"Beim letzten Boss geht's nicht um Loot." - Interview zum Endgame von Diablo 4

Special Felix Schütz
"Beim letzten Boss geht's nicht um Loot." - Interview zum Endgame von Diablo 4
Quelle: Blizzard

Das Endgame im Fokus: Wie viel Spielzeit hat Diablo 4 wirklich? Gibt es einen Endlosmodus oder einen versteckten Boss? Wie laufen Seasons ab? Und warum gibt es keine Set-Items? Im Interview verraten uns die Entwickler viele spannende Details zum neuen Endgame, plaudern über unfaires PvP - und erklären, warum Diablo 4 irgendwann auch einfach mal durchgespielt ist.

Joseph führt seine Antwort zu den Schwierigkeitsgraden weiter aus: "Wir haben diesmal also nicht so viele davon, dafür fühlen sie sich aber viel gehaltvoller an. Die Capstone Dungeons werden völlig neue Dinge enthalten, die man bis dahin noch nicht im Spiel gesehen hat. Auch die Bosskämpfe werden neu sein. Für die Spieler soll es sich wie ein kleiner Meilenstein anfühlen, diese Herausforderung zu knacken." Kayleigh und Joseph führen weiter aus: Capstone Dungeons werden nicht wiederholbar sein, sie sind also nicht zum Farmen gedacht. Sie dienen nur dazu, die Spieler zu prüfen, ob sie fit genug für die nächste Stufe sind.

Höllenfluten sollen für Nervenkitzel sorgen

Ein weiteres Endgame-Element von Diablo 4 sind die Höllenfluten. Das sind Events, die eine bestimmte Zone der Weltkarte vorübergehend verstärken, hier trefft ihr dann auf härtere und zahlreichere Gegner und müsst zusätzliche Herausforderungen überstehen. Auch das Design wird sich anpassen, wie Kayleigh bestätigt: "Es wird buchstäblich Flüsse aus Blut geben und Feuerbälle, die vom Himmel hinabregnen, um euch in die richtige Stimmung zu bringen. Und wenn ihr richtig Glück habt - oder Pech - wird euch der Butcher vielleicht an den Kragen wollen. Also ja, Helltides werden einiges ändern und es euch ermöglichen, auch in der Open World richtig knifflige Gegner anzutreffen."

Joseph gefällt an dem System besonders, dass man für besiegte Gegner und geschaffte Events während einer Höllenflut sogenannte Glut verdient. Damit lassen sich spezielle Beutekisten öffnen, die nur in der Höllenflut-Zone erscheinen. Allerdings hat die Sache einen Haken: "Wenn du stirbst, verlierst du eine Riesenladung Glut, die du bis dahin gesammelt hast. Die ist dann einfach weg. Das sorgt dann für zusätzlichen Nervenkitzel. Du willst einerseits so viel kämpfen wie möglich, um Glut zu sammeln, darfst dich aber auch nicht übernehmen, weil du sonst riskierst, alles zu verlieren."

Totengeflüster: Was steckt hinter dem Kopfgeldsystem?

Ein weiterer Baustein für das Endgame ist der Baum des Flüsterns. Dort wird es mehrere Aufträge geben, die täglich mehrfach durchwechseln. Joseph betont hierbei, dass die Aufträge unterschiedlich viel Zeit beanspruchen, manche sollen sich schon in wenigen Minuten erledigen lassen, für andere Kopfgeldjagden muss man dagegen einen ganzen Dungeon durchspielen. Von dem Aufwand hängt auch die Belohnung ab: Manche Kopfgelder bringen als Belohnung nur eine Grausige Gabe, andere dagegen drei. Habt ihr genug von dieser besonderen Ressource gesammelt, könnt ihr damit spezielle Beutekisten öffnen, die auf ganz bestimmte Item-Typen zugeschnitten sind. Allerdings legen die Entwickler großen Wert darauf, dass die Totengeflüster-Aufträge nicht zur Fleißarbeit verkommen. Die Angst, etwas Cooles zu verpassen, sollt ihr hier nicht haben, wie Kayleigh erklärt: "Wir wollen nicht, dass du das Gefühl hast, wirklich alle Aufgaben machen zu müssen. Wir wollen, dass sich die Spieler selbst überlegen, wie viel Zeit sie in bestimmte Aktivitäten stecken wollen und worauf sie gerade Lust haben."

Gut zu wissen: Noch mehr Fakten zum Endgame

  • Der Großteil von Diablo 4 wird komplett solo spielbar sein. Nur für Weltbosse und Legion-Events wird man sich kurzzeitig mit anderen Spielern in der Nähe zusammentun, es braucht aber keine festen Gruppen. Legion-Events sind öffentliche Ereignisse in der Open World, für die ihr mehrere Gegnerwellen besiegen müsst.
  • Das Spiel ist nicht so designt, dass man sich täglich einloggen muss, um bestimmte Inhalte effektiv zu spielen. Die Spieler sollen sich die Zeit einfach selbst einteilen. Damit vertritt Diablo 4 also eine komplett andere Designphilosophie als zuletzt Diablo Immortal, das sich spätestens im Endgame wie ein MMO anfühlt.
  • Nur bei den Weltbossen gibt es ein Mal pro Woche eine Bonuskiste als Belohnung. Die Inhalte darin lassen sich aber auch über andere Aktivitäten verdienen.
  • Pferde haben auch im Endgame keine andere Funktion, als euch schnell von A nach B zu bringen. Es gibt keine Pferderennen oder andere Aktivitäten, für die ihr euren Vierbeiner braucht. Pferde dienen der schnellen Fortbewegung, weil die Entwickler sich nicht zu sehr auf Schnellreisepunkte verlassen wollen - die Spieler sollen die Open World schließlich bereisen und erkunden. Und natürlich könnt ihr euer Pferd auch mit kosmetischen Upgrades verschönern, wenn ihr das wollt. Eine spielerische Funktion hat das nicht.
  • Zum Launch gibt es keine Bestenlisten oder eine Ladder. Solche Features will Blizzard erst nach dem Launch in Angriff nehmen, wenn man mehr Feedback von den Spielern eingeholt hat.

