Wir schauen auf die Anfänge vom deutschen Spielestudio Egosoft zurück und wie sie sich mit ihrer X-Serie sogar heute noch gegen Star Citizen & Co behaupten.
Außerdem kann man die unabhängige Stellung des Entwicklerstudios weiter ausbauen und auch kommende Spiele mit sehr viel größeren Ambitionen größtenteils auf eigene Faust entwickeln - mit etwas Unterstützung vom Publisher.
Der erste Zenit...
Während man 2000 mit X-Tension noch eine Stand-alone-Erweiterung auf der Technik des ersten X veröffentlicht, kommt der nächste große Schritt dann 2003 mit X2: Die Bedrohung. Das geht gleich mehrere Schritte nach vorn. Grafisch hält man mit dem großen Konkurrenten Freelancer locker mit. Die Inszenierung wirkt auf den ersten Blick hochklassiger und endlich sagt das Spiel dem Spieler sehr viel mehr - was es aber nicht unbedingt besser macht.
Denn nach dem eher kargen ersten X überschüttet X2 einen jetzt mit unzähligen Rädchen und Schräubchen, mit denen man sein Spiel einstellen kann. Das lässt zwar eine höhere Bedienbarkeit zu - einfach ist das aber auch nicht, da X2 viel mehr Features bietet. X2 ist dann auch die Geburtsstunde des Script Editors. Ein Profi-Tool im Spiel, mit dem man eigene Scriptroutinen für das Spiel erstellen kann. Da drin steckt dann auch der Geld-Cheat.
Quelle: pcgames
Doch selbst als die Weltraumspiele in den 2000ern immer weiter aussterben, hält Egosoft eisern und erfolgreich an der eigenen Vision fest.
Mit X3: Reunion erreicht man dann den ersten Zenit. Das Spiel kommt nur zwei Jahre nach X2 raus, legt grafisch aber noch einmal drei Schippen drauf. 2005 sorgt dieses umfangreiche Update für staunende Münder und selbst heute kann man sich das noch einwandfrei anschauen. Spielerisch verfeinert man die Mischung aus Erkunden, Handeln, Kämpfen und Story. Außerdem muss spätestens hier auch der tolle Soundtrack gelobt werden. Es gibt kaum eine bessere Musikuntermalung, mit der es sich besser durchs Weltall schwebt, als bei X.
Auf der Basis von X3 baut man dann noch zwei Stand-alone-Erweiterungen: Terran Conflict und Albion Prelude. Mit beiden verschiebt man den Fokus noch stärker auf ein Sandbox-Erlebnis.
Anstatt einen Charakter und seine Geschichte zu spielen, kann man aus mehreren Spielstarts mit unterschiedlichen Voraussetzungen wählen. Geschichten werden nur noch durch unterschiedliche Questreihen erzählt. Mit X3 startet Egosoft dann auch in die eigene Vermarktung seiner Spiele auf Steam, was automatisch eine noch stärkere internationale Verfügbarkeit bedeutet. Die unabhängige Stellung des Studios wird dadurch noch einmal ausgebaut.
... kommt vor dem Fall
Für den nächsten Hauptteil X4 nimmt man sich dann vor, der Technik eine komplette Generalüberholung zu verpassen und sie so noch mehr auf die Bedürfnisse der Entwickler anzupassen. Allerdings macht man das nicht Stück für Stück, sondern wirft einfach alles über den Haufen und entwickelt eine komplett neue Engine. Ein folgenschwerer Entschluss, wie sich später herausstellt.
Bevor man den nächsten großen Hauptteil ausruft, will man vorher mit X: Rebirth eine Art Testlauf für die neue Engine machen. Mehr back to the roots, nur ein Schiff ist steuerbar, viele bekannte Dinge werden umgestellt. Und obwohl Egosoft nicht müde wird, das alles herauszustellen, kommt das bei den Fans nicht wirklich an. Die wünschen sich halt lieber den nächsten Hauptteil und sind deswegen irritiert von der Umstellung.
Obendrauf verzögert sich die Entwicklung der neuen Engine, denn sie verschlingt Unmengen an Zeit und Ressourcen durch den radikalen Neuanfang. Egosoft war zwar mit den Jahren gewachsen. Ein riesiges Team sitzt aber trotzdem bis heute nicht in Würselen. Dementsprechend verzögert sich X: Rebirth und das geht an die finanziellen Ressourcen des Studios.
