Star Trek: The Motion Picture im Rückblick - Seite 2
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Autor Sebastian Göttling erkundet die turbulente Entstehungsgeschichte des ersten Star-Trek-Kinofilms, der nach 43 Jahren (vielleicht) fertiggestellt wurde.
Es ist in dieser Inhaltsangabe die Kontaktaufnahme Spocks, die dem beliebten Charakter vor Augen führt, dass seine eigene Suche nach kalter, vulkanischer Logik eine Sackgasse darstellt und dass er seine menschliche Hälfte akzeptieren muss. Die Intensität dieser Begegnung löst in Spock sogar Trauer um V'Ger aus, der, von seiner Roboternatur beschränkt, niemals etwas Menschliches fühlen kann. Also liegt Spock auf der Krankenstation und weint bittere Vulkaniertränen um seinen Sonden-Cousin. Zumindest dachte das Leonard Nimoy, bevor er die Premierenfeier besucht. Zu Nimoys großer Enttäuschung fiel genau diese Szene, die für ihn das Herzstück seiner Performance im Film darstellt, der Schere zum Opfer.
Aus Enttäuschung wird Wut und aus dieser Wut heraus wird Nimoy in den kommenden Wochen und Monaten nicht müde, den Film als gefühllos schlechtzureden, anstatt ordentlich die Werbetrommel zu rühren. Das ist der Ursprung des spöttischen Spitznamens "The Motionless Picture" oder "The Emotionless Picture". Und wenn selbst Mr. Spock solche negativen Töne spuckt, dann muss da etwas dran sein, denken sich auch die Fans, und kolportieren dieses schlechte Image des Films über Jahrzehnte hinweg.
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Dass es dieser schlechte Eindruck auch nach Deutschland schafft, zeigt die Bewertung der TV Spielfilm anlässlich der deutschen TV-Premiere im Juli 1991, die "Star Trek: The Motion Picture" als aufgeblasen und leblos bezeichnet. Die ausgedehnten Effektszenen beim Flug durch die rätselhafte Wolke werden von der Kritik als endlos in den Vordergrund gestellt.
Außerdem verfehlt der Film bei seiner Premiere sicherlich die Erwartungen vieler Fans, die nach einem Jahrzehnt ohne Star Trek - von einer kurzlebigen Zeichentrickserie mal abgesehen - auf das gewohnte, familiär-joviale Miteinander der Fernsehserien-Crew gehofft haben und nun mitansehen müssen, dass die Freundschaft der Helden abgekühlt ist und man sich auseinandergelebt hat. (Das dürfte dann auch die Geburtsstunde des Ausrufs "Das ist nicht mein Star Trek!" sein.)
Quelle: Copyright © 2022 Paramount Pictures. STAR TREK and related marks and logos are trademarks of CBS Studios Inc. All Rights Reserved
Die Harmonie trügt: Kirk, Spock und McCoy haben sich auseinandergelebt – sehr zum Unmut der Fans.
Auch wenn diese Darstellung der Enterprise-Besatzung konsequent realistisch und damit künstlerisch durchaus interessant ist, haben die unzufriedenen Fans natürlich einen Punkt. Inmitten all des Bombasts, der Atmosphäre und der Ambitionen lässt das erste Kinoabenteuer von Kirk & Co. eine menschliche Komponente vermissen. Was durchaus ironisch ist, denn exakt so ergeht es Spock und V'Ger. Da mag sich die finale Texteinblendung "THE HUMAN ADVENTURE IS JUST BEGINNING" wie ein weiterer Schlag ins Gesicht anfühlen.
Dabei stammt diese wuchtige Botschaft mit all ihrer evolutionstheoretischen Bedeutungsschwangerschaft von einem ganz besonderen Guru: dem Star-Trek-Erfinder Gene Roddenberry höchstselbst. Dieser visionäre Architekt einer utopischen Zukunft hatte sich in den Siebzigern schwergetan, weitere TV-Projekte an den Start zu bringen, also konzentrierte er sich stattdessen darauf, Vorträge an Universitäten, auf Zukunftskongressen und auf Science-Fiction-Conventions zu halten.
Dabei ist Roddenberry auch jetzt im Jahr 1979 stets Lebemann, der sich üppig bedient - bei Essen, Alkohol, Marihuana und dem weiblichen Geschlecht. Für ihn verschmilzt all das zu einem großen Ganzen: Futurismus, Zügellosigkeit und substanzunterstützte Bewusstseinserweiterung. Dabei entfernt sich Roddenberry schon seit geraumer Zeit immer weiter von wissenschaftlichem Terrain und kocht, ebenfalls sehr zeitgemäß für die Siebziger, ein eher esoterisch-erotisches Süppchen.
Nirgendwo sonst wird das so offenbar wie in der Romanumsetzung des Kinofilms, die Roddenberry selbst verfasst, und in der Dinge erwähnt werden, die der Film weniger explizit darstellt oder schlichtweg auslässt.
Das muss man sich auf der Zunge zergehen lassen: Eine Erde, bevölkert von telepathiebegabten und dekadenten "New Humans". Die Sternenflotte als gesellschaftlich kaum anerkannte Arbeiterklasse. Eine Roboterversion von Lieutenant Ilia mit wippenden, spitzen, kecken, betörenden Brüsten, von der Kirk und McCoy einfach nicht die Augen lassen können.
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