Ist das "woke" oder kann das weg? Barrierefreiheit in Videospielen
Special
In unserer großen dreiteiligen Reportage setzen wir uns mit dem Thema "Barrierefreiheit in Videospielen" auseinander. In Teil eins stellen wir die Frage: Braucht's das überhaupt?
Während der Markt für digitale Spiele boomt und die Branche Milliarden umsetzt, bleibt eine wachsende Spielergemeinschaft oft außen vor: Menschen mit Behinderungen. Doch ihre Stimmen werden lauter, und sie fordern, was für viele selbstverständlich ist - einen Zugang zu Spielen, der nicht durch unüberwindbare Hürden erschwert wird. Aber was bedeutet Barrierefreiheit in einer Welt, die von schnellen Reflexen, präziser Steuerung und komplexen visuellen Eindrücken lebt?
Videospiele haben sich längst als eine der einflussreichsten Medienformen unserer Zeit etabliert. Sie sind mehr als nur Unterhaltung - sie formen unser Verständnis von der Welt, von uns selbst und von den Menschen um uns herum.
Doch welche Botschaften vermitteln sie uns wirklich, wenn es um so sensible Themen wie Behinderung und Fähigkeit geht? Ermöglichen Sie Menschen mit Behinderungen mehr Teilhabe? Oder sind Videospiele weiterhin Barrieren, die behinderten Menschen den Zugang zu gleichberechtigten Erfahrungen verwehren und bestehende Vorurteile verfestigen? In drei Teilen sprechen wir über Barrierefreiheit in Videospielen. Zuerst klären wir: Brauchen wir Barrierefreiheit in Videospielen überhaupt?
Brauchen wir Barrierefreiheit in Videospielen?
Das Internet ist eine tolle Sache. Leute auf der ganzen Welt spielen miteinander, kommen in Gilden zusammen oder raiden Dungeons. Zusammen erschaffen Spielerinnen und Spieler Welten, bauen großartige Mods wie Fallout: London und stellen sie gratis zur Verfügung; aber manchmal ist das Internet auch so ein Ort, an dem man kurz den Glauben an die Menschheit verliert.
Quelle: Team FOLON
Besonders in den Kommentarspalten dieser Internet-Welt trifft man oft auf absolut unverzeihliche Meldungen von selbstgerechten Rechthabern, die sich auf ihre Meinungsfreiheit berufen, irgendeinen ableistischen Unsinn behaupten und damit die komplette Diskussion vergiften.
Was schade ist, denn die Frage, ob wirklich alle Dinge auch für jeden zugänglich sein müssen und ob gewisse Barrieren nicht vielleicht auch einfach zu Videospielen dazugehören, ist durchaus etwas, das diskutiert werden kann.
Inklusives Gaming als gesellschaftliche Pflicht
Bezogen auf die Gesamtbevölkerung zum Jahresende 2023 waren 9,3 Prozent der Menschen in Deutschland schwerbehindert. Den Schreihals in der Kommentarspalte wird das nicht überzeugen, aber etwa zehn Prozent der Bevölkerung in Deutschland von etwas auszuschließen, klingt einfach nicht wie eine faire Gesellschaft. Oder anders gesagt: Soziale Verantwortung hört nicht bei Videospielen auf.
Und eigentlich haben wir uns schon vor langer Zeit darauf geeinigt. Im deutschen Grundgesetz haben wir in Artikel 3 festgehalten: "Niemand darf wegen seiner Behinderung benachteiligt werden." Auch nicht bei Videospielen.
Vielleicht wird es auch für euch besser?
Wer dem widerspricht, dem geht es ja vor allem um sich selbst. Eigentlich steht dahinter eine Angst. Und zwar, dass Videospiele, wie der Schreihals sie kennt und liebt, bald nicht mehr existieren, weil "woke Snowflakes alles barrierefrei und kaputt machen wollen" oder so etwas in der Art. Und dass Barrierefreiheit Veränderung mit sich bringt, stimmt ja sogar. Die Realität ist aber: Sie ist kein Störfaktor, sondern hat sogar das Potenzial, viele Games FÜR ALLE besser zu machen.
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Ihr verliert doch nichts!
Ein anschauliches Beispiel dafür sind Texte und Untertitel. Für taube Menschen sind die essenziell, ohne Untertitel sind Spiele für sie unspielbar. Gibt es die Möglichkeit für Untertitel, haben wir eine große Barriere für viele Menschen schon niedergerissen. Aber Untertitel sind mehr als eine Nischenfunktion für Menschen mit Hörbehinderung - sie werden von einer breiten Spielerschaft genutzt und geschätzt.
