X: Beyond the Frontier: Der deutsche Traum vom Weltall

Special Carlo Siebenhüner
X: Beyond the Frontier: Der deutsche Traum vom Weltall
Quelle: pcgames

Wir schauen auf die Anfänge vom deutschen Spielestudio Egosoft zurück und wie sie sich mit ihrer X-Serie sogar heute noch gegen Star Citizen & Co behaupten.

Als Spieler stolpert man gemeinsam mit dem Protagonisten in dieses lebendige Universum. Die Story von X ist nämlich auch für heutige Verhältnisse überraschend spannend und unkonventionell. Nachdem die Menschheit das Universum mithilfe der Sprungtore besiedelt hat, haben ihre dafür erschaffenen KI-Terraformerschiffe ein eigenes Bewusstsein entwickelt und angefangen, ihre Erschaffer zu vernichten.

Nur mit einem letzten Trick konnte die komplette Vernichtung der Erde verhindert werden. Dafür wurde allerdings das Sprungtor zur Erde vernichtet und die Menschen waren wieder ans Sonnensystem gefesselt. Erst knapp 1000 Jahre später testen die Menschen von der Erde ein neues Raumschiff mit einem torlosen Sprungantrieb. Als Testpilot Kyle William Brennan soll man den jetzt mal ausprobieren. Aber wie das so ist, geht natürlich alles schief!

Ein Sprungtor Quelle: pcgames

Allein und verlassen

Im spektakulär in Szene gesetzten Prolog hat der Sprungantrieb einen Fehler und man strandet allein und verlassen im X-Universum und muss sich da erst mal zurechtfinden. Der Spieler entdeckt also mit dem Protagonisten gemeinsam dieses fremde Universum, in dem sich neben den Alienrassen auch die abgetrennten Menschenkolonien weiterentwickelt haben und die Erde zum Mythos geworden ist, um den sich eine ganze Religion gebildet hat. Die Rückkehr zum Blauen Planeten ist dann auch das große Ziel des gestrandeten Testpiloten.

Die Lore geht dabei überraschend tief und schafft nach Release des Spiels sogar den Sprung in andere Medien. Mit der folgenden Stand-alone-Erweiterung X-Tension wird eine Buchreihe gestartet, die es bisher auf fünf Romane bringt.

Die Bücher sind unterhaltsam geschriebene Sci-Fi-Romane. Man kann sie sich auch heute noch im Buchladen des Vertrauens bestellen oder bei Amazon als E-Reader-Version kaufen. Wer also mal in das X-Universum schnuppern möchte, ohne gleich in die Spiele einzusteigen, dem können wir den ersten Band Farnhams Legende nur ans Herz legen. Der erzählt nämlich die Geschichte des ersten Spiels - mit einigen größeren Abwandlungen. Das Spiel ist dann doch etwas rudimentärer ausgestattet in seiner Geschichte.

Hier strandet man nämlich nach dem Prolog im Hoheitsgebiet der Teladi. Dort schnürt uns eine der Echsen netterweise ein Startpaket mit einer Handvoll Geld und einem lächerlich schwachen Schild. In bester Animal-Crossing-Manier muss man der Echse die Leistung dann aber auch doppelt und dreifach zurückzahlen. Tom Nook wäre stolz!

Tuckern durchs Weltall

Richtig gemein ist auch, dass es nicht mal einen Laser gibt. Man ist also völlig hilflos gegen Feinde. Und wo es mit der Story weitergeht, das wollen die Echsen einem auch erst verraten, wenn man die Schulden beglichen hat. Tja, so steht man... oder schwebt man dann da.

Aber heulen hilft ja auch nichts, also macht man sich auf und erkundet die ersten Sektoren. Und zwar gaaaanz in Ruhe, denn startet man in X, dann sollte man auf jeden Fall Zeit mitbringen. Das Spiel hat nämlich ein sehr gemächliches Tempo. Das eigene Schiff ist am Anfang schnarchlangsam. Ein Sektordurchflug vom Süd bis zum Nordtor dauert da mehrere Minuten.

