10 Jahre Pokémon Go: Die PCG-Redaktion erinnert sich an den Hype um das Mobile-Phänomen
Special
Pokémon Go wird zehn Jahre alt und die PC Games Redaktion blickt zurück auf den Hype rund um das Mobile Game. Unsere Redakteure erzählen von ihren kuriosen, lustigen und persönlichen Erinnerungen.
Zehn Jahre ist es her, dass ausgerechnet ein Mobile Game sich in kürzester Zeit zu einem weltweiten Phänomen entwickelt hat. Pokémon Go brachte 2016 Nintendos beliebte Taschenmonster auf mobile Geräte und damit wortwörtlich in die eigene Hosentasche. Plötzlich zog es Pokémon-Liebhaber und Sammler raus in die Welt, auf der Suche nach dem nächsten großen Fang, dem perfekten Spawnpunkt oder einer neuen Herausforderung in einer Arena.
Selbst diejenigen, die bis dato keine Berührungspunkte mit Pokémon oder überhaupt mit Gaming hatten, sprangen auf den Hype auf. Fußgängerzonen waren überfüllt mit Menschen, die ihr Handy am Anschlag auf der Suche nach dem einen Pokémon waren, das noch in der Sammlung gefehlt hat. Es wurden sogar diverse Accessoires angeboten, die dabei helfen sollten, keine Gelegenheit zu verpassen, wie zum Beispiel ein Armband, das immer dann vibrierte, wenn ein Pokémon in der Nähe war.
Wie immer bei solchen Phänomenen haben sich auch hier die Menschen in zwei Lager gespalten: diejenigen, die voll auf den Hypetrain aufgesprungen sind und gar nicht mehr genug bekommen konnten, und diejenigen, denen der ganze Trubel schnell zum Hals raushing. Anlässlich des Jubiläums habe ich mich in unserer Redaktion umgehört und alle Erfahrungen, Meinungen und Berichte der Kollegen zu Pokémon Go zusammengetragen.
Angesichts seiner Liebe zu Pokémon war unser Nintendo-Experte Lukas sofort Feuer und Flamme für das Mobile Game. Auch die anfänglichen Probleme haben ihn nicht davon abgehalten, nicht nur auf Konsole, sondern auch in der echten Welt auf Pokémon-Jagd zu gehen.
Quelle: PC Games
Der Hype um Pokémon Go hat Lukas als großen Pokémon-Fan voll mitgerissen.
Lukas: "Als Nintendo und Pokémon-Fan kam ich 2016 natürlich nicht um Pokémon Go herum. Das Konzept, die Taschenmonster nicht nur auf der Konsole, sondern jetzt sogar in der "Realität" fangen zu können, hatte mich sofort gecatcht. Auch wenn der Start etwas holprig war. Denn natürlich gab es zu Beginn massenhaft Probleme. Lange Ladescreens, Serverabbrüche und fehlende Spielinhalte waren zwar ziemlich ätzend, der eigene Geduldsfaden aber deutlich strapazierfähiger. Es war schließlich ein noch nie dagewesenes Pokémon-Erlebnis.
Ich kann mich noch gut daran erinnern, wie ich fast jeden Tag mit Freunden meine Gegend nach Poké-Stops abgesucht habe. In meiner Stadt gab es einen Ort, an dem drei direkt beieinanderlagen. Wenn man an einer ganz bestimmten Stelle stand, konnte man alle erreichen, ohne sich weiterzubewegen. Das sprach sich schnell herum und wurde dann DER Pokémon-Go-Spot der Stadt. Egal wann man dort war, irgendwer hatte immer einen Lockduft aktiviert. Über mehrere Wochen traf man hier fast täglich andere Trainer.
Und kein Witz: Manche sogar mit Zelt und Planschbecken. Es war völlig verrückt, aber irgendwie auch total cool. Pokémon Go hat uns nicht nur wieder mehr vor die Tür gebracht, sondern auch mit Fremden wieder näher zusammen. Das war einfach schön!"
Quelle: Dominik Pache
Auch Dominik war zum Release des Spiels praktisch süchtig nach Pokémon Go.
