Star Trek: The Motion Picture im Rückblick - Seite 6
Special
Autor Sebastian Göttling erkundet die turbulente Entstehungsgeschichte des ersten Star-Trek-Kinofilms, der nach 43 Jahren (vielleicht) fertiggestellt wurde.
Am beeindruckendsten ist wohl, wie der Film die rumpelige Ästhetik einer Sechziger-Jahre-Fernsehserie nimmt und aus ihr Realität werden lässt. Bei dem minutenlangen Flug einer Transportkapsel um die Enterprise haben 1979 selbst die größten Kritiker gestaunt: Diese Enterprise gibt es ja wirklich und sie ist wunderschön! Authentisch wirkt auch, wenn wir die komplette Crew der Enterprise inklusive vieler spannender Aliens auf dem Freizeitdeck versammelt sehen - ganze Fanclubs wurden für diese Rec-Room-Szene hergekarrt und als OffizierInnen in ihrer Lieblingsserie verewigt. Die Erde der Zukunft und das Hauptquartier der Sternenflotte sind erstmals zu sehen, Worldbuilding pur.
Auch Details im Produktionsdesign setzen Standards, denn der Warpkern von Föderationsraumschiffen ist seitdem eine senkrechte, mehrere Decks durchbrechende Lavalampe. Die futuristischen Korridore der Enterprise werden acht Jahre später direkt bei "Star Trek: The Next Generation" für die brandneue Enterprise-D recycelt - und apropos TNG: Die Charaktere Ilia und Decker sind klare Vorbilder für Deanna Troi und William Riker. Beide Pärchen haben die exakt gleiche Lovestory-Vorgeschichte. Deanna und Will wiederholen in ihrem eigenen Pilotfilm sogar ganze Dialogpassagen aus dem ersten Kinofilm. Ganz klar: Einflussreicher und stilbildender als "Star Trek: The Motion Picture" ist kein anderer Star-Trek-Kinofilm.
In diesem Artikel
- Seite 1 Star Trek: The Motion Picture im Rückblick - Seite 1
- Seite 2 Star Trek: The Motion Picture im Rückblick - Seite 2
- Seite 3 Star Trek: The Motion Picture im Rückblick - Seite 3
- Seite 4 Star Trek: The Motion Picture im Rückblick - Seite 4
- Seite 5 Star Trek: The Motion Picture im Rückblick - Seite 5
- Seite 6 Star Trek: The Motion Picture im Rückblick - Seite 6
- Seite 7 Star Trek: The Motion Picture im Rückblick - Seite 7
- Seite 8 Bildergalerie
Eine kurze Geschichte der Filmversionen
Nun ist es aber endlich an der Zeit, das Geheimnis um die "Special Collector's Edition with Additional Footage" zu lüften. Sie ist auch bekannt als die "Special Longer Version" oder der "ABC Cut". Denn der US-Fernsehsender ABC zeigte am 20. Februar 1983 als "Sunday Night Movie" die TV-Premiere von "Star Trek: The Motion Picture", und als kleine Sensation wurde der Film um ganze 13 Minuten mit Szenen ergänzt, die es nicht in die Kinofassung geschafft hatten.
Viele kleine und auch große Charaktermomente waren endlich zu sehen, unter anderem auch Mr. Spocks Gefühlsausbruch, dessen Fehlen in der Kinofassung Leonard Nimoy auf die Palme gebracht hatte. Ob er nach diesem Sonntagabend ein wenig glücklicher war, ist nicht überliefert. Regisseur Robert Wise war es jedenfalls nicht, denn diese Schnittversion wurde seitens ABC und ohne seine kreative Beteiligung erstellt.
