Ikonen der Spieleindustrie: Yu Suzuki - Seite 4
Special 53,99 €Am 10. Juni 2022 feierte Yu Suzuki seinen 64. Geburtstag. Wir werfen einen Blick auf die Karriere des Schöpfers von Shenmue, Virtua Fighter und Co.!
Bevor Yu Suzuki 1992 der Durchbruch in die dritte Dimension gelingt, bringt er allerdings noch einige andere spannende Titel auf den Markt. Los geht's mit G-LOC: Air Battle, einem weiteren Luftkampfspiel im Stil von After Burner, jedoch optimiert für ein bis dato einzigartiges Kabinett. Letzteres heißt R360, ermöglicht komplette 360-Grad-Rotationen und setzt sich erst in Bewegung, wenn man einen von Achterbahnen inspirierten Bügel vor seinem Brustkorb herunterklappt und sich mit einem Gurt festschnallt.
G-LOC: Air Battle ist nichts für Spieler mit schwachem Magen und aufgrund von Ticketpreisen von bis zu fünf Dollar pro Fahrt zudem nicht sonderlich preiswert. Dennoch sorgen die über 120.000 Dollar teuren R360-Geräte samt G-LOC bei Spielhallenbesuchern weltweit für Aufsehen. Wie viele R360-Cockpits genau hergestellt wurden, dazu haben sich übrigens weder Sega noch Suzuki je offiziell geäußert. Brancheninsider sprechen von nicht mehr als 100 bis 200 Geräten. Konsolenumsetzungen gibt es später ebenfalls; die Sensation des Highend-Automaten können sie jedoch zu keiner Zeit adäquat einfangen.
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Polygone ändern alles
Nach der Fertigstellung von Titeln wie GP Rider (1990), After Burner 3 (1991), Rent-A-Hero (1991) und F1 Exhaust Note (1991) lenkt Yu Suzuki seine volle Aufmerksamkeit auf ein Projekt, das bereits seit Längerem bei Sega köchelt und ursprünglich von Toshihiro Nagoshi designt wurde: Virtua Racing.
Quelle: Moby Games
In dem von Yu Suzuki für Segas Arcade-Plattform System 16 produzierten Dynamite Düx (1988) retten die Haustier-Enten Bin und Pin ihre von einem bösen Zauberer entführte Besitzerin. Die Hauptfiguren dienen später als Grundlage für die Sega-Figur Bean the Dynamite.
Ein Rennspiel mit komplett dreidimensionaler Grafik, das unter anderem Namcos Spielhallen-Dauerbrenner Winning Run und Ataris Hard Drivin' (beide boten bereits 3D-Grafik) den Wind aus den Segeln nehmen soll.
Um genau das zu erreichen, bastelte Sega zwischen 1990 und 1991 an einer neuen Arcade-Platine namens Model 1. Deren größte Stärke: Ein dedizierter, CG Board genannter 3D-Chip, der 180.000 Polygonen pro Sekunde Beine macht. Zum Vergleich: Namcos konkurrierendes System 21 - Spitzname "Polygonizer" - schaffte nur ein Drittel davon.
Quelle: Moby Games
Mit dem Action-Rollenspiel Sword of Vermilion (1989) für das Mega Drive schufen Yu Suzuki und sein Team bei Sega AM2 ihr erstes konsolenexklusives Spiel. Interessant sind die regelmäßigen Perspektivwechsel – Bosskämpfe etwa finden stets aus der Seitenansicht statt.
Die von Yu Suzuki geleitete Abteilung Sega AM R&D #2 konzipiert insgesamt drei Strecken für Virtua Racing, integriert die Option, auf Knopfdruck zwischen vier Kameraperspektiven zu wechseln (rasante First-Person-Ansicht inklusive) und schafft es sogar, einen Link-Modus einzubauen, der bis zu acht Automaten miteinander vernetzt - all das bei stets butterweichen 60 Bilder pro Sekunde.
Lohn der Mühe? Als Virtua Racing am 27. März 1992 durchstartet, zieht es mühelos und meilenweit an sämtliche konkurrierenden Arcade-Racern vorbei. Der technische Quantensprung ist dabei so gigantisch und generiert so viel Aufmerksamkeit, dass selbst Personen ohne jedwede Gaming-Erfahrung nicht selten eine Probefahrt wagen.
Quelle: Moby Games
Das actiongeladene Luftkampf-Spiel G-LOC: Air Battle gilt als Spin-off zu After Burner und lässt Spielhallenbesucher ab dem 23. Februar 1990 erstmals in einem rotierenden, auf zwei Achsen gelagerten Cockpit Platz nehmen.
Aber auch Suzuki ist sich spätestens jetzt sicher: Die nahe Zukunft der Branche wird bald vom Thema 3D-Grafik bestimmt! Kein Wunder also, dass auch sein nächstes Werk genau diesem Trend folgt und erneut das Wort "Virtua" im Namen trägt.
Und damit Vorhang auf für Virtua Fighter, den weltweit ersten 3D-Beat'm-Up! Doch warum überhaupt ein Beat'em-Up, schließlich hatte sich Suzuki-san in der Vergangenheit eher auf Renn- und Flugspiele konzentriert?
Quelle: Moby Games
Suzuki liebt ungewöhnliche Ideen: Für das Action-Rollenspiel Rent-a-Hero, das am 20. September 1991 Japan-exklusiv für das Mega Drive erscheint, setzt er nicht wie die Konkurrenz auf rundenbasierte Kämpfe, sondern auf Duelle im Beat’em-Up-Stil.
Ganz einfach: Segas Chefetage wollte die Kampfspiel-Dominanz von Capcoms Street Fighter 2 (1991) brechen. Suzuki nimmt die Herausforderung dankend an und reist wenig später nach China, um die dortigen Kampfkünste zu recherchieren.
Er besucht Shaolin-Tempel und trainiert mit Martial-Arts-Profis. "Ich brach mir ein paar Rippen und holte mir eine Beule am Kopf", scherzt Suzuki gegenüber G4 TV. Das daraus resultierende Gameplay ist dagegen kein Scherz und im Vergleich zu Street Fighter 2 deutlich realistischer.
Quelle: Moby Games
Dass Virtua Racing nur drei Strecken bietet, stört in Anbetracht der für damalige Verhältnisse bahnbrechenden 3D-Polygon-Optik niemanden. Im Gegenteil: Im Release-Jahr 1992 als auch 1993 zählt das Rennspiel zu den umsatzstärksten Automaten überhaupt, sowohl in Japan als auch in den USA.
In den Spielhallen weltweit trifft speziell dieser Aspekt - kombiniert mit der wegweisenden 3D-Grafik, einem riesigen Move-Set, den ständig wechselnden Kameraperspektiven und den geschmeidigen Animationen - ab Oktober 1993 einen Nerv und macht Virtua Fighter im Handkanten-Umdrehen zum Publikumsliebling.
Sage und schreibe 40.000 Automaten wechseln in den nächsten Jahren den Besitzer und legen den Grundstein für eine Reihe von Fortsetzungen und Spin-offs.
Virtua Fighter geht in Serie
Der aus spielhistorischer Sicht interessanteste Vertreter ist dabei sicherlich Virtua Fighter 2. Denn für Teil zwei gelingt es dem charismatischen Suzuki, einen Lizenzdeal mit einem bekannten US-Militärsimulationshersteller aus Maryland einzufädeln. Im Tausch gegen zwei Millionen US-Dollar stellt Lockheed Martin Sega einen Grafikchip zur Verfügung, der Texture Mapping beherrscht und Polygone mit Oberflächenstrukturen versehen kann.
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