Wie zocken eigentlich blinde Menschen? Barrierefreiheit in Videospielen

Special Andreas Schneider David Benke Lukas Schmid
Wie zocken eigentlich blinde Menschen? Barrierefreiheit in Videospielen
Quelle: Games Aktuell

In unserer großen dreiteiligen Reportage setzen wir uns mit dem Thema "Barrierefreiheit in Videospielen" auseinander. In Teil drei geht es darum, wie blinde Menschen spielen.

Das hier ist Teil drei unserer dreiteiligen Reihe zu Gaming mit Einschränkungen. Für Teil eins klickt bitte auf diesen Link, für Teil zwei klickt bitte hier.


In den dunklen Gängen von The Last of Us ertönt ein leises Flüstern, gefolgt von einem dumpfen Knurren. Für die meisten Spieler ist der Weg klar: immer in die Richtung, aus der die Feinde kommen. Der Bildschirm zeigt dabei alles an - Feinde, Fallen, und wo wir Munition und Crafting-Materialien finden. Doch für blinde Menschen ist das alles anders.

Sie sehen nichts von alledem. Während die Gaming-Welt immer stärker auf visuelle Reize setzt - immer bessere Grafik, immer bessere Lichteffekte, Ray Tracing und super realistische Haare -, gibt es eine wachsende Gemeinschaft von blinden Spielerinnen und Spielern, die nichts oder nur wenig sehen. Für sie ist die Grafik der unwichtigste Aspekt eines Spiels.

Doch wie taucht man in eine Welt ein, die man nicht sehen kann? Darum geht es in teil drei dieser Reportage. Wir sprachen mit mehreren Menschen, die entweder blind oder stark sehbehindert sind, schauten uns an, wie sie spielen, wo sie Probleme haben und welche technischen Hilfsmittel es für sie gibt.

Last of Us Part 1 Quelle: PC Games Hardware

Zocken trotz Sehbehinderung

Dennis Herbst sitzt vor seinem Bildschirm, die Augen fest auf das Geschehen gerichtet. Doch was er sieht, ist wenig mehr als ein verschwommenes Flimmern. Nur 15 Prozent Sehkraft bleiben ihm noch - das meiste ist unscharf und schwer zu erkennen. Für Dennis ist das jedoch kein Grund, seine Leidenschaft aufzugeben: das Zocken.

Dennis Herbst Quelle: Gaming ohne Grenzen/Dennis Herbst "Ich spiele immer noch gerne, aber ich muss schon genau auswählen, welche Spiele ich mir antue", sagt er mit einem leichten Lächeln. Plattformer und Indie-Games haben es ihm angetan. Und generell Spiele, die es ihm erlauben, in seinem eigenen Tempo die Welt zu erkunden, Rätsel zu lösen und Geschichten zu erleben. "Die Grafik spielt für mich natürlich kaum eine Rolle", fügt er hinzu. "Wichtiger sind die Mechaniken und ob das Spiel mich emotional anspricht."

Dennis ist einer von über 500.000 Menschen in Deutschland, die laut Statistischem Bundesamt sehbehindert oder blind sind. Der Deutsche Blinden- und Sehbehindertenverband schätzt die Zahl anhand von WHO-Daten auf sogar 1,2 Millionen Menschen. Wie viele davon zocken, kann man nicht sagen. Laut des Branchenverbands Game gibt es aber mehr als 8,2 Millionen behinderte Gamerinnen und Gamer in Deutschland.

Multiplayer-Games, die von schnellem Gameplay und hektischen Bewegungen leben, sind für Dennis kaum zu bewältigen. "Das geht einfach nicht mehr. Es passiert alles zu schnell, und die anderen Spieler haben oft kein Verständnis dafür, dass ich manchmal ein bisschen länger brauche", sagt er. Das mache ihm keinen Spaß - also lässt er es lieber bleiben.

Wenn Geräusche zu Wegweisern werden: die Macht des Klangs in Spielen

Für blinde oder sehbehinderte Menschen ist der Klang von entscheidender Bedeutung. In vielen Spielen liefern Geräusche wertvolle Hinweise auf die Umgebung. Beispielsweise kann das Knurren von Feinden oder das Rascheln des Windes in The Last of Us wichtige Informationen über drohende Gefahren oder Veränderungen in der Umgebung geben.

Bildergalerie

Während solche Geräusche für sehende Spieler oft nur atmosphärische Details darstellen, sind sie für Dennis und andere blinde Spieler von zentraler Bedeutung, um sich im Spiel zurechtzufinden. The Last of Us hat eine beeindruckende Vielfalt an Optionen für blinde und sehbehinderte Spieler eingeführt, darunter umfassende Audiohinweise, die den Spielerinnen und Spielern die Umgebung und die bevorstehenden Gefahren zeigen, Kontrasteinstellungen und Screenreader-Unterstützung.

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