Die größten Shitstorms 2019, Seite 5 - Fallout 1st und Horst Seehofer
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Welche Skandale und Skandälchen erregten im vergangenen Jahr das kollektive Spielergemüt? Sorgte die Anthem-Enttäuschung für die größte Aufregung? Trieb es Nintendo mit Mario Kart Tour zu weit? Was hat es mit EAs "Surprise Mechanics" aus sich? Wir haben an dieser Stelle unsere Auswahl der zehn größten Shitstorms getroffen und präsentieren sie in unserem Special!
In diesem Artikel
- Seite 1 Die größten Shitstorms 2019, Seite 1 - Epic Games Store und Anthem
- Seite 2 Die größten Shitstorms 2019, Seite 2 - Sonic-Film und Mario Kart Tour
- Seite 3 Die größten Shitstorms 2019, Seite 3 - Pokédex und "Surprise Mechanics"
- Seite 4 Die größten Shitstorms 2019, Seite 4 - NBA 2K20 und Blizzchung
- Seite 5 Die größten Shitstorms 2019, Seite 5 - Fallout 1st und Horst Seehofer
- Seite 6 Bildergalerie
Bethesda: Fallout 1st spaltet die Spielerschaft
Beginn des Shitstorms: 23. Oktober 2019 - Fallout 1st wird angekündigt.
Quelle: Bethesda
Schon das Grundspiel Fallout 76 ist nicht gut. Mit jedem Update und jeder neuen Ankündigung zu dem Titel setzt sich Bethesda aber noch mehr in die Nesseln.
Wenn ein Spiel in Sachen "enttäuschte Erwartungen" Anthem das Wasser reichen kann, dann ist das Fallout 76. Die MMO-Version der beliebten postapokalyptischen Action-RPG-Reihe war in vielfacher Hinsicht eine Katastrophe, als sie im Oktober 2018 erschien: Völlig verbuggt, leblos, spaßbefreit und einfach nicht mehr Fallout. Es half ganz bestimmt nicht, dass Entwickler Bethesda relativ bald nach dem desaströsen Launch das hoch und heilige Versprechen brach, dass man mit Echtgeld nur kosmetische Items würde kaufen können. Und außerhalb des eigentlichen Spiels sorgten Special Editions mit minderwertigem Inhalt, Datenleaks und mehr für Ärger. Allerdings, all das war 2018 und was Anfang 2019 mit dem Spiel passierte, taugte noch nicht zum Shitstorm. Der kam erst auf den Tag genau ein Jahr nach dem Release, als man Fallout 1st ankündigte. Wie beim Gold Pass für Mario Kart Tour, mit dem Unterschied, dass Fallout 76 ein Kaufspiel ist, handelt es sich dabei um ein Abomodell. Für satte 100 Euro im Jahr bekommt man dafür neben gefühlt wahllos zusammengewürfelten Goodies diverse Boni, nach denen die tatsächlich vorhandenen, weiterhin aktiven Spieler schon lange schreien: Mehr Stauraum für Items, private Server und frei setzbare Schnellreisepunkte. Also Dinge, die man sich eigentlich als normale Updates erwarten würde.
Aber nein, stattdessen wird noch einmal in die Tasche gegriffen. Zum Vergleich: Für dasselbe Geld bekommt man ein Jahr lang Zugriff auf sowohl Playstation Plus als auch Xbox Gold. Währenddessen hat das Grundspiel trotz einiger ausgebügelter Makel weiterhin mit massiven Problemen zu kämpfen und ein Update, welches endlich die bis heute nicht vorhandenen NPCs in die leere Welt bringen sollte, wurde von Herbst 2019 auf Anfang 2020 verschoben. Fallout 1st hingegen startete fristgerecht. All das ist schon schlimm genug und es ist befremdlich, dass sich dem bisherigen Anschein nach relativ viele Fallout-76-Spieler tatsächlich für den Abodienst entschlossen haben. Dem Shitstorm die Krone auf setzte aber die Tatsache, dass die Boni von Fallout 1st zum Launch völlig kaputt waren und teilweise immer noch sind. Die privaten Server sind offenbar gar nicht so privat, wie versprochen wird und die Kiste mit unbegrenztem Stauraum löschte bei vielen Spielern sämtliche darin verwahrte Items. Aua! Also bleibt Bethesda weiterhin nichts anderes übrig als sich konstant zu rechtfertigen und zu entschuldigen. Immerhin, Spieler, die sich nach einem klassischen Quasi-Fallout-Erlebnis sehnen, können inzwischen zum Glück auf The Outer Worlds zurückgreifen. Das kann man ganz alleine spielen und Bugs sind dort die seltene Ausnahme und nicht die Regel.