Quelle: pcgames
Das geht so weit, dass man 2013 haarscharf an der Insolvenz vorbeischlittert. Nur die weiterhin starken Verkaufszahlen der X3-Spiele können das Studio noch über Wasser halten. Im November 2013 muss X: Rebirth dann aber auf den Markt. Leider immer noch zu früh. Der Testlauf für die neue Engine sieht zwar schick aus, stellt aber einen Tiefpunkt der Seriengeschichte dar, als es nach sieben Jahren Entwicklung endlich erscheint.
Der unfertige Zustand mit Game-Breaking Bugs, dauernden Abstürzen, undurchdachten Gameplayfeatures und einer dieses Mal noch komplizierteren Bedienung lassen X: Rebirth direkt nach dem Start am Boden zerschellen. Mit einer 33 auf Metacritic hat das Spiel den mit Abstand schlechtesten Ruf der Reihe.
Phönix aus der Asche
Trotzdem bedeutete X: Rebirth nicht das Ende für Egosoft. Die Fanbasis ist in Aufruhr, bleibt aber trotzdem treu genug und das Team bleibt wiederum seiner Fanbasis treu. X: Rebirth wird die nächsten Jahre konstant weiterentwickelt und verbessert. Auch zwei Erweiterungen bekommt das Projekt. Heute ist Rebirth definitiv ein besseres Spiel, als der Metacritic-Schnitt andeutet. Unter Fans gilt es trotzdem eher als das schwarze Schaf der Reihe.
Egosoft möchte aber auch das an die Fans gegebene Versprechen einhalten. Rebirth sollte nur ein Zwischenschritt sein auf dem Weg zum vollwertigen neuen Hauptteil X4.
Der erscheint dann 2018 das erste Mal komplett in Eigenregie ohne Publisher und mit dem Untertitel Foundations und kann zum Release auch die alten Fans wieder mehr überzeugen. Endlich kehren altbekannte Features zurück. Nach nur wenigen Sektoren in Rebirth öffnet sich das Universum jetzt wieder stärker. Man kann endlich wieder jedes Schiff steuern und der Gameplayloop aus Erkunden, Handeln, Kämpfen und Aufbauen funktioniert auch wieder besser.
Quelle: pcgames
Zwar sitzt in X4 bei weitem nicht alles zu Release, man merkt aber, dass die Entwickler ihre neue Technik endlich besser unter Kontrolle haben und mit dem Spiel wirklich das namensgebende Fundament ausgelegt haben.
Ein Fundament, das in den folgenden Jahren zu einem neuen Höhepunkt in der X-Serie und auch in der Geschichte von Egosoft führen soll. Mit Bezahl-DLCs baut man seitdem das Universum weiter aus, mit neuen Storys, neuen Sektoren und neuen Schiffen. Viel wichtiger sind aber die kostenlosen Updates für das Hauptspiel, die auch ohne Bezahlschranke immer wieder umfangreiche Features hinzufügen. So kann man etwa mittlerweile zu einer eigenen Fraktion aufsteigen und Kriege mit anderen Völkern führen.
Zum Zeitpunkt dieses Videos hat man außerdem gerade erst das gesamte Flugmodell der Raumschiffe umgestellt und optimiert. Dafür hat man sich sogar Hilfe vom ehemaligen Chefentwickler für die Spielphysik von Star Citizen an Bord geholt.Und Mitte 2025 will man dann ein weiteres großes und kostenloses Update für das Basisspiel bringen, das umfangreiche Diplomatie-Features hinzufügt. X4 konnte also über die Jahre weiter wachsen und gedeihen und mehr und mehr Spieler in das X-Universum locken.
Der Traum lebt weiter
Egosoft steht dadurch heute besser da als je zuvor. Doch egal, wie weit X4 in Zukunft noch ausgebaut wird, schaut man hinter die zahlreichen Features, dann stecken auch hier weiterhin diese unverkennbaren Kernelemente.
Das dynamische Universum, das sich bei jedem Spieler unterschiedlich entwickelt und nie gleich ist. Das Erkunden und Kennenlernen zahlreicher unbekannter Sternensysteme mit seinen verschiedenen Bewohnern. Das Zu-Eigen-Machen der Regeln im Kampf und im Handel und dem Siegreich-Daraus-Hervorgehen. Sei es als erfahrener Raumschiffpilot oder als milliardenschwerer Industriemagnat. Dem Erleben der ganz eigenen Geschichte.
Es ist diese Mischung, die auch schon vor mittlerweile über 25 Jahren X: Beyond the Frontier zu etwas Besonderem gemacht hat und es einem kleinen Entwicklerstudio aus Würselen ermöglicht, den Traum von den Sternen bis heute jeden Tag zu leben. Transparenzhinweis: Dieser Beitrag entstand unabhängig.
