A Mortician's Tale zeigt uns, was eigentlich passiert, nachdem wir sterben, und leitet uns damit behutsam an, uns selbst mit der Frage zu befassen, was nach unserem Lebensende passieren soll.
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A Mortician's Tale - Was passiert eigentlich, nachdem wir sterben?
In A Mortician's Tale bekommen wir noch mal eine ganz andere Perspektive auf die Mortalität aufgezeigt. Wir spielen Charlie, eine Bestatterin, die neuerdings in einem kleinen Familienunternehmen arbeitet. Im Spielverlauf kümmern wir uns um acht Körper und bereiten sie auf die Bestattung vor, an der wir schlussendlich auch teilnehmen. Dort haben wir dann die Möglichkeit, den Geschichten der Hinterbliebenen zu lauschen.
Diese kurze Geschichte hat die offensichtlichste Verbindung zur Death-Positive-Bewegung, denn sie ist inspiriert von einem Buch von Caitlin Doughty. Sie ist nicht nur Autorin von Beruf, sondern auch Bestatterin. Aus ihren Erfahrungen mit unserer Haltung gegenüber der Sterblichkeit ist diese Bewegung überhaupt erst entstanden.
Das Spiel zeigt eine Vielzahl von Optionen für den Umgang mit den Verstorbenen auf - von Balsamierung und Einäscherung über Beerdigungen mit offenem Sarg bis zu umweltschonenden Arten der Beisetzung. Das ist nicht nur informativ, sondern ermutigt uns auch, uns aktiv mit der Frage zu befassen, wie wir denn eigentlich nach dem Tod behandelt werden wollen.
In Form eines E-Mail-Newsletters befasst sich das Spiel des Weiteren auch mit schwierigen Themen wie ethischen Dilemmata im Beruf des*der Bestatter*in, in die man sonst nur selten oder gar keine Einsicht bekommt. Wir lernen beispielsweise etwas über potenzielle Probleme bei der Beisetzung von transgeschlechtlichen Personen oder was passiert, wenn die Wünsche des Verstorbenen nicht mit denen der Hinterbliebenen übereinstimmen.
Quelle: Laundry Bear Games
Das meiste Storytelling in A Mortician's Tale geschieht über E-Mails. Über einen Newsletter bekommen wir zudem Einblick in ethische Dilemmata und andere mögliche Probleme in der Bestattungsindustrie.
Zentral ist auch in A Mortician's Tale wieder die neutrale Behandlung der Sterblichkeit, denn der Tod wird auch in diesem Spiel als biologisches, emotionales und soziales Ereignis dargestellt, vor welchem man sich im Grunde nicht fürchten muss. Ein natürlicher Teil des Daseins eben. Der lockere Schreibstil lädt dazu ein, seine eigenen Hemmungen gegenüber der Thematik zu hinterfragen und loszulassen.
Aber vor allem laden uns die Entwickler*innen sanft dazu ein, uns aktiv mit dem Sterben zu befassen und uns auf gewisse Fragen vorzubereiten, die auf uns alle irgendwann zukommen. Indem wir uns mit Nahestehenden über solche Themen austauschen, kann nicht nur mit einem Tabuthema aufgeräumt werden, sondern wir können auch sicherstellen, dass unsere Anliegen gehört werden. Und über seine Gedanken, Wünsche und Sorgen zu sprechen, kann sogar für einige schon ein großer Trost im Angesicht von Unsicherheit sein.
Hilfsangebote bei psychischer Belastung und in Krisensituationen
Death Positivity in Videospielen hat das Potenzial, unsere Haltung gegenüber der Mortalität positiv zu beeinflussen und uns in einem sicheren Raum mit Themen rund um das Sterben zu befassen. Dennoch können auch solche Spiele keine Konversation mit echten Menschen ersetzen.
Solltest du also merken, dass die Gedanken zu belastend werden und dich in deinem Alltag einschränken, scheue dich nicht davor, Unterstützung zu suchen. Nach Hilfe zu fragen, ist kein Gegensatz zu Death Positivity, sondern ein Teil davon!
Quelle: Laundry Bear Games
Auch an den Bestattungen selbst dürfen wir teilnehmen, dort den Geschichten der Hinterbliebenen lauschen und den Verstorbenen unseren Respekt zollen.
Des Weiteren ist eine Abgrenzung besonders wichtig: Death Positivity beschäftigt sich mit dem Tod als natürlichem Teil des Lebens - nicht mit dem Wunsch, das Leben zu beenden. Manche Menschen können sich bei Themen rund um Sterblichkeit und Abschied mit sehr schwerwiegenden Gedanken konfrontiert sehen.
Gerade dann ist es wichtig, immer im Kopf zu behalten, dass es zahlreiche Hilfsangebote gibt, an die du dich rund um die Uhr wenden kannst, ob per Telefon, Chat, Mail oder persönlich. Hier einige Anlaufstellen:
Telefonseelsorge
Die Telefonseelsorge ist rund um die Uhr unter 0800 111 0 111 oder 0800 111 0 222 oder 116 123 erreichbar, auch an Sonn- und Feiertagen. Sollte dich etwas belasten, kann es eine gute Idee sein, dort anzurufen und mit jemandem darüber zu sprechen. Der Anruf ist kostenfrei und anonym. Die Berater*innen unterliegen der Schweigepflicht und eure Gespräche sind damit absolut vertraulich.
Telefonseelsorge per Chat und E-Mail
Manchmal kann es sehr schwer sein, über belastende Themen zu sprechen oder spontan die richtigen Worte zu finden. Doch keine Sorge: Die Telefonseelsorge bietet auch Beratung über Chat und E-Mail an. Dafür musst du dich jedoch zuerst auf der Website registrieren. Das Formular findest du hier: https://online.telefonseelsorge.de/user/register
Hilfe im persönlichen Gespräch
Wenn du lieber persönlich mit einem anderen Menschen über deine Gedanken sprechen willst, muss das nicht unbedingt ein Arzt oder Psychologe sein. Du kannst dich selbstverständlich an Psychiater, psychiatrische Kliniken oder auch Krankenhäuser wenden.
Du kannst dich aber auch an einen Pfarrer, Imam, Rabbiner oder eine andere Vertrauensperson wenden, wenn du den Weg zu einem Psychiater oder Therapeuten scheust. Ärzte unterliegen ebenso wie Psychologen der Schweigepflicht. Für Pfarrer gilt neben dem Beichtgeheimnis das Seelsorgegeheimnis, nach dem einem Seelsorger Anvertrautes als vertraulich gilt.
Bundesweit gibt es eine Vielzahl von Beratungsstellen für Menschen mit Suizidgedanken. Eine Übersicht gibt es auf der Webseite der Deutschen Gesellschaft für Suizidprävention.
https://www.suizidprophylaxe.de/
Akute Suizidgedanken sind ein medizinischer Notfall. Zögere im Zweifelsfall also nicht, den Notruf unter 112 zu wählen, wenn du selbst oder jemand in deinem Umfeld Hilfe benötigt. Auch wenn es zunächst schwerfallen kann, solche Themen anzusprechen, beweist es sehr viel Mut. Niemand muss so etwas allein durchstehen und es gibt immer einen Ausweg.
