Der Zusatz-Markt

Special Katharina Pache
Pokémon GO: Logo
Quelle: Niantic

Sie haben es eben immer noch drauf: Der Pokémon-Hype der 1990er-Jahre erlebt mit Pokémon GO eine Renaissance - auf Smartphones in der ganzen Welt.

Skurrile Pokémon-Geschäftsideen

Auf der Pokémon-Welle wollen viele mitsurfen. Innerhalb kurzer Zeit reagieren Privatpersonen und Geschäftsleute auf den Hype.

Die ersten, die bei einem neuen Trend Geschäfte machen, sind meistens die zwielichtigen Gestalten. Kein Wunder, dass auf Auktionsplattformen der Handel mit Accounts boomt. Das widerspricht zwar den Nutzungsbedingungen des Spiels, aber angesichts der Gewinnspannen, die man dabei erzielen kann (sogar vierstellige Beträge wechseln da die Besitzer), interessiert das wohl niemanden besonders. Manch ein Spieler kündigte sogar den Job, um Vollzeit-Trainer zu werden. Eine Lehrerin aus London etwa hat ihre Arbeitsstelle aufgegeben, um Pokémon zu fangen und die Accounts danach meistbietend zu verkaufen. Na, ob das eine zukunftssichere Karriere ist?

Was ist wo? 
Durch GPS-Tracking zeigt die App euch, wo in eurer Umgebung Interessantes wartet. Quelle: Niantic Was ist wo? Durch GPS-Tracking zeigt die App euch, wo in eurer Umgebung Interessantes wartet. Pokéstops sind die Orte, zu denen Spieler pilgern, um Belohnungen zu erhalten. Manchmal liegen diese Sehenswürdigkeiten aber ungünstig. In North Carolina etwa befindet sich ein Pokéstop mitten in einem Baseball-Stadion, dessen Spielfeld man aber eigentlich nicht betreten darf. Kurzerhand öffnete der Verein das Stadion an spielfreien Nachmittagen und ermöglichte Besuchern, für fünf Dollar den Rasen zu betreten und Pokémon zu fangen. Ähnlich handhaben es viele Ladenbesitzer, die einen Pokéstop direkt vor der Türe haben. Sie bieten etwa Rabatte, wenn Spieler Lockmodule einsetzen oder Pokémon im Geschäft einfangen.

Gerade in den USA ist es oft etwas eintönig, durch die nach einem Raster aufgebauten Straßen zu laufen. Und wenn Pokéstops sehr weit auseinanderliegen, ist es auch ziemlich anstrengend. Wer lieber wie ein VIP auf Pokémon-Jagd geht, der kann unter anderem in Boston einen Limousinen-Service engagieren, der die wichtigsten Pokéstops abklappert und an den Stellen hält, an denen sich seltene Taschenmonster tummeln sollen.

Täglich kann man sich so einen Luxus natürlich nicht leisten - und da rauf bauen die Anbieter von sogenannter Spoof-Software, die es ermöglicht, die GPS-Daten zu manipulieren. Das ist gegen die Nutzungsbedingungen und Niantic geht gegen die Praxis durch Sperrungen vor. Allerdings haben gerade die Bewohner ländlicher Regionen riesige Probleme, etwas anderes als Taubsi, Rattfratz und Hornliu einzusammeln - und entscheiden sich für die Nutzung solcher Programme. Jeden Tag Orte mit höherer Einwohnerzahl zu besuchen, so wie es Niantic selbst empfiehlt, ist nämlich keine praktikable Lösung.

Gute Aussicht: 
An der Steuerung der Drohne ist das Smartphone befestigt, man sieht also, was passiert. Quelle: TRNDlabs Gute Aussicht: An der Steuerung der Drohne ist das Smartphone befestigt, man sieht also, was passiert. Eine möglicherweise legale, aber erstens noch nicht erhältliche und zweitens wohl teure Lösung ist die eigens für Pokémon Go angefertigte Drohne. Statt der GPS-Daten des Smartphones werden die der fliegenden Kamera registriert. So kann man ohne Herumlaufen größere Strecken überwinden. Damit auch unerfahrene Drohnenpiloten keinen Schaden anrichten, wird das Gerät über automatisierte Start und Landemechanismen verfügen. Momentan versucht der dänische Hersteller noch, dass "Go" von Nintendo und der Pokémon Company für eine offizielle Kooperation zu bekommen. Wir halten das jedoch für unwahrscheinlich - der Geist des Spiels ist es ja, sich selbst in Bewegung zu setzen.

Pokémon Go Plus: Für alle, die die Welt sehen wollen

Immer dabei, aber deutlich praktischer als ein ständig entsperrtes Handy in der Hand: das Trainer-Accessoire Pokémon Go Plus.

Handlich: 
Das kleine Gerät soll unter anderem den Handy-Akku schonen. Quelle: Niantic Handlich: Das kleine Gerät soll unter anderem den Handy-Akku schonen. Das kleine Gerät in Pokéball-Optik wurde erst im September veröffentlicht. Die Zahl der Vorbesteller war immens, und das bei einem stolzen Preis von etwa 40 Euro (zum Vergleich: Die nordamerikanische Version kostet lediglich 35 US-Dollar). Die Zusatz-Hardware verbindet sich per Bluetooth mit dem Smartphone und ruft darüber Informationen ab. Sobald in der Umgebung etwas passiert - etwa wenn ein Pokémon auftaucht -, blinkt und vibriert das Anhängsel. Drückt man auf den grauen Knopf, wirft man Pokébälle.

Alternativ zur Hosentasche kann man Go Plus auch an einem Band um das Handgelenk tragen. Gerade weil die Anwendung sehr viel Handy-Akku frisst, dürfte das elektronische Gerät vielen Leuten das Pokémonfangen deutlich erleichtern. Zudem muss man nicht mehr das entsperrte Handy herumtragen, um keinen Pokéstop oder ähnliche Orte zu verpassen. Natürlich geht der Aspekt Augmented Reality dabei flöten. Jedoch richtet sich die Zusatz-Hardware ohnehin an die "Hardcore"-Zocker, die schon jede Menge Monster durch die Kamera erspäht haben und daran arbeiten, ihren Pokédex zu vervollständigen. Pokémon Go Plus ist mit Android und iOS kompatibel. Inzwischen gibt es bereits Alternativen, bei denen man ein Fitness-Armband mit einer Pokémon-Such-App kombiniert. Da dies aber inoffiziell abläuft, könnte euer Account gesperrt werden.

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