Star Trek: The Motion Picture im Rückblick - Seite 4
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Autor Sebastian Göttling erkundet die turbulente Entstehungsgeschichte des ersten Star-Trek-Kinofilms, der nach 43 Jahren (vielleicht) fertiggestellt wurde.
Mit all diesem Prestige kann sogar Leonard Nimoy als Mr. Spock wieder gelockt werden, der in der neuen Serie nicht mitspielen wollte. Die Originalcrew um Jim Kirk ist wieder komplett und dem Flug in eine strahlende Zukunft steht nichts im Wege, oder? Na ja, weit gefehlt. Problem 1! Schon zu Zeiten der Originalserie war es eine nervtötende Angewohnheit Gene Roddenberrys, die Texte seiner Autorinnen und Autoren immer und immer wieder nach seinem Gusto umzuschreiben und so vor den Kopf zu stoßen. Auch Harold Livingston, auf dessen Drehbuch "In Thy Image" der Kinofilm basieren soll, wird diese Behandlung zuteil. Die beiden Streithähne ringen den ganzen Sommer und Herbst 1977 über um die kreative Vorherrschaft, bis Livingston schließlich kündigt und Roddenberry alleine weiterschreibt.
Doch der dritte Akt der Geschichte will und will einfach nicht zusammenkommen. Roddenberry nimmt zahllose Anläufe, was die Produktion drastisch verzögert und immense Zusatzkosten verursacht. Man muss sich nur einmal vor Augen führen, dass die Kameras zwar ab Anfang August 1978 laufen, doch währenddessen die Drehbuchänderungen sozusagen "am lebenden Patienten" vorgenommen werden und die finale Fassung erst dreieinhalb Monate später verteilt wird. Die größten Probleme überhaupt macht jedoch ein weiterer Star des Films: die spektakulären Spezialeffekte. Wie gesagt, ein neues "2001" soll der Film werden, also wendet sich Paramount an Stanley Kubricks Effektzauberer Douglas Trumbull, der vor einem Jahrzehnt die bislang realistischste Darstellung von Raumfahrt und Weltall ins Kino brachte.
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Doch Trumbull ist zu dem Zeitpunkt bis oben hin beschäftigt mit seiner Arbeit an Steven Spielbergs "Unheimliche Begegnung der dritten Art" und winkt daher ab. Bei der Suche nach adäquatem Ersatz fällt die Wahl schnell auf Robert Abel & Associates, die zu dem Zeitpunkt bereits sensationelle Werbespots für Levi's produzierten, inklusive einer trippy Mischung aus Animation und frühem CGI.
Keine gute Entscheidung, denn Abel ist der Star-Trek-Aufgabe nicht gewachsen, behält das aber für sich. Stattdessen versteckt sich das Effekthaus monatelang hinter Ausreden und leeren Versprechen. Das Resultat sämtlicher Arbeit von Anfang 1978 bis 1979 ist ein einziger fertiger Effekt. So langsam macht sich Robert Wise große Sorgen und verlangt ein für alle Mal Klarheit.
Es folgen der Offenbarungseid, ein Wutausbruch des sonst eher stoischen Wise, der sich belogen fühlt, und der Nervenzusammenbruch Robert Abels. Nachdem sich der Rauch dieses Desasters lichtet, ist es Anfang März 1979. Bis zum geplanten Kinostart sind es jetzt nur noch neun Monate, eine schier unmögliche Aufgabe. Die große Drehbuch- und die noch größere Effektkatastrophe legen den logischen Schluss nahe, dass der Film seinen ursprünglichen Termin nicht einhalten würde können.
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Das Problem: Paramount hat den Film zum festen Termin an alle großen Kinos der USA vorverkauft. Wird "Star Trek: The Motion Picture" nicht pünktlich Anfang Dezember 1979 geliefert, stehen gigantische Regresszahlungen ins Haus, die das Filmstudio ein für alle Mal ruinieren würden. Robert Wise und seine Crew haben keine Wahl, der Film muss pünktlich fertig sein.
Mit prall gefülltem Geldkoffer klopft man deswegen nun erneut beim ursprünglichen Wunschkandidaten Trumbull an. Weitere zehn Millionen Dollar werden dafür geboten, dass Trumbull in kürzester Zeit das Menschenunmögliche möglich macht. Der ist mittlerweile längst fertig mit der "Unheimlichen Begegnung" und sagt nervös zu, wohl wissend, was da auf ihn zukommt.
Seine Aufgabe in den nächsten Monaten ist herkulisch; Trumbull und sein Team arbeiten sieben Tage die Woche mindestens sechzehn Stunden am Tag. Gerüchten zufolge wird so viel Arbeit an SubunternehmerInnen ausgelagert, dass es im Herbst 1979 praktisch keinen Haushalt in Hollywood gibt, wo nicht irgendjemand in Heimarbeit an den Effekten für "Star Trek: The Motion Picture" werkelt. Irgendwie gelingt es - und das Endergebnis sprengt alle Erwartungen.
Allerdings besucht Douglas Trumbull deswegen nicht die Filmpremiere, denn er bricht zusammen und liegt zwei Wochen lang im Krankenhaus. Und genau deswegen steigt Robert Wise am 6. Dezember 1979 unzufrieden mit einer unfertigen Fassung des Films in den Flieger nach Washington. Die Deadline ist felsenfest und Wise muss einfach das mitnehmen, was bis zu dem Zeitpunkt fertig wurde. Die Kinofassung, die über Jahrzehnte hinweg, auch im Jahr 2022, im Fernsehen laufen wird, ist dieser halbgare Workprint.
Ein Wunder, dass der Film so gut funktioniert, wie er es tut, und keine absolute Vollkatastrophe ist. Der damalige Paramount-Chef Barry Diller sieht das allerdings anders. Als er das unfertige Produkt am 1. Dezember 1979 in Augenschein nimmt, ist er entsetzt und bekommt Angstattacken. Noch Jahre später wird Diller beteuern, sein magenumdrehendster Moment bei Paramount war der, als er am Starttag des Films die langen Schlangen vor den Kinos sah und bei sich dachte, dass sie all diesen Menschen etwas Schreckliches antun würden mit diesem Film.
Doch der Hauptzweck eines Hollywoodstudios ist monetärer Erfolg, und nach jedem Film gilt es, einen Kassensturz zu machen. Unterm Strich werden die Kosten des Films durch Trumbulls Last-Minute-Anstrengungen aufgebläht auf etwa 25 Millionen US-Dollar. Glücklicherweise wird der Film an den Kinokassen mit 139 Millionen Dollar Einnahmen ein ziemlicher Erfolg, doch wie bereits angedeutet, will das Studio den nervigen Gene Roddenberry loswerden.
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