Solche Weltbosse knackt ihr nur gemeinsam mit anderen Spielern. Der Großteil von Diablo 4 lässt sich aber problemlos solo spielen. Quelle: PC Games Nur sehr wenige Aktivitäten wie dieser Weltboss verlangen nach mehreren Spielern. Den Rest könnt ihr problemlos solo spielen.

Farming-Spots: Wie läuft das in Diablo 4?

In Diablo dreht sich alles um die Jagd nach zufälliger Beute. In Diablo Immortal führte das manchmal zu Frust, da man hier bestimmte Dungeons immer und immer wieder spielen musste, um wertvolle Set-Gegenstände zu ergattern. Diablo 4 geht jedoch einen anderen Weg, wie Joseph erklärt: "Wir haben nun Monsterfamilien, und die haben eine Bonuschance, bestimmte Item-Sorten zu droppen. Banditen haben zum Beispiel eine höhere Chance, Stiefel und Armbrüste abzuwerfen. Und bei Skeletten habt ihr eine höhere Chance, Ringe zu ergattern. Indem du dich auf bestimmte Gegnerfamilien konzentrierst, kannst du also auch leichter bestimmte Arten von Items farmen. So wird es zum Launch sein. Wir denken auch darüber nach, später vielleicht noch weitere Farming-Möglichkeiten einzubauen. Aber dazu sehen wir uns erst mal das Feedback der Spieler an und überlegen dann, wie wir weiter vorgehen."

Grüne Set-Items: Darum fehlen sie (noch) in Diablo 4

In Beutekloppern wie Diablo zählen Rüstungssets mittlerweile zum guten Ton. Trotzdem wird Diablo 4 eine Ausnahme machen und zum Launch darauf verzichten. Joseph hat einen einfachen Grund dafür: "Wir haben uns während der Entwicklung viele Gedanken über Legendäre Kräfte gemacht und wie man sie sich verdient - und das hat Sets dann im Grunde überflüssig gemacht. Ich meine, es ist echt cool, Sets zu sammeln. Sets sind wirklich eine gute Idee. Aber als wir uns überlegten, dass man legendäre Eigenschaften aus Items extrahieren und auf andere Gegenstände übertragen kann, und als wir erkannten, wie spaßig es ist, damit Builds zu entwickeln, hatten wir das Gefühl, dass Sets dem nichts wirklich hinzufügen würden. Aber wir mögen die Idee von Sets und wir würden so ein markantes Feature auch nicht einfach so für immer aus dem Spiel werfen. Wir wissen, dass sie in der Launch-Version von Diablo 4 keinen Platz haben. Aber Diablo 4 ist ein Live Game, wir haben eine Menge Sachen für die Zukunft geplant - und es ist nicht undenkbar, dass Sets zu einem späteren Zeitpunkt wieder zurückkehren werden.

Streitpunkt Ausweichrolle

Diablo 4 ist das erste Spiel der Reihe, das von Anfang an eine Ausweichbewegung für jede Klasse bietet. Diablo 3 hatte auf Konsolen zwar schon eine ähnliche Funktion, die wurde aber erst nachträglich eingebaut und ist letztendlich nur ein Gimmick. In Diablo 4 dagegen gibt es viele Kämpfe, in denen eine schnelle Ausweichrolle entscheidend sein kann. "Ausweichen ist ein wichtiges Tool für den Spieler.", erklärt Joseph. "Wir hatten die Ausweichrolle auch eine Zeit lang mit weniger Reichweite im Spiel, dafür ohne Cooldown - die konnte man also spammen. Die Kämpfe fühlten sich dadurch aber nicht besser an. Darum haben wir die Reichweite des Ausweichens erhöht und den Cooldown hinzugefügt. Und später erhält man auch Items, die sich hier auswirken, zum Beispiel mit einer Extra-Ladung für die Ausweichbewegung oder einen verkürzten Cooldown." Joseph betont auch, dass man dadurch nicht länger einen Fähigkeitenslot für typische Bewegungsfähigkeiten wie Leap (Barbar) oder Teleport (Zauberin) belegen muss.

Was denkt ihr über die ganzen Neuerungen, die Diablo 4 für das Endgame bringt? Reizen euch die Inhalte zum Launch oder hättet ihr euch stattdessen etwas anderes gewünscht? Schreibt uns eure Meinung! Und wenn ihr noch mehr zu Diablo 4 uns unserer Meinung zur Beta wissen wollt - hier geht's lang.

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