Horst Seehofer: Die Killerspieldebatte ist zurück
Beginn des Shitstorms: 12. Oktober 2019 - Seehofer äußert sich zur "Gamerszene".
Quelle: Valve
Counter Strike war Mitte der 2000er-Jahre eines der Lieblingsopfer all jener, die lautstark nach Verboten und Zensur verlangten.
Der Amoklauf an einer Schule in Erfurt im Jahr 2002 ließ die damals bereits schwelende sogenannte Killerspieldebatte gehörig aufflammen. Politiker und Menschen, die offenbar keine Ahnung von der Videospielewelt und den Hintergründen zu haben, wussten es auf einmal besser und meinten, dass man Spiele anders als andere Medien behandeln und brutale Spiele verbieten oder zumindest gehörig zensieren müsse. Über viele Jahre hinweg waren beschlagnahmte Spiele und deutliche Einschnitte auch die Realität. Erst nach und nach beruhigte sich die Lage, Spiele kamen immer mehr in der Mitte der Gesellschaft an und auch der Nicht-Spieler bemerkte: Nein, nicht jeder Videospieler ist ein potenzieller Massenmörder. Und nein, auch Leute, die vor allem Shooter spielen, rennen nicht gleich mit dem Maschinengewehr auf die Straße. Im Kleinen flammte die Debatte zwar immer wieder hoch, sie erreichte aber nie wieder dieselbe Relevanz wie einst. Das geschah zum Glück auch 2019 nicht. Innenminister Horst Seehofer von der CSU bewies Mitte Oktober aber, dass er nach wie vor keinerlei Ahnung von der Spielethematik hat und sprach einen Generalverdacht gegen die Gamingwelt aus. Nach dem Amoklauf von Halle, bei dem der Täter offenbar ein Videospieler war, meinte Seehofer, dass man die Gamingszene fortan genauer beobachten müsse.
Eine Tätigkeit, der, neben Mama, Papa, uns und euch, eben auch gewaltbereite und gestörte Menschen wie der Halle-Täter nachgehen, ist also Schuld oder zumindest Mitschuld an solchen Taten. Gekonnt werden hier Ursache und Wirkung ignoriert und Zusammenhänge als Fakt dargestellt, wo keine existieren. Dass Spiele nicht aggressiv machen und auf jeden Fall nicht Auslöser für Amokläufe sind, wurde inzwischen ausreichend in Studien bewiesen. Wer geistig gesund ist, wird nicht zum Amokläufer; wer eine Gewaltstörung hat, der kann eventuell Videospiele konsumieren, wird aber nicht nur aufgrund derer zum Täter. All das versteht Seehofer nicht oder will es nicht verstehen. Videospiele sind halt nach wie vor ein geeigneter Sündenbock. Gäbe es sie nicht, müssten Politiker die Möglichkeit ins Auge fassen, dass ihre Politik eventuell mithilft, den Nährboden für rechtsradikale Taten wie jene in Halle zu bereiten. Und das kann ja nun wirklich keiner wollen! Dann ist im Zweifelsfall lieber Call of Duty schuld. Dankenswerterweise reagierte aber eben nicht nur die vom ihm so genannte Gamingszene empört, sondern auch die restliche, inzwischen deutlich aufgeklärtere Gesellschaft sah in Seehofers Bemerkung zu Recht nichts anderes als fadenscheinige Rechtfertigungsversuche.
Welche Shitstorms aus dem vergangenen Jahr sind euch ganz besonders in Erinnerung geblieben? Welche haben wir nicht erwähnt? Verratet es uns in den Kommentaren!
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