, digitale Welten zu erschaffen.

Wo früher eine Marmorstatue des albanischen Diktators Enver Hoxha thronte, flimmern heute Bildschirme. Jugendliche sitzen konzentriert an Laptops, schieben 3D-Modelle hin und her, schreiben Codezeilen, designen Level. Dass ausgerechnet dieser Ort zur Brutstätte für Videospiele aus Albanien geworden ist, wirkt wie eine paradoxe Pointe der Geschichte.

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Lange galt Albanien als weißer Fleck auf der Landkarte der europäischen Gaming-Industrie. Während Nachbarländer wie Serbien oder Kroatien längst Studios mit internationalem Renommee hervorgebracht haben - seit 2016 gibt es zum Beispiel Ubisoft Belgrad -, stand die albanische Szene bislang eher im Schatten - einzelne Hobby-Entwickler, die nach Feierabend Spiele programmieren. Wenig sichtbar, kaum gefördert. Seit einigen Jahren formiert sich aber eine kleine Game Dev Szene - getragen von der Aufbruchstimmung, die überall in Albanien zu spüren ist. Neue Start-ups, kreative Agenturen, Hotels, Touranbieter, Cafés mit eigener Röstung oder lokale Modelabels: In Albanien scheint fast alles möglich zu sein. Man muss nur mutig genug sein, anzufangen. Wer eine Idee hat - oder einfach etwas macht das im Ausland funktioniert, aber in Albanien noch nicht gibt, kann damit reich werden. Die Menschen in Tirana sprechen scherzhaft vom "Albanian Dream".

Die Pyramide von Tirana Quelle: Andreas Schneider Die Pyramide von Tirana - Hier startet die Spiele-Industrie in Albanien

Erst Diktatur, dann Durcheinander - jetzt Game Dev

Das vieles, das für uns normal ist, in Albanien gerade ist erst startet, hängt auch mit der bewegten Geschichte von Albanien zusammen.
Der Diktator Enver Hoxha regierte das Land fast 40 Jahre lang mit harter Hand. Er schottete Albanien nicht nur vom Westen, sondern auch von den meisten Ostblockstaaten ab - und machte es zum isolierten und autokratischen Überwachungsstaat. Religionen wurden verboten und tausende Bunker gebaut. Der Diktator starb 1985. 1991 fiel das kommunistische Regime.

Die 1990er-Jahre waren von Chaos, politischen Umbrüchen und einem verheerenden Zusammenbruch des Finanzsystems geprägt. Erst in den 2000ern stabilisierte sich das Land langsam - Videospiel-Entwicklung war da natürlich lange keine Priorität.

Scheitern, um neu anzufangen

Nur ein paar hundert Meter entfernt von Tiranas Pyramide, im Coolab, einem Coworking-Space in der Stadt, arbeitet die 39-jährige Lorena Gjana daran, genau das zu ändern. Sie war Geschäftsführerin der BEEZ Agency. Einem Startup, dass das erste Videospiel aus Albanien veröffentlichen wollte. Die Firma gibt es nicht mehr, das Spiel wurde auf Eis gelegt und der Prototyp ihres Spiels Seven Seas wurde nie veröffentlicht. Es war ein Multiplayer / Splitscreen Racing Game unter Wasser im Stil von Mariokart - Im Werbematerial, das online noch abrufbar ist, beschreibt das StartUp das Spiel, als Mad Max Rennen im Stil von Findet Nemo: Chaotisch, wild und schnell.

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Um sich über Wasser zu halten, hat ihre ehemalige Firma neben dem Spiel auch Auftragsarbeiten für 3D-Animationen und Programmierarbeit für internationale Kunden angeboten. Letztendlich hat es aber nicht gereicht. 2023 mussten sie die Firma aufgeben. "Der Multiplayer war letztendlich das, was uns als Firma das Genick gebrochen hat", sagt Lorena heute. "Und vermutlich die fehlende Erfahrung". Damit das für neue Entwickler einfacher wird, unterstützt sie heute Entwickler in ganz Albanien. Vernetzt sie, sucht Synergien und berät sie.

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