Star Trek: The Motion Picture im Rückblick - Seite 3

Special Sebastian Göttling Lukas Schmid
Star Trek: The Motion Picture im Rückblick - Seite 3
Quelle: Copyright © 2022 Paramount Pictures. STAR TREK and related marks and logos are trademarks of CBS Studios Inc. All Rights Reserved

Autor Sebastian Göttling erkundet die turbulente Entstehungsgeschichte des ersten Star-Trek-Kinofilms, der nach 43 Jahren (vielleicht) fertiggestellt wurde.

Das Ende des Films wiederum, in dem sich Mensch, Deltanerin und Maschine in einer Art kosmischem Orgasmus vereinen und zur übernächsten Evolutionsstufe aufsteigen, erinnert bewusst an "2001: Odyssee im Weltraum", ist aber bei näherer Betrachtung einfach eine wilde Gemengelage diverser New-Age-Esoteriken, die mehr Disko-bunt sind als tiefgehend. Der Film wirft auch interessante technologiefeindliche Aspekte auf, die dem mörderischen HAL 9000 nicht unähnlich sind. Ein tödlicher Transporterunfall zu Beginn der Films - Schreie und deformierte Körper, die viele junge Zuschauende zu Albträumen inspirieren - gefolgt von einem noch tödlicheren Wurmloch, das der massiv übermotorisierte Antrieb der neuen Enterprise erzeugt, bis hin zu der Planeten verschlingenden Sonde/Wolke, die ihrerseits menschlichen Ursprungs ist und zurückkehrt, um die Erde in Schutt und Asche zu legen.

Die Botschaft mit erhobenem Zeigefinger scheint zu sein: Auf weiterentwickelter Technologie liegt kein Segen, denn sie verselbständigt sich und droht, ihre Schöpfer zu vernichten - der wahre Segen liegt einzig und allein in Liebe, Harmonie und sexueller Vereinigung. Ein verrückter Vogel irgendwie, dieser Gene Roddenberry, und der Produktionsfirma Paramount mit seiner ideologischen Sturköpfigkeit stets ein Dorn im Auge. Vielleicht haben die Studiochefs sogar machtpolitisches Interesse daran, den ersten Star-Trek-Film und damit die ungeliebte Person Roddenberry in einem schlechten Licht dastehen zu lassen ...

Ein Blockbuster am Rande des Nervenzusammenbruchs

Um die gesamte problematische Produktionshistorie des Films zu entfalten, muss man die Zeit noch weiter zurückdrehen. Etwa fünf Jahre zuvor, Mitte der Siebziger, ist "Star Trek" als Fernsehserie tot und gleichzeitig quicklebendig. Die aufwendige Science-Fiction-Produktion, die bei ihrer Erstausstrahlung zwar gute, aber auch nicht hervorragende Einschaltquoten brachte, war einfach zu teuer gewesen und hatte im Laufe ihrer dreijährigen Entstehungsgeschichte das Studio Desilu an den Rand des finanziellen Ruins gebracht.

Desilu wurde 1967 von Paramount geschluckt, die Serie 1969 eingestellt. Doch wenige Jahre nach diesem Sargnagel hat "Star Trek" zu neuem Leben gefunden. Vom ursprünglichen Großsender NBC waren die Ausstrahlungsrechte an zahllose, kleine Lokalsender übergegangen, auf denen die Serie an Wochentagen nachmittags in Endlosschleife läuft.
Lieutenant Ilia und Commander Decker, die Vorbilder für Riker und Troi aus der „Next Generation“. Passenderweise in einem Korridor, den die Nachfolgeserie erben wird. Quelle: Copyright © 2022 Paramount Pictures. STAR TREK and related marks and logos are trademarks of CBS Studios Inc. All Rights Reserved Lieutenant Ilia und Commander Decker, die Vorbilder für Riker und Troi aus der „Next Generation“. Passenderweise in einem Korridor, den die Nachfolgeserie erben wird. Was 1994 mit täglich neuen Folgen "Star Trek: The Next Generation" auf SAT.1 zum deutschen Star-Trek-Superboom führen wird, funktioniert also schon zwanzig Jahre zuvor im Herkunftsland exakt genauso. Klar: Schülerinnen und Schüler kommen nach Hause, Hausaufgaben Machen ist alles andere als verlockend, also wird die Glotze eingeschaltet, und wenn dort jeden Tag zur selben Zeit eine coole Science-Fiction-Serie geboten wird, entwickelt sich ein stetig wachsendes Jugendphänomen.

Die überschaubare Anzahl von 79 Episoden in Dauerschleife führt indes dazu, dass das Publikum Hunger auf mehr bekommt. Und weil die Fans mittlerweile in einigen Vereinigungen bestens organisiert sind, stets mit Gene Roddenberry als Galionsfigur, werden sie gehört. Diese Rufe, aber auch die hervorragenden Quoten am Nachmittag, entgehen auch nicht Gulf + Western, der Konzernmutter von Paramount, die daraus eine Art Lieblingsprojekt macht.

Als es im Herbst 1974 das offizielle "Go" gibt, bekommt der potenzielle Film mit drei Millionen US-Dollar ein brauchbares, jedoch nicht allzu hohes Budget zugesprochen. Die Irrungen, Wirrungen und diversen Fehlstarts der Folgejahre erspare ich der/dem geneigten LeserIn; diese turbulente Geschichte füllt ganze Bücher. Kurz gesagt: Grünes Licht und gezogener Stecker wechseln sich in schöner Regelmäßigkeit ab, wobei das Kinoprojekt zu einem TV-Film, wieder zurück zu einem Kinofilm und schließlich zu einer Fernsehserie mutiert.

Denn Paramount will ab 1978 einen eigenen, US-weiten Fernsehsender aufbauen und eine neue Star-Trek-Serie mit Kirk & Co. soll deren stärkstes Zugpferd werden. (Spoiler: Dieser Sender wird erst 1995 an den Start gehen, sich UPN nennen und nach gerade einmal elf Jahren seinen Sendebetrieb wieder einstellen.) "Star Trek: Phase II", so der Titel der neuen Serie, ist schon recht weit gekommen - es gibt Drehbücher, Kulissen und teils wiederkehrende, teils altbekannte SchauspielerInnen.

Die Produktion ist bereits angelaufen, als im Mai 1977 George Lucas' "Krieg der Sterne" ein unfassbarer Überraschungserfolg wird und die Popkultur revolutioniert. Wo vor Kurzem noch ein Paramount-Verantwortlicher paradoxerweise hat verlauten lassen "there's no future in science-fiction", ist mit der Geburtsstunde des Blockbuster-Kinos auch das tot geglaubte SciFi-Genre mit Macht zurück und alle Hollywood-Studios reaktivierten hektisch ihre jahrzehntelang vernachlässigten IPs; allen voran Star Trek.

Die Phase-II-Serie wird instantan eingestellt, dafür soll stattdessen ein erstklassiger Kinofilm entstehen, der es mit "Star Wars" aufnehmen, aber gleichzeitig das Niveau von "2001" bieten soll. Das Budget erhöht sich schlagartig von drei auf üppige 15 Millionen US-Dollar und Regie-Legende Robert Wise wird engagiert.

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