Auch unseren Leiter des Videoteams, Dominik, hat Pokémon Go voll in seinen Bann gezogen und für schöne Erinnerungen gesorgt, an die er noch heute gern zurückdenkt.
Dominik: "Ich war komplett süchtig nach Pokémon Go, als es erschien. Ich hatte vorher auch schon ein bisschen Ingress gespielt, aber das war mir dann doch zu nischig, obwohl es im Prinzip dasselbe Spiel ist. Für Videos habe ich mich damals auch zum ersten Mal damit beschäftigt, wie man so einen Handy-Bildschirm eigentlich vernünftig aufnehmen kann, damit am Ende brauchbares Material rauskommt. Und ich habe mir sogar die japanische APK von irgendeiner Leaker-Seite geladen, nur damit ich eine Woche früher spielen konnte.
Also ja: Ich war zu dieser Zeit viel draußen unterwegs, und das war schön. Denn so habe ich tatsächlich viele tolle Ecken meiner Stadt gesehen, die ich von selbst nie gefunden hätte. Besonders öffentliche Gärten, die aber komplett versteckt liegen, waren damals meine Hotspots. Da gab es dann auch immer ziemlich gute Pokémon.
Jedes Mal, wenn wir an einer bestimmten Stelle auf dem Weg zum Kino vorbeigehen, sagt meine Frau heute noch zu mir: "Da hast du doch damals das Dratini gefangen!" Dann lachen wir beide, weil das natürlich kompletter Blödsinn ist. Aber ja, irgendwie ist daraus trotzdem eine Core Memory geworden.
Als ich in Japan war, wollte ich mich dann von meiner sehr spendablen Seite zeigen und habe für alle Kollegen, die auch Pokémon Go gespielt haben, die speziellen japanischen Pokémon gefangen, um sie ihnen später zu schenken. Die Reaktion zu Hause: "Haha, ja, das Viech habe ich mir schon vor einem halben Jahr ercheatet."
Nun. Das war's dann erst mal für mich mit dem Spiel. Wie schon bei Counter-Strike und PUBG haben mir Cheater auch Pokémon Go madiggemacht. Das war außerdem die Zeit, in der die späteren Generationen gelauncht sind. Mit denen konnte ich eh nicht mehr so viel anfangen. Ich bin halt ein Gen1-Kind."
Quelle: PC Games
Für Thilo bedeutet Pokémon Go eine schöne Erinnerung an Zeit mit der Familie.
Pokémon Go hatte auch spürbare Auswirkungen auf das soziale Miteinander und die Beziehungen zu Bekannten und Familie. Unser Head of Content Thilo erinnert sich:
Thilo: "10 Jahre Pokémon Go: Ich habe schon 2-3 Jahre regelmäßig gespielt. Übrigens mit das einzige Spiel, das ich auf dem Smartphone gezockt habe. Gespielt habe ich es vor allem mit meinen beiden Töchtern. Draußen rumlaufen und Pokémon jagen, das hatte etwas Verbindendes. Und wenn man dann im Park andere Leute traf, war das einfach cool. Irgendwann kam aber die große Erleuchtung: Okay, möchte ich wirklich, dass mein Akku so krass geschreddert wird? Die Antwort lautete dann "Nein". Und ich habe auch nie wieder damit angefangen. Es war eine schöne Zeit, aber auf Dauer hat mich das nicht gepackt."
Quelle: Videogameszone
Maik hat den Mobile-Titel zwar nur kurz gespielt, konnte aber in seinem Bekanntenkreis interessante Dinge beobachten.
Unser Online-Redaktionsleiter Maik konnte den Hype rund um den Titel ebenfalls in seinem sozialen Umfeld beobachten. Doch auch die Auswirkungen im beruflichen Kontext sind ihm in Erinnerung geblieben.
Maik: "Pokémon Go habe ich tatsächlich gespielt, wenn auch nur kurz. Die Smartphone-App triggerte alle Nur-noch-ein-Pokémon-Sinne. Die Straßen waren gefüllt mit Menschen am Handy - man ging aneinander vorbei, lächelte sich zu oder nickte kurz ab. Auf pcgames.de hatten wir zum Pokémon Go-Start übrigens jede Menge Tipps-Artikel am Start, deren Performance jeden Rahmen sprengte.
