Death Positivity in Spielen: Spiritfarer

Special Marie-Theres Ottowitz Annika Menzel
Death Positivity in Spielen: Spiritfarer
Quelle: PC Games

Abschied nehmen mal zwölf: In Spiritfarer helfen wir verstorbenen Seelen bei ihrer Reise auf die andere Seite - und lernen dabei, auf sanfte Weise loszulassen.

Spiritfarer - Ein Cozy Game mit nicht ganz so cozy Themen

Das kanadische Studio Thunder Lotus selbst beschreibt ihr Werk Spiritfarer kurz und knackig als ein gemütliches Management-Spiel über das Sterben - und damit treffen sie den Nagel auf den Kopf. In Spiritfarer schlüpfen wir in die Rolle von Stella, der neuen Fährfrau der Verstorbenen.

Von ihrem Vorgänger Charon wird sie dazu beauftragt, Geister einzusammeln und zur sogenannten Immerpforte zu bringen, sobald sie bereit dazu sind. Hierfür baut die Protagonistin - stets begleitet von Daffodil, der Katze - ein geräumiges Boot, auf dem sie die Geister in persönlich angepassten Häusern unterbringen und sich um sie kümmern kann.

Im Laufe des Spiels kocht Stella für ihre Gäste, hört ihnen zu, umarmt sie und nimmt Quests von ihnen an, um ihre letzten Wünsche zu erfüllen. Erst dann können sie schlussendlich gemeinsam die Reise zur Immerpforte antreten, damit der jeweilige Geist auf die andere Seite überwechseln kann.

Insgesamt zwölfmal dürfen wir emotionale Bindungen zu unseren Passagieren aufbauen, bevor wir jedes Mal dann doch gezwungen werden, Abschied von ihnen zu nehmen. Das Spiel macht von Anfang an sehr deutlich, dass die allermeisten Charaktere uns letztendlich für immer verlassen werden, und ermutigt uns, jeden Moment mit unseren Freunden wertzuschätzen und keine Angst vor dem Ende zu haben.

Nach einer Weile in unserer Obhut sind die Geister bereit, ihre finale Reise zur Immerpforte anzutreten - und wir begleiten sie bis zum letzten Augenblick. Quelle: PC Games Nach einer Weile in unserer Obhut sind die Geister bereit, ihre finale Reise zur Immerpforte anzutreten - und wir begleiten sie bis zum letzten Augenblick. Denn genau das ist die Frage, der sich das Entwicklerteam gemeinsam mit uns stellen will: Was, wenn wir den Tod nicht so sehr fürchten würden? Die Natürlichkeit der Sterblichkeit wird zudem dadurch unterstrichen, dass es gefühlt tausend andere Aufgaben in der wunderschön bunten und liebevoll gestalteten Welt zu erledigen gibt. So ist der Tod zwar ein definierender Teil des Abenteuers, aber längst nicht der einzige Fokus - also eigentlich wie im echten Leben.

Die Vielfältigkeit der Charaktere und ihrer Schicksale macht das Abenteuer für die meisten Spieler*innen so unglaublich nachvollziehbar, denn die Wahrscheinlichkeit, dass wir einer Figur begegnen, die uns an eine*n Bekannte*n erinnert, ist ziemlich hoch.

Gleichzeitig gibt sie den Entwickler*innen aber auch die Möglichkeit, die verschiedenen Facetten von Verlust zu beleuchten. Ganz besonders auffällig ist hierbei Stellas Onkel Atul, ein von der Community sehr geliebter Charakter, bei dem sich viele gefreut haben, ihn auf seiner letzten Reise begleiten zu dürfen.

Umso größer war der Schmerz, als Atul einfach vom Schiff verschwand und somit der einzige Charakter ist, den wir nicht nach eigenem Ermessen zur Immerpforte begleiten dürfen. Zwar ist diese Entscheidungsfreiheit auch bei den anderen Charakteren begrenzt, denn um die Geschichte voranzutreiben, müsst ihr euch früher oder später von euren Freunden verabschieden. Doch bei niemandem sonst wird uns die Kontrolle derart entrissen.

Aber auch das zeigt uns eine traurige Tatsache des Daseins auf, denn manchmal bekommen wir einfach nicht die Möglichkeit, uns richtig zu verabschieden. Spiritfarer bietet uns also auch hier ein Übungsfeld - wenn auch ein sehr unangenehmes.

Als Verkörperung des Todes begegnet uns die Eule Hades während unseres Abenteuers insgesamt dreimal. Sie konfrontiert Stella mit teils heftigen Wahrheiten, gibt ihr aber letztendlich auch den Mut, loszulassen. Quelle: PC Games Als Verkörperung des Todes begegnet uns die Eule Hades während unseres Abenteuers insgesamt dreimal. Sie konfrontiert Stella mit teils heftigen Wahrheiten, gibt ihr aber letztendlich auch den Mut, loszulassen.

Wie sich herausstellt, lernen nicht nur die Figuren um uns herum, sich von der Welt zu verabschieden, sondern auch Stella - und damit auch irgendwie wir - lernen Lebewohl zu sagen. Mit der Zeit erfahren wir, dass selbst sie gewisse Hemmungen gegenüber ihrer eigenen Sterblichkeit hat.

Als Palliativpflegerin hat sie sich einen Großteil ihres Lebens mit dem Tod umgeben und zahlreichen Menschen geholfen, ihre Sterblichkeit zu akzeptieren. Doch nun, wo ihre Zeit gekommen ist, hat sie trotzdem Angst.

Da Stella selbst ein nonverbaler Charakter ist, erfahren wir ihre Sorgen durch eine massive Eule namens Hades, einer Personifikation des Todes selbst. Und doch ist es gerade er in seiner bedrohlichen Präsenz, der Stella letztendlich die Angst nimmt, und ihr den Mut gibt, loszulassen. Auch die wahrscheinlich wichtigste Botschaft des gesamten Abenteuers stammt von ihm: "Du bist nicht allein". Wie effektiv Blinzeln als Metapher für die eigene Endlichkeit sein kann, erfahrt ihr auf der nächsten Seite.

  1. Seite 1 Inhaltshinweis & Begriffsklärung von Death Positivity
  2. Seite 2 Bedeutung in der Videospielwelt & Effekte der Auseinandersetzung
  3. Seite 3 Spiritfarer
  4. Seite 4 Before Your Eyes
  5. Seite 5 A Mortician's Tale & Hilfsangebote
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