Nervige Bosskämpfe & ein schweres Fazit für Crimson Desert

Test Carlo Siebenhüner
Nervige Bosskämpfe & ein schweres Fazit für Crimson Desert
Quelle: PC Games

Zum Abschluss müssen wir noch über die Bosskämpfe reden. Die können nämlich richtig nerven. Im Gesamtbild ist ein Fazit für Crimson Desert gar nicht so einfach.

So übermächtig wir uns im Kampf gegen die Standardmobs fühlen, so demütig werden wir allerdings bei den Bossgegnern. Von denen gibt es eine Menge in der Welt verteilt, aber auch innerhalb der Hauptstory trifft man in jedem Kapitel auf mindestens einen von ihnen. Die werden immer mit spektakulär choreografierten Zwischensequenzen eingeleitet und ihre Movesets sehen auch im Kampf beeindruckend aus.

Leider spielen sie sich aber eher durchwachsen. Manche der Bosse sind kreativ und beeindruckend. So müssen wir etwa auch an riesigen Viechern hochklettern und die Schwachstellen auf dem Rücken ins Visier nehmen. Das ist cool und bringt Frische ins Spiel.

Bosskämpfe sorgen für Frustmomente

Viele der Bosse innerhalb der Hauptquest setzen aber meistens nur auf extreme Schnelligkeit. Sie ballern eine Attacke nach der anderen raus, meistens noch in Angriffsketten. Sie blocken, springen und teleportieren sich auch gerne mal quer durch die Arena. Kliff dagegen hat aber das Moveset eines Arthur Morgan aus Red Dead Redemption 2 und ist ordentlich schwerfällig.

Ein großes affenähnliches Monster bäumt sich vor dem Protagonisten auf. Quelle: PC Games Die Bossgegner können einen ordentlich zur Weißglut treiben. Dieser übergroße Affe hier drescht schonungslos auf euch ein und lässt euch wenig Zeit zum Reagieren. In vielen Fällen kommt man gar nicht richtig hinterher, ist ständig in der Defensive und das Lesen von Angriffen ist schwer. Mit erfolgreichem Parieren kann man die Angriffe zwar mal unterbrechen, die Zeitfenster dafür sind aber klein und Kliffs Bewegungen einfach zu schwammig. Manchmal hatten wir auch das Gefühl, dass die Steuerung nicht richtig hinterhergekommen ist und schnelle Eingaben hintereinander nicht korrekt registriert wurden.

Das macht die vielen, teils mehrstufigen Bosskämpfe auf Dauer einfach frustrierend, wenn die Bosse in den anderen Stufen nur noch schneller werden. Nicht falsch verstehen: Ein From Software hat auch viele sehr schnelle Bosse, allerdings sind die trotzdem fair genug gestaltet, dass man sie immer lesen und verstehen kann. In Crimson Desert verkommen sie aber viel zu oft zur reinen Glückssache.

Allerdings spielen wir Spieleredakteure auch etwas anders bei einem Test. Wir haben uns vorrangig auf die Hauptquest fokussiert und viele Nebenaufgaben links liegen gelassen. Wer also auf dem Weg durch die Geschichte fleißig Nebenkram macht und damit seine Ausrüstung verbessert und Attribute steigert, wird da wahrscheinlich besser durchkommen.

Zumindest, wenn ihr am Ball bleibt, denn Crimson Desert will euch lange an sich binden. Allein die Hauptquest beschäftigt euch gut und gerne 80 Stunden, und wie schon gesagt, werdet ihr da nicht einfach durchmarschieren. Selbst mit 100 Stunden und mehr hat man immer noch lange nicht alles gesehen, was das Spiel zu bieten hat.

Kein einfaches Fazit für Crimson Desert

Die Feature-Flut kommt aber mit einem klaren Preis. Crimson Desert ist definitiv nicht das Open-World-Überspiel geworden, zu dem es in den vergangenen Monaten im Netz aufgebaut wurde. Dafür fehlt dem Spiel einfach ein klarer Fokus. Es fühlt sich mehr so an, als hätten die Entwickler einfach alles in ihr Spiel geschmissen, was sie selbst cool finden oder was gerade bei Spielern angesagt ist.

Gleichzeitig fühlen sich eine Menge dieser Features nicht komplett durchdacht an, lassen sich nur umständlich bedienen, weil die Steuerung gerade wieder zickt, oder sie erschlagen einen einfach komplett durch ihre schiere Masse. Hat es dann aber einmal Klick gemacht, dann breitet Crimson Desert eine herrliche Spielwiese vor euch aus, die euch einfach mal machen lässt. Es nimmt euch nicht an die Hand, sondern erwartet Eigeninitiative und Mitdenken.

Meinung

Wertung zu Crimson Desert (PC)

Wertung:

7.5 /10
Fazit

Crimson Desert jongliert wahnsinnig viele Spielelemente und einige davon fallen auf den Boden. Das Spiel ist allerdings souverän genug, trotzdem immer lächelnd weiterzumachen und so zu tun, als wäre das alles Teil der Show.

Wir sind oft einfach mal losgezogen und haben mal geschaut, was uns das Spiel bereithält. Haben wir uns an einem der Rätsel die Zähne ausgebissen, dann sind wir eben erst mal woanders hin, haben ein wenig gekocht, ein Banditenlager ausgeräuchert oder eine Quest gemacht und sind später mit frischen Gedanken zurückgekommen. Dadurch ist es in seinen guten Momenten herrlich erfrischend und bietet viel Platz für eigene Abenteuer, die sonst keiner so hat. Genauso lässt es einen aber auch oft einfach allein und man fühlt sich verloren, weil man nicht weiß, was man jetzt machen soll.

Genau das macht es aber so schwierig, ein klares Fazit unter diesen Test zu setzen. Crimson Desert will alles und macht gleichzeitig nichts richtig gut. Es ist einfach gestrickt und gleichzeitig tief und erschlagend. Es fesselt für viele, viele Stunden am Stück und lässt einen dann doch wieder den Controller frustriert in die Ecke pfeffern. Es ist ein Spiel voller Widersprüche und Möglichkeiten. Crimson Desert ist eben das spielgewordene "Jein". Transparenzhinweis: Für die Erstellung dieses Beitrags wurde die Release-Fassung von Crimson Desert von Pearl Abyss gestellt.

  1. Seite 1 Ein holpriger Start in Crimson Desert
  2. Seite 2 Die Welt ist Crimson Deserts größte Stärke
  3. Seite 3 Ungebändigter Erkundungsdrang in Crimson Desert
  4. Seite 4 Wunderschön und Anspruchsvoll: Die Technik von Crimson Desert
  5. Seite 5 Feature-Flut tut selten gut
  6. Seite 6 Großartige Kämpfe & frustige Steuerung in Crimson Desert
  7. Seite 7 frustrierende Bosskämpfe & eine schwierige Wertung
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