Am meisten überrascht hat mich aber die persönlich beobachtete Altersstruktur der Spieler. In der Senioren-Mannschaft unseres Fußballteams sammelte der 55-jährige Berufsschullehrer Pokémon, bevor er sich die Turnhose anzog. Verblüffend! Was für tolle Zeiten!"
Quelle: PC Games
Matthias hat Pokémon Go nie gespielt. Dennoch hat der Titel auch bei ihm bleibende Erinnerungen hinterlassen.
Apropos beruflicher Kontext: Viele Mitglieder unserer Redaktion haben den Mobile-Titel zwar selbst nie gespielt, erinnern sich aber gut an die Auswirkungen im Job. Darunter auch Matthias.
Matthias: "Zehn Jahre ist das jetzt schon wieder her? Das führt mir mal wieder vor Augen, wie lange ich schon hier bin. Denn selbst gespielt habe ich Pokémon Go nicht, aber ich erinnere mich sehr gut an den Release aus meiner Rolle als Online-Redakteur, der ich damals hier noch war. Pokémon Go war ein weltweites Mega-Phänomen, und das machte sich auch in den Aufrufzahlen von pcgames.de bemerkbar, wann immer wir einen Artikel zum Spiel gebracht haben.
Rund um den Release hat das Spiel für mehrere Monate die Seite quasi im Alleingang getragen. Die Aufrufzahlen, die wir rund um den Release des Spiels mit Artikeln über Pokémon Go generiert haben, waren jenseits von Gut und Böse. Seitdem hat kein Einzelthema wieder so einen gewaltigen Impact bei uns gehabt.
Für Wochen hielt sich zum Beispiel ein Tipps-Artikel zur Weiterentwicklung von Evoli täglich auf dem Spitzenplatz der am meisten aufgerufenen Artikel und generierte schließlich allein fast eine Million Aufrufe. Die Top 15 beherrschten in dieser Zeit immer mindestens acht bis neun Artikel über Pokémon Go. Kein Wunder, gefühlt die ganze Welt hat gespielt.
Videos von Menschenmassen auf den Straßen von New York und anderen Städten gingen viral. Der Release-Monat Juli stach in der Jahresendabrechnung von 2016 mit einem Vorsprung von fast zwei Millionen zusätzlicher Aufrufe deutlich aus den restlichen Monaten heraus. Daher ist mir das Phänomen Pokémon Go bis heute vor allem als Ausnahmethema in der Geschichte von pcgames.de in Erinnerung."
Quelle: play4
Da er kaum Spiele auf dem Handy spielt, hat Vik der Hype um Pokémon Go nicht wirklich mitgenommen.
Auch unser leitender Redakteur für Themen, Vik, erinnert sich an die große Faszination, die das Spiel ausgelöst hat, und an den Andrang, der daraufhin plötzlich in unserer Redaktion herrschte.
Vik: "Ich kann mich noch gut an den astronomischen Hype damals erinnern. Pokémon GO war nicht nur bei uns in der Redaktion natürlich ein sehr großes Thema, der Hype hat sich wie ein Lauffeuer durch alle Medien und Bevölkerungsschichten ausgebreitet. Als Redaktionsleiter der N-ZONE habe ich damals sogar ein Interview fürs ÖRR bei uns in den Redaktionsräumen zu dem Thema gegeben und was die Faszination dahinter ausmacht. Social Media war voll damit, Tageszeitungen haben berichtet und selbst im Fernsehen kamen diverse Beiträge zu dem Phänomen.
Es war tatsächlich vergleichbar mit der ersten Hype-Phase, als Pokémon Ende der Neunziger in Deutschland so richtig mit Wucht ankam. Nur wurde diesmal nicht nur auf dem Pausenhof ständig über die Taschenmonster gesprochen, sondern diesmal auch unter den Erwachsenen - die damals mit dem ersten Hype aufgewachsen sind. Ausprobiert habe ich Pokémon GO dann auch mal, aber mich hats nicht wirklich erwischt. Allerdings spiele ich allgemein bis auf extrem seltene Ausnahmen keine Spiele am Handy. Da nehm ich lieber die Switch 2 (oder damals eben meinen 3DS) zur Hand."