Quelle: Copyright © 2022 Paramount Pictures. STAR TREK and related marks and logos are trademarks of CBS Studios Inc. All Rights Reserved
Regisseur Robert Wise heißt Admiral Kirk im Sternenflotten-Hauptquartier willkommen. (2/2)
Damals war es bei ABC üblich, wahllos und ohne Rücksicht auf den vom Regisseur intendierten Flow einfach alle verfügbaren Deleted Scenes in die Filme zu schneiden. Bereits im Vorjahr wurde auf diese Weise der erste Superman-Kinofilm von 143 auf 182 Minuten aufgepumpt, ebenfalls sehr zum Missfallen des Regisseurs Richard Donner. Im Falle von "Star Trek: The Motion Picture" wurde ein Film, der sich für viele eh schon überlang anfühlte, nur noch länger - allerdings gab es bereits 1983 Stimmen, die meinten, aufgrund der Charakterszenen fühle sich diese Version paradoxerweise kürzer an.
Streng genommen gibt es aber trotz längerer Laufzeitüber 40 % weniger zu sehen, denn das 2.35:1-Kinoformat wurde für 4:3-Fernsehschirme beschnitten. Für Cineasten ein großer Frevel, fährt man doch mit der Dampfwalze über die gesamte Bildkomposition. Doch im Falle einer Szene, in der Kirk im Raumanzug die Enterprise verlässt, um seinem Freund Spock hinterherzuschweben, ist das kleine Format in gewisser Weise gnädig. Denn in dieser Szene ist klar erkennbar, dass die Schleuse der Enterprise in ein Holzgerüst im Filmstudio eingefasst ist - und je weniger dieser Filmfehler auffällt, desto besser.
Der 1983er-Cut hat manches Fan-Herz höher schlagen lassen, doch irgendwann muss endlich auch der schon hochbetagte Robert Wise glücklich gemacht werden. Deswegen wurde zum verspäteten 20. Jubiläum des Kinofilms unter seinen wachsamen Augen endlich der Film gebastelt, den er schon 1979 hatte machen wollen.
Einige der Charaktermomente aus der ABC-Version wurden in den Film übernommen, wohingegen manche der endlosen Flüge durch die Energiewolke gestrafft wurden. Die Länge dieses sogenannten Director's Cuts, der Wise zu Freudentränen rührte, liegt zwischen Kino- und ABC-Version. Einige Szenen wurden um neu produziertes CGI angereichert, am auffälligsten in der Sequenz auf Spocks Heimatplaneten Vulcan, dessen Erscheinungsbild den anderen Filmen und Serien angeglichen wurde.
Wer nun aber glaubt, mit dem Director's Cut wäre der Film endlich fertig, der ist auf dem Holzweg. Paramount ließ den Film im Jahr 2001 in SD-Auflösung produzieren, obwohl damals schon HD im Kommen war und Wises Mitarbeiter Mike Matessino, David C. Fein und Daren R. Dochterman dafür plädierten, den Film zukunftssicher zu machen. Doch Paramount fuhr bei diesem Projekt einen gnadenlosen Sparkurs, und schon wenige Jahre später, als die Technik den Film überholt hatte, war der Director's Cut ein niedrig aufgelöstes Relikt von gestern.
Der fertige Film
2022. Endlich sind wir in unserer Gegenwart angekommen. Weitere 21 Jahre mussten ins Land gehen - fast genau so viel Zeit wie zwischen der Kino-Weltpremiere und dem Erscheinen des Director's Cut - bis Paramount endlich wieder die alte Band (leider ohne den mittlerweile verstorbenen Robert Wise) zusammenbrachte, um diese vom Regisseur favorisierte Schnittfassung in die übernächste 4K-Generation zu bringen.
- Seite 1 Star Trek: The Motion Picture im Rückblick - Seite 1
- Seite 2 Star Trek: The Motion Picture im Rückblick - Seite 2
- Seite 3 Star Trek: The Motion Picture im Rückblick - Seite 3
- Seite 4 Star Trek: The Motion Picture im Rückblick - Seite 4
- Seite 5 Star Trek: The Motion Picture im Rückblick - Seite 5
- Seite 6 Star Trek: The Motion Picture im Rückblick - Seite 6
- Seite 7 Star Trek: The Motion Picture im Rückblick - Seite 7
