X: Beyond the Frontier: Der deutsche Traum vom Weltall

Special Carlo Siebenhüner
X: Beyond the Frontier: Der deutsche Traum vom Weltall
Quelle: pcgames

Wir schauen auf die Anfänge vom deutschen Spielestudio Egosoft zurück und wie sie sich mit ihrer X-Serie sogar heute noch gegen Star Citizen & Co behaupten.

Wer sich also in das erste X stürzen will, wird sehr schnell in sehr kaltem Wasser landen. Hat man sich aber durch die anfängliche Verwirrung durchgebissen, entfaltet X dann doch eine überraschende Anziehungskraft. Vor allem für Leute, die ein Faible für Spiele haben, in denen man sich langsam vom Niemand zum großen Oberboss hocharbeitet. Wie gesagt, startet ihr in X: Beyond the Frontier sogar mit Schulden ins Spiel.

From Zero to Hero

Die ersten Stunden ist man also fast nur damit beschäftigt, von einer Station zur nächsten zu fliegen und den anfangs noch sehr begrenzten Lagerraum des eigenen Schiffs mit Energiezellen vollzustopfen. Das ist eine der Grundressourcen, die man dann so gewinnbringend wie möglich wieder verhökert. Nebenbei steigt der Puls, wenn das Gravidar rot markierte Feinde anzeigt, um die man erst mal einen großen Bogen machen sollte.

Im Inneren einer Agrarstation Quelle: pcgames Alles nur, um sich mit den zusammengekratzten Credits ein paar erste Upgrades für das Schiff zu besorgen. Das ist genau genommen einfach nur stupider Grind. Egosoft hat es aber geschafft, einen Sweetspot zu finden, bei dem die Karotte vor der Nase in Form von Upgrades für das Schiff noch nah genug, aber auch nicht zu nah hängt. So fühlt sich jeder Ausbau des Schiffes wie ein kleiner Meilenstein an, der einem auch immer mehr vom Universum eröffnet.

Ein größerer Laderaum erhöht den Ertrag des Handels. Irgendwann leistet man sich stärkere Schilde und ein paar erste Laser und Raketen. Das sorgt gleich für mehrere Dinge. Erstmal fühlt man sich sofort sehr viel selbstbewusster, weil man nicht mehr gegen jede Raumfliege verliert. Also traut man sich auch mal raus aus den bekannten Sektoren und legt sich vielleicht auch mit den ersten Gegnern an.

Um den Kampf kommt man in X auch nicht herum. Einerseits stecken da zwei Karrieremöglichkeiten drin. Entweder als Krimineller, der andere Schiffe abschießt und deren Ladung einsackt, oder aber auch als Polizist. Mit der Polizeilizenz bekommt man nämlich von den Fraktionen einen kleinen Betrag gutgeschrieben, wenn man einen Feind auf dem jeweiligen Hoheitsgebiet umgenietet hat.

Andererseits erhöht man mit der Beseitigung von Gegnern auch den eigenen Ruf, denn X hat obendrauf noch ein Rangsystem mit den jeweiligen Völkern. Die eigene Stellung kann man zwar auch mit regelmäßigem Handel aufpeppen, allerdings gibt es auch Völker, die einen mit dem Startrang gar nicht erst an Stationen andocken lassen. Da muss man also erst mal den Hobby-Polizisten spielen.

Gestrandet im All Quelle: pcgames So arbeitet man sich immer weiter hoch, wird immer stärker, bis man es irgendwann sogar mit den großen Flaggschiffen und Raumkreuzern aufnehmen kann, wenn man über kurz oder lang auch in die komplett feindlichen Sektoren eindringt. Obendrauf entschärft man auch den stupiden Handels-Grind, indem man sich eigene Raumstationen baut und Transporterschiffe kauft, die größtenteils autark arbeiten. So kann man sich gegen Ende hin mehr auf die Story fokussieren.

Der erste Hit für Egosoft

Mit dieser Progression, dem umfangreichen Universum, der damals schicken Grafik und der allgemeinen spielerischen Freiheit konnte X: Beyond the Frontier damals eine Menge Leute faszinieren. Zwar gab es Ende der 90er bei weitem nicht zu wenig Weltraumspiele, aber X traf noch mal einen ganz besonderen Nerv. Übrigens, nicht nur in Deutschland. X war von Anfang auch europaweit bekannt. Vor allem Großbritannien ist bis heute ein wichtiger Markt.

Das haben die - und das wollen wir noch mal betonen - sechs Entwickler bei Egosoft, die X: Beyond the Frontier aus der Taufe gehoben haben, dann auch unmittelbar nach Release Ende 1999 gemerkt.

"Bei X: Beyond the Frontier haben wir schon im ersten Monat gesehen, dass nachproduziert wurde. Das hatten wir vorher noch nie erlebt!" erinnert sich Lehahn. Mit einem Hit kommt dann auch endlich der lang erhoffte finanzielle Erfolg. Bei dem zahlt sich Egosofts Strategie der letzten Jahre dann auch aus.

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Als Egosoft angefangen hat, gab es die klassische Publisher-Entwickler-Vorfinanzierung schlicht nicht in dem Maße, wie man sie heute kennt. Durch die Querfinanzierung durch die Werbespiele war das Studio in der Lage, die meisten Spiele fast komplett aus eigener Tasche zu entwickeln. Nur für den Vertrieb hatte man dann einen Publisher an der Hand. Dafür hatte man im Nachhinein bessere Konditionen in den Royalties - also der Auszahlung pro verkauftem Spiel.

Wo das bei Egosofts früheren Spielen nur für einen kleinen Überschuss gereicht hat, knallt's bei X: Beyond the Frontier dann richtig. Zusammen mit den Folgetiteln kann man sich ein gutes Polster ansparen. Unter anderem gönnt man sich ein neues Büro, für das man kurzerhand ein Mehrfamilienhaus in Würselen kauft und herrichtet und in dem das Studio bis heute sitzt und sogar wohnt. Bernd Lehahn bezieht nämlich auch heute noch mit seiner Familie die Räumlichkeiten über den Büros.

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