Quelle: Tobias Tengler-Böhm
Auch auf Jobs außerhalb des Gaming-Bereichs hatte Pokémon Go einen enormen Einfluss, wie Tobias selbst miterleben durfte.
Doch nicht nur in der PC Games Redaktion hatte Pokémon Go einen erheblichen Einfluss auf den Berufsalltag. Unser News-Redakteur Tobias, der damals noch im Marketing für ein Kino tätig war, erinnert sich an ähnliche Erfahrungen während der Arbeit.
Tobias: "Als das ganze Ding relativ neu war, hab ich noch Marketing für eines der größten inhabergeführten Kinos Europas gemacht. Wir haben damals auf Facebook Screenshots gepostet, welche Pokémon sich bei uns herumtreiben. Als besondere Aktion haben wir dann irgendwann mal angekündigt, dass wir an einem Tag im (wenn ich mich recht entsinne) 30-Minuten-Takt Lockduft im Kino aktivieren, um seltene Taschenmonster anzulocken.
Da kamen dann locker 300 Leute, teilweise im Pikachu-Kostüm. Das Kino ist ein viereckiger Glasbau und die ganzen Pokémon-Fans kamen wie so eine Zombiehorde mit ihren Handys in der Hand auf das Gebäude zu marschiert. War absolut wild damals, ein richtiger Massenhype."
Natürlich erstreckte sich der enorme Hype des Spiels nicht nur über Deutschland, sondern über die ganze Welt. Videoredakteur Carlo hat das Phänomen am anderen Ende der Welt miterlebt und berichtet:
Carlo: "Tja Pokémon Go... Als das Ding aufgeschlagen ist, habe ich gerade mein Leben in Neuseeland verbracht. Selbst da am Ende der Welt haben sich die Gruppen an den Straßenecken gebildet, auf der Suche nach dem nächsten Poké-Stop. Ich bin mit meinem Van aber nur dran vorbeigefahren. Zu der Zeit war ich nämlich noch ein heißer Verfechter von Windows Phone (und ich finde das auch heute noch ein zu Unrecht geschmähtes Betriebssystem) und hatte dementsprechend ein Nokia Lumia 930.
Quelle: Carlo Siebenhüner
Globetrotter Carlo konnte den Pokémon-Go-Hype vom anderen Ende der Welt miterleben.
Das hatte nur einen fatalen Nachteil: Der Nutzeranteil war für die meisten App-Entwickler einfach zu klein und Apps kamen meist erst später oder überhaupt nicht. Und so konnte ich beim initialen Hype nicht mitmachen. Erst nach dem Ende von Windows Phone hatte ich dann ein Smartphone, mit dem ich mitspielen konnte. Da hat es mich dann ein paar Wochen lang unterhalten, bis die Luft wieder raus war. Meine Freundin spielt es aber bis heute."
Ohne Zweifel ist Pokémon Go ein bisher einmaliges Ereignis in der Spielegeschichte gewesen, das auch zehn Jahre später noch immer bleibenden Eindruck hinterlassen hat. Der enorme Hype rund um das Mobile Game hat sich auf alle Bereiche, privat und beruflich, und beinahe alle Handybesitzer gelegt, ob Pokémon-Fans, Spieleenthusiasten oder nichts von beidem. Allein das ist eine beachtliche Leistung.
Wie sind eure Erfahrungen mit Pokémon Go? Seid ihr auf den Hype aufgesprungen oder hat euch das alles völlig kalt gelassen? Spielt ihr es bis heute? Schreibt es uns gern in die Kommentare! Beachtet beim Kommentieren aber bitte die Forenregeln und die allgemeine Netiquette im Internet. Solltet ihr noch keinen Account haben, könnt ihr über eine Registrierung nachdenken, die viele Vorteile mit sich bringt. Unsere Video-Inhalte findet ihr bei Youtube, Instagram und Tiktok.
