Star Trek: The Motion Picture im Rückblick - Seite 5

Special Sebastian Göttling Lukas Schmid
Star Trek: The Motion Picture im Rückblick - Seite 5
Quelle: Copyright © 2022 Paramount Pictures. STAR TREK and related marks and logos are trademarks of CBS Studios Inc. All Rights Reserved

Autor Sebastian Göttling erkundet die turbulente Entstehungsgeschichte des ersten Star-Trek-Kinofilms, der nach 43 Jahren (vielleicht) fertiggestellt wurde.

Seine tatsächliche Schuld ist durch die monatelangen Drehbuchverrenkungen beträchtlich, aber nicht verheerend genug, um sich seiner zu entledigen. Also macht man etwas, das in Hollywood ganz und gar unüblich ist: All die Kosten der Fehlstarts und der gescheiterten Phase-II-Serie werden nicht als "sonstige Entwicklungskosten" verbucht, sondern komplett in die Bilanz von "Star Trek: The Motion Picture" geschrieben. Damit stehen unterm Strich plötzlich satte 44 Millionen US-Dollar Kosten, 19 davon, so könnte man argumentieren, zu Unrecht. "Das ist ja noch teurer als 'Cleopatra' von 1963", lamentieren die Studiobosse, "und wegen des Films ist 20th Century Fox beinahe bankrottgegangen!"

Und tatsächlich: Noch im Jahr 1979, 15 Jahre später, sind die Fox Studios dank "Cleopatra" nur ein Schatten ihrer einstigen selbst. Das ultimative Schreckgespenst eines "Studioversenkers" wird sich 1980 an anderer Stelle bewahrheiten. Michael Ciminos "Heaven's Gate" wird der Todesstoß für United Artists. So schlimm ist es 1979 nicht mit "Star Trek: The Motion Picture". Doch nun ist die zugewiesene Schuld schwer genug, um Roddenberry zu "befördern". Bei allen zukünftigen Star-Trek-Kinoproduktionen, so es denn noch welche geben wird, soll er nur noch "ausführender Berater" ohne wirkliche kreative Kontrolle sein.

Entlastende Beweise

Da haben wir nun also jede Menge belastende Beweismittel: Der Regisseur mag seinen eigenen Film nicht, hält ihn für unfertig. Die Hauptdarsteller sind fatalistisch - neben Leonard Nimoy äußert sich auch William Shatner negativ. Die Studiobosse schlagen die Hände über dem Kopf zusammen. Der große Vogel der Galaxis (Gene Roddenberry) ist vom Thron gestoßen. Viele Fans vermissen das Gefühl der alten Serie. Dem gegenüber steht meine beinahe bedingungslose Zuneigung, basierend auf dem schwammig-subjektiven Gefühl einer unvergleichlichen Atmosphäre.
Regisseur Robert Wise heißt Admiral Kirk im Sternenflotten-Hauptquartier willkommen. (1/2) Quelle: Copyright © 2022 Paramount Pictures. STAR TREK and related marks and logos are trademarks of CBS Studios Inc. All Rights Reserved Regisseur Robert Wise heißt Admiral Kirk im Sternenflotten-Hauptquartier willkommen. (1/2) Da ist es dringend an der Zeit, dass ich Aspekte an "Star Trek: The Motion Picture" in die Beweisaufnahme bringe, die man ganz objektiv toll finden kann! Los geht es mit dem Schauspiel, denn das ist durch die Bank solide bis überdurchschnittlich; gerade das Dreiergestirn William Shatner, Leonard Nimoy und DeForest Kelley ist in seine Rollen hineingereift.
Ebenso die Charaktere, die realistisch weiterentwickelt wurden; die egoistisch, fehlgeleitet und verletzlich erscheinen dürfen. Konsequente Weiterentwicklung statt "more of the same" - vielleicht nicht das, was viele sehen wollen, aber so funktioniert gute Kunst. Richtig punkten können die Spezialeffekte.

Ja, ihre Entstehung war eine Vollkatastrophe, aber das, was Trumbull & Co. im Schweiße ihrer Füße gezaubert haben, ist einfach nur beeindruckend. 500 Effekteinstellungen sind zu sehen, alle spektakulär - da war 1979 noch nie ein Film zuvor auch nur nahe drangewesen. Untermalt wird das Geschehen von einem unbestrittenen akustischen Meisterwerk. Komponist Jerry Goldsmith hat die wohl stärkste Arbeit seiner Karriere abgeliefert. Die Ouvertüre - das Leitmotiv der Deltanerin Ilia, auch als "Love Theme from Star Trek" bekannt - bietet üppige Romantik.

Die Klingonen bekommen einen charakteristischen Sound, an dem sich alle nachfolgenden Star-Trek-Produktionen orientieren. Selbst die Sonde V' Ger hat eine eigene Stimme, den Blaster Beam, ein sechs Meter langes Saiteninstrument, komplett aus Metall, das wie das gewaltige Urvieh unter den E-Gitarren klingt. Für die Enterprise schrieb Goldsmith ein Thema, dessen große Melodik und Beliebtheit dazu führen sollten, dass es bei der Spin-off-Serie "Star Trek: The Next Generation" zur Titelmelodie wird und bis heute synonym für "Star Trek" steht.

Goldsmiths entgangener Oscar gilt bis heute als Affront. Der Soundtrack ist auch mein persönlicher Liebling und die Art und Weise, wie Bild und Musik miteinander verschmelzen, führt dazu, dass ich den Film auf einer Ebene meines Bewusstseins auch anschaue wie ein über zwei Stunden langes, ikonisches Musikvideo. Geh mir weg mit "Thriller", ich will zu "Star Trek: The Motion Picture" abrocken!

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