Welches Starter-Pokémon wählen wir? Und wieso sind Psycho-Pokémon so unverhältnismäßig stark? Die Antwort: Bugs
Die schwierigste Entscheidung eines Zehnjährigen
Aber egal, welche Version, am Anfang beider Spiele heißt es für uns erst einmal: Welches der drei Starter-Pokémon wählen wir? Die blaue Schildkröte Shiggy, den Pflanzenvierbeiner Bisasam oder doch die Echse mit Flammenschweif Glumanda?
Für die meisten Kinder war das wohl eine der ersten Fragen, die sie auf dem Schulhof beantworten durften, nachdem ihre Eltern ihnen Pokémon gekauft hatten. Damals war das nämlich noch viel interessanter als heute, denn die erste Generation der Pokémon wurde schließlich in einer Zeit veröffentlicht, bevor jeder immer freien Internetzugang hatte. Das heißt, wir wussten nicht, dass Shiggy mal zwei fette Kanonen unter seinem Panzer bekommt, die kleine Echse ein mächtiger "Drache" wird oder Bisasam ... na ja, wenigstens ein ganzes Stück größer. Nach der wichtigsten Entscheidung, die ein Zehnjähriger treffen kann, nimmt sich der Rivale im Spiel auch ein Pokémon - und zwar stets das, das effektiv gegen unseres ist.
Quelle: PC Games
Hier suchen wir unser erstes Pokémon aus, während unser Rivale ein anderes nimmt. Aber was passiert eigentlich mit dem Dritten...?
Pokémon benutzt nämlich so etwas wie ein Schere-Stein-Papier-Prinzip. An den Startern wird das schon relativ gut gezeigt: Wasser ist gut gegen Feuer, Feuer ist gut gegen Pflanze und Pflanze ist gut gegen Wasser - so weit, so simpel. Komplizierter wird das Spiel, wenn dann noch 13 weitere Elemente dazukommen.
Zum Glück wurde aber dafür gesorgt, dass da auch das Balancing stimmt ...oder? Kennt ihr diese Kinder, die bei Schere-Stein-Papier unbedingt den Brunnen verwenden wollen?
Den gibt's sozusagen gleich zweimal in Pokémon Rot & Blau: einmal mit dem Psycho-Typ und einmal mit dem Drachen-Typ.
Psycho > alles andere
In der ersten Generation gibt es nur eine Drachen-Evolutionslinie: Dragoran und seine Vorentwicklungen. Drachen sind in Gen 1 nur schwach gegenüber anderen Drachen und Eis, dafür aber resistent gegen vier andere Schadenstypen. Leider gibt es in Pokémon Rot & Blau aber nur fünf Eis-Pokémon und vier Eis-Attacken. Wobei die zwei besten dieser Angriffe nur ein einziges Mal im Spiel in Form von limitierten TMs existieren, mit denen wir Pokémon Attacken beibringen können. Die konnte man damals nämlich nur einmal verwenden. Es gab also kaum eine Möglichkeit, gegen die Drachen anzukommen. Da es mit Dragoran davon aber nur einen gab, wurde das Problem zumindest ein wenig eingedämmt.
Und das ist sogar das geringere Übel. Die Psycho-Pokémon waren noch sehr viel stärker, da kommen nämlich mehrere Probleme zusammen.
Quelle: PC Games
Psycho-Pokémon sind mit Abstand die stärksten Pokémon im Spiel. Nicht nur haben sie gute Angriffswerte, sondern dazu auch noch zu viele Resistenzen, weil den Entwicklern ein Fehler unterlaufen ist.
Als Allererstes: Psycho-Pokémon besitzen nur eine Schwäche, und zwar Käfer. Die haben aber die Angewohnheit, über keine besonders guten, offensiven Statuswerte zu verfügen. Zudem gibt es nur drei Käfer-Attacken, die überhaupt Schaden verursachen: Blutsauger, der hat in Gen 1 aber kaum Schadenspunkte, Duonadel, das nur von Bibor gelernt werden kann, und als Letztes Nadelrakete. Die trifft zwei bis fünf Mal und ist somit ein reines Glücksspiel. Außerdem können nur Bibor und Blitza die Attacke erlernen. Da Blitza aber kein Käfer-Pokémon ist, macht es mit dem Angriff weniger Schaden als Bibor.
Also klingt Bibor doch wie die perfekte Ergänzung für unser Team, um gegen jeden Psycho-Trainer gefeit zu sein! Na ja, eigentlich. Bibor ist aber nicht nur Typ Käfer, sondern auch Gift. Und ratet mal, gegen welchen Typ Gift schlecht ist: richtig, Psycho! Heißt: Bibor, der einzige gute Konter gegen Psycho-Pokémon, wird selbst von ihnen gekontert.
Fans könnten jetzt argumentieren: "Halt, stopp! Geister sind doch auch stark gegen Psycho-Pokémon, nicht nur Käfer!" Ja, das ist richtig - aber nur, wenn die Programmierer nicht einen kleinen Fehler in ihrem Code gemacht hätten. Dadurch sind Psycho-Pokémon in Gen 1 völlig immun gegen Geister-Attacken. Wer sich also damals ein Abra auf Route 24 geschnappt hat, bevor es seine Teleportation benutzen konnte, hatte eines der stärksten Pokémon des Spiels in der Tasche - wahrscheinlich, ohne es zu wissen.
Quelle: PC Games
Die Käfersammler sind so etwas wie ein Abbild von Satoshi Tajiri selbst. Die Einflüsse von Pokémon stammen nämlich aus seiner Kindheit, in der er sehr gerne Käfer fing.
Irgendwo ist es sogar ein wenig lustig, dass Käfer-Pokémon in Gen 1 so schwach sind, wobei es sich bei denen doch vermutlich um Tajiris Lieblinge handelt. Bevor ihm Space Invaders gezeigt wurde, war sein größtes Hobby nämlich das Sammeln von Käfern. Er war fasziniert davon, dass die ganzen Krabbelviecher sich alle anders verhalten, anders aussehen und auch an verschiedenen Orten zu finden sind.
Die Idee für Pokémon liegt also eindeutig in den Erfahrungen, die Tajiri in seiner Kindheit sammelte, womit sein biografischer Manga passenderweise auch anfängt. Er gab das Hobby gezwungenermaßen auf, weil die hohen Gräser in seiner Wohngegend in Tokio immer mehr Betonstraßen und Häusern wichen. Die jungen Käfersammler-Trainer sind also so etwas wie ein Abbild des Schöpfers selbst. Wo waren wir eigentlich? Ach so, ja, Starter-Pokémon!
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- Seite 5 Die acht Orden und die miese Mafia Team Rocket
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- Seite 7 Was war nochmal mit Mewtu? Ach, gar nix?
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