Andocken an eine Station Quelle: pcgames Selbst wenn man sich den "Singularitäts-Zeitverzerrungssantrieb" - kurz SINZA - gekauft hat, der einfach das Spiel um den Faktor 10 beschleunigt, aber auch nur, wenn man nicht lenkt, dann dauert das trotzdem noch eine ganze Weile, von A nach B zu kommen. Allerdings sollte man sich gerade am Anfang auch nicht zu vorschnell ins Unbekannte stürzen. Mit schwachen Schilden und ein paar popeligen Lasern ist man nämlich schnell nur noch glühende Schlacke, wenn man an die falschen Gegner gerät.

Noch dazu hat X dann auch noch ein ziemlich fieses Speichersystem. Speichern kann man nur mit einer Bergungsversicherung. Und die muss man für InGame-Währung kaufen! Das sind zwar nur ein paar Kröten, allerdings muss man das A, erst mal wissen und B, dafür zwingend an einer Station andocken.

Andocken will gelernt sein

Wer also unbedarft ins Spiel startet, einfach mal drauflos fliegt und eventuell schon beim Andocken an einer Station scheitert, darf direkt noch mal im Prolog neu anfangen. Andocken will nämlich gelernt sein. Einerseits darf man nur mit einer bestimmten Maximalgeschwindigkeit in die Schleuse fliegen und in bester Elite-Manier drehen sich dann manche von den Dingern auch noch. Dafür brennt sich dann die Andockmusik in die Großhirnrinde ein, da man das ja ständig macht.

Empfohlener redaktioneller Inhalt [EMBED_URL] An dieser Stelle findest du externe Inhalte von [PLATTFORM]. Zum Schutz deiner persönlichen Daten werden externe Einbindungen erst angezeigt, wenn du dies durch Klick auf "Alle externen Inhalte laden" bestätigst: Ich bin damit einverstanden, dass mir externe Inhalte angezeigt werden. Damit werden personenbezogene Daten an Drittplattformen übermittelt. Mehr dazu in unserer Datenschutzerklärung.
Externe Inhalte Mehr dazu in unserer Datenschutzerklärung.

Hat man den Andockvorgang absolviert, bekommt man dann aber eine kleine Sequenz, wie das Schiff zur Landebucht fliegt. Sehr cool ist, dass jeder Stationstyp ein individuelles Innenleben hat. Die Waffenproduktion ist stark gesichert und auf einer Weltraumfarm sieht man die wachsenden Pflanzen auf dem Feld.

Speichern und Andocken sind aber nur zwei Beispiele für die Eigenwilligkeit von X: Beyond the Frontier. Vor allem in der Benutzerführung merkt man dem Studio die Unerfahrenheit an. So versteckt das erste X gerne mal rudimentäre Elemente hinter seinen kruden Menüs. Wer zum Beispiel wissen will, an welchem Punkt der Story man angekommen ist, muss ins Pilotenlogbuch schauen.

Grundsätzlich jetzt nicht schlimm. Allerdings wird da auch jeder Sektorwechsel vermerkt. Bei insgesamt 54 Sektoren, die man mal mehr, mal weniger regelmäßig besucht, muss man da also seitenweise Einträge durchforsten. Gleichzeitig muss man auch aufpassen, den kleinen Story-Eintrag nicht aus Versehen zu überfliegen.

Das Logbuch Quelle: pcgames Die Verwaltung der eigenen Raumstationen im Lategame ist ebenfalls unnötig umständlich. Für die muss man nämlich an der Station angedockt sein. Wenn man aber gerade am anderen Ende des Universums hängt, will man definitiv keine Dreiviertelstunde durch 20 Sektoren ballern, nur um sich das eingenommene Geld überweisen zu können.

Oh, und apropos Sektoren: Zwar gibt es eine Sektorkarte, die Schiffe und Stationen anzeigt. Allerdings werden die Symbole nur im Handbuch erklärt. Eine Galaxie-Karte gibt's aber gleich gar nicht! Wer damals im ersten X also eine Übersicht über alle Sektoren im Spiel haben wollte, musste sich Stift und Papier bereitlegen und die besuchten Gebiete selbst kartografieren. Nützliche Karten im Netz waren damals noch keine Selbstverständlichkeit.

  • Print / Abo
    Apps
    PC Games 06/2026 PCGH Magazin 06/2026 play5 06/2026 N-Zone 06/2026 Linux Magazin 06/2026 LinuxUser 06/2026 Raspberry Pi Geek 07/2026
    PC Games PC Games Hardware Linux Magazin Raspberry Pi Geek Computec Kiosk