Inklusion schon da oder ein Trauerspiel? Barrierefreiheit in Videospielen

Special Andreas Schneider Lukas Schmid
Inklusion schon da oder ein Trauerspiel? Barrierefreiheit in Videospielen
Quelle: Microsoft

In unserer großen dreiteiligen Reportage setzen wir uns mit dem Thema "Barrierefreiheit in Videospielen" auseinander. In Teil zwei gehen wir dem Status quo auf den Grund.

Das hier ist Teil zwei unserer dreiteiligen Reihe zu Gaming mit Einschränkungen. Für Teil eins klickt bitte auf diesen Link.


Eine Taste, ein Klick - und plötzlich öffnen sich Tore zu neuen Welten. Die pulsierenden Straßen von Night City, das endlose Universum von No Man's Sky, das verlassene Land Hyrule. Für viele von uns ist Gaming eine willkommene Abwechslung, die nur einen Minimalaufwand entfernt ist. Es braucht nicht viel; neben der Hardware nur ein bisschen Zeit, und schon werden wir in den Bann gezogen von fantastischen Welten, spannenden Geschichten oder nervenaufreibenden Multiplayer-Schlachten.

Für viele Menschen mit Behinderungen bleiben diese Tore aber verschlossen, und das fängt schon bei ganz grundsätzlichen Hürden an. Ein typischer Controller braucht zwei Hände, damit er richtig bedient werden kann; die meisten Spiele setzen voraus, dass wir sowohl sehen als auch hören können; und - auch, wenn sie in letzter Zeit deutlich weniger inflationär eingesetzt worden sind - Quick-Time-Events können für Spielerinnen und Spieler mit Behinderung eine unüberwindbare Barriere darstellen, weil sie eben nicht wie von der Tarantel gestochen auf eine Taste hämmern können, um einen Baum hochzuheben.

Wir sprechen in diesem Teil unserer großen Reportagereihe zum Thema Barrierefreiheit darüber, was sich in den letzten Jahren getan hat; was gut funktioniert, wo es noch Luft nach oben gibt und wie behinderte Menschen in digitalen Spielen und deren Entwicklung repräsentiert werden.

Inklusion immer wichtiger

Zuerst die gute Nachricht: Inklusion wird immer wichtiger in der Gaming-Welt. Sowohl Microsoft als auch Sony haben adaptive Controller auf den Markt gebracht, die Menschen, die vorher Probleme damit hatten, Gaming möglichst unkompliziert ermöglichen sollen.

Der Access Controller von Sony Quelle: Sony Interactive Entertainment Auf der diesjährigen Gamescom hat Microsoft einen weiteren adaptiven Controller vorgestellt. Der Xbox adaptive Joystick soll deutlich günstiger als der bisherige adaptive Controller sein - einer der größten Kritikpunkte am adaptiven Controller von Microsoft ist der hohe Preis.

Der neue adaptive Joystick soll Anfang 2025 auf den Markt kommen und kann mit einer Hand gesteuert, auf Tischplatten montiert und mit verschiedenen Körperteilen, wie dem Kinn, verwendet werden. Er verfügt über vier Tasteneingaben auf der Vorderseite, einen Standard-Xbox-Thumbstick und zwei zusätzliche Tasten, die die Anordnung von Bumpern und Triggern auf einem herkömmlichen Controller nachahmen.

Alle diese Tasten sind anpassbar und bieten die Flexibilität, auf die Weise zu spielen, die individuell am bequemsten ist. Beide Controller - sowohl der adaptive Controller von 2024 als auch der neue adaptive Joystick, der Anfang 2025 auf den Markt kommen soll -, lassen sich nicht nur an der Xbox, sondern auch am PC nutzen.

Der adaptive Joystick von Microsoft Quelle: Microsoft

Kostenlose 3D-Druckdateien schon jetzt erhältlich

Wer nicht bis 2025 warten will, kann schon jetzt kostenlos auf der Website Xbox Design Lab 3D-Druckdateien im STL-Format für Thumbstick-Aufsätze herunterladen. Zusammen mit Mitgliedern der Community, Wohltätigkeitsorganisationen und einem Krankenhaus, das sich mit adaptivem Gaming und 3D-Druck befasst, hat Microsoft kostenlose 3D-Druckdateien für adaptive Thumbstick-Aufsätze entworfen, die den Standard-Controller deutlich adaptiver machen sollen. Einige Aufsätze bieten mehr Grip, andere ermöglichen z.B. das Steuern mit dem Kinn oder anderen Körperteilen.

Bildergalerie

Neben Microsoft hat auch Sony seit Ende 2023 einen eigenen adaptiven Controller im Angebot. Nintendo hingegen hat bisher keine adaptive Lösung am Start. Sony und Microsoft haben außerdem Accessibility-Features in ihren Konsolen integriert, etwa Screenreader, eine Bildschirmlupe und Kontrasteinstellungsmöglichkeiten für die konsoleneigenen Betriebssysteme und Apps.

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