Ikonen der Spieleindustrie: Yu Suzuki - Arcade-Virtuose und 3D-Visionär

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Ikonen der Spieleindustrie: Yu Suzuki - Arcade-Virtuose und 3D-Visionär
Quelle: Sönke Siemens

Am 10. Juni 2022 feierte Yu Suzuki seinen 64. Geburtstag. Wir nehmen dies zum Anlass, einen ausführlichen Blick auf die Karriere des leidenschaftlichen Designers von Virtua Fighter, Shenmue und Co. zu werfen.

Yu Suzuki kommt am 10. Juni 1958 in der circa 530 Kilometer nördlich von Tokio gelegenen Küstenstadt Kamaishi in der Präfektur Iwate, der Hauptinsel von Japan, zur Welt. Schon als Kind kann sich der Sprössling zweier Grundschullehrer für kreative Tätigkeiten aller Art begeistern. Er malt und zeichnet gerne, hat großen Spaß, mit Plastikbauklötzen unterschiedlichste Objekte zu erschaffen und setzt sich früh in den Kopf, selbst einmal Lehrer oder Illustrator zu werden. Nach seinem Schulabschluss fasst er dann allerdings erst einmal den Beruf des Zahnarztes ins Auge.

"Leider schaffte ich die Aufnahmeprüfungen nicht, um Zahnmedizin zu studieren, weshalb ich anfing, Gitarre spielen zu lernen", erinnert sich Suzuki in einem Interview mit dem amerikanischen TV-Sender G4 TV. "Doch egal, wie viel ich auch übte, ich wurde kaum besser." Ebendiese Misserfolge führen dazu, dass Suzuki eine komplett andere Richtung einschlägt und an der Okayama University of Science Informatik mit Schwerpunkt Programmierung studiert. Suzuki kommt gut voran und greift bereits für seine Vordiploms-Abschlussarbeit ein Thema auf, das ihn auch später noch sehr beschäftigen wird: 3D-Computergrafiken in Videospielen.

Meine Designs waren von Anfang an immer 3D. Alle Kalkulationen im System waren 3D, selbst in Hang-On. Ich kalkulierte die Position, die Skala und die Zoom-Rate in 3D und konvertierte es zurück in 2D. Also habe ich immer in 3D gedacht.
Yu Suzuki

Kaum den Abschluss in der Tasche, bewirbt sich Suzuki sogleich bei verschiedenen großen Computerfirmen - allen voran Sega, weil man dort pro Woche nur an fünf statt wie damals in Japan oft üblich sechs Tagen arbeiten muss. Aber auch die Tatsache, dass Sega sowohl für die Reisekosten als auch für die Unterkunft während des Vorstellungsgesprächs in Tokio aufkommt, gefallen Suzuki gut.

"Die Person, die mich interviewte, war ein ziemlich überzeugender Redner und als Firma gefiel mir Sega richtig gut. Ziemlich beeindruckt, entschied ich mich daher, für dieses Unternehmen zu arbeiten. Später fand ich übrigens heraus, dass ich von Mr. Endo, dem Schleuser interviewt wurde, und er wirklich hervorragend geschult war in der Kunst des Anwerbens", rekapituliert Suzuki in dem am 22. Juli 2021 erschienen, bisher leider nur auf japanisch veröffentlichen Buch Sega Hard Historia.

Die ersten Jahre bei Sega

Suzuki, der im April 1983 von Sega in erster Linie aufgrund seines Programmiertalents eingestellt wird, erhält einen Posten in der Abteilung, die sich sowohl um Software als auch Hardware kümmert. Dort angekommen, fühlt sich der damals 25-Jährige - allen Herausforderungen zum Trotz - sofort pudelwohl.
„Kannst du deinen Gegner mit einem K.-o.-Schlag flachlegen?“ Dieser Spruch thronte auf Werbeflyern zu Champion Boxing (1984) – dem allerersten Spiel, das Yu Suzuki für Sega entwickelte. Damals zunächst für Segas erste Heimkonsole SG-1000. Quelle: Moby Games „Kannst du deinen Gegner mit einem K.-o.-Schlag flachlegen?“ Dieser Spruch thronte auf Werbeflyern zu Champion Boxing (1984) – dem allerersten Spiel, das Yu Suzuki für Sega entwickelte. Damals zunächst für Segas erste Heimkonsole SG-1000. "Damals gab es nicht genügend Entwicklermaschinen für jeden, weshalb Neuankömmlinge dieses Equipment nur für ein paar Minuten pro Tag verwenden durften. Wer allerdings über Nacht im Büro blieb, konnte sich - sofern kein Vorgesetzter vor Ort war - solange er wollte, damit austoben", so Suzuki weiter.

Suzuki ist stets mit vollem Elan bei der Sache, weshalb er schon bald sein erstes eigenes Spiel für Segas erste, am 15. Juli 1983 eingeführte Heimkonsole SG-1000 entwickeln darf: Champion Boxing. Während sich Rieko Kodama und Yoshiki Kawasaki um die künstlerischen Aspekte kümmern, übernimmt Suzuki Gamedesign und Programmierung.

Das Resultat ist ein simples, aber spaßiges Boxspiel mit vier Schwierigkeitsgraden und einem ständig präsenten Schiedsrichter, der zu Boden gegangene Boxer sofort anzählt. Champion Boxing läuft prima im Verkauf und schindet auch bei Suzukis Vorgesetzten Eindruck.

So großen, dass man ihn anweist, eine SG-1000-Platine in einen Arcade-Automaten zu installieren, eine passende Steuereinheit zu ergänzen und einen Testballon in einigen Spielhallen zu starten. Als auch hierdurch positive Ergebnisse erzielt werden, befördert man Suzuki zum Projektleiter (etwas, das bei Sega Japan sonst im Schnitt knapp sieben Jahre dauert) und beauftragt ihn damit, ein vollwertiges Arcade-Spiel auf die Beine zu stellen.

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