Spiele-Entwicklung ist nicht nur in den USA, dem Vereinigten Königreich oder Polen ein Thema: Auch in Ländern, in denen man es vielleicht weniger erwartet, gedeihen Entwicklerszenen - so auch in Albanien.
Blut oder Gnade? Albanische Mythen als Spielmechanik
Denn längst arbeiteten die beiden an ihrem nächsten Projekt, einem ambitionierten Action-RPG mit albanisch inspiriertem Setting.
Ihr aktuelles Projekt heißt Fatebound - Battle of Shtriga, ein storybasiertes Action-Rollenspiel, das sich an Titeln wie The Witcher, Ghost of Tsushima oder God of War orientiert. Entwickelt wird es in der Unreal Engine, mit einem Fokus auf Entscheidungen: Spielerinnen und Spieler können im Spiel Gnade walten lassen - oder Rache nehmen. Inspiriert ist das System vom albanischen Ehrenkodex Kanuni. "Wir nennen das 'Marjak' - Blut nehmen. Aber du kannst auch vergeben. Diese Wahl wollten wir ins Gameplay bringen."
Das Team von Tika Studios ist klein, aber engagiert: Neben Ronaldo und Vanjo arbeiten noch ein 3D-Artist und ein Writer an Fatebound. Geld verdienen sie derzeit nicht damit - Ronaldo zahlt sich selbst kein Gehalt aus, alles fließt in die Entwicklung. Seinen Lebensunterhalt verdient er mit kleinen Projekten als Mobile-Developer. Weitere Förderungen versuchen sie über europäische Programme wie Creative Europe zu bekommen.
Ein echtes Problem ist aber nach wie vor die Finanzierung: Wer in Albanien Spiele entwickelt, steht oft ziemlich allein da. Es gibt kaum staatliche Förderung, keine funktionierende Industrie-Struktur, nur wenige Publisherkontakte - und kaum Investorinnen und Investoren, die an Games glauben. "Wenn du in Albanien sagst, du willst Spiele entwickeln, denken viele: Das ist doch nur ein Kinderspiel", sagt Ronaldo. Auch seine Eltern waren anfangs nicht überzeugt. Mittlerweile glauben sie aber an ihn.
Was es braucht, sagen viele aus der Szene, ist Sichtbarkeit, Austausch, eine Community. Erste Ansätze dafür gibt es: Mit der Albanian Gaming Community schafft Lorena Gjana genau das - einen Ort, an dem man sich vernetzen, voneinander lernen und gemeinsam wachsen kann. Und Studios wie Tika zeigen, dass man auch mit wenig Mitteln und viel Leidenschaft Spiele auf den Markt bringen kann.
Quelle: Andreas Schneider
Nur für Gamer? In Tirana finden sich Zocker im Café zusammen.
Zocken statt Netflix: Wo Tiranas Jugend abhängt
Aber nicht nur die Entwickler-Szene wächst - auch das Interesse am Spielen selbst. Im ganzen Land - allen voran natürlich in Tirana - schießen Gaming Cafes wie Pilze aus dem Boden. Hier treffen sich Jugendliche und junge Erwachsene zum gemeinsamen Zocken. Selbst wenn sie die Hardware zuhause haben, treffen sie sich lieber gemeinsam, erzählt Ronaldo.
35 moderne Rechner stehen zum Beispiel im Battlenet in Tirana - mit RTX4070Tis, 240 Hz Monitoren und bester Peripherie. Dazu auch Konsolen, Sessel und mehr. An der Bar kann man Snacks und Getränke kaufen. Eine Stunde Zocken koset hier etwa 10 Euro.
Der Code wird lauter
Noch ist Albaniens Game-Industrie winzig. Aber sie wächst. Mit jeder Codezeile, die irgendwo in Tirana geschrieben wird. Und mit jedem Spiel, das erscheint - auch wenn es nur ein paar hundert Leute weltweit spielen. Vielleicht ist es genau das, was den Reiz der albanischen Gamedevolpment Szene ausmacht: Sie ist roh, improvisiert und voller Idealismus. Aber sie ist echt.
