Die größten Shitstorms 2019, Seite 3 - Pokédex und "Surprise Mechanics"

Special Lukas Schmid 53,99 €
Die größten Shitstorms 2019, Seite 3 - Pokédex und "Surprise Mechanics"
Quelle: Electronic Arts

Welche Skandale und Skandälchen erregten im vergangenen Jahr das kollektive Spielergemüt? Sorgte die Anthem-Enttäuschung für die größte Aufregung? Trieb es Nintendo mit Mario Kart Tour zu weit? Was hat es mit EAs "Surprise Mechanics" aus sich? Wir haben an dieser Stelle unsere Auswahl der zehn größten Shitstorms getroffen und präsentieren sie in unserem Special!

Nintendo: Der Pokédex wird halbiert

Beginn des Shitstorms: 11. Juni 2019 - das Spiel wird auf der E3 enthüllt.

Da können auch die teils sehr putzigen neuen Monsterchen nicht drüber hinwegtäuschen: In Schwert und Schild herrscht Poké-Armut! Erst durch den DLC werde ab dem Sommer des aktuellen Jahres neue Taschenkreaturen hinzugefügt. Quelle: Nintendo Da können auch die teils sehr putzigen neuen Monsterchen nicht drüber hinwegtäuschen: In Schwert und Schild herrscht Poké-Armut! Erst durch den DLC werde ab dem Sommer des aktuellen Jahres neue Taschenkreaturen hinzugefügt. Und gleich noch einmal Nintendo! Beziehungsweise Game Freak. Auf der E3 wurden Pokémon Schwert und Schild erstmal ausführlich präsentiert. Viele Dinge wie die 3D-Grafik und das britisch angehauchte Setting gefielen den Fans. Eine Ankündigung hingegen sorgte für gehörige Empörung. Anstatt die nicht im Spiel selbst enthaltenen Taschenmonster wie bisher im Nachhinein mittels spezieller Programme ins Abenteuer integrieren zu können, streichen Schwert und Schild den sogenannten Nationalen Pokédex. Heißt im Klartext: Nur den Monsterchen, die es zu fangen gibt, ist auch ein Auftritt im Spiel vergönnt. Wie sich später rausstellen sollte sind es satte 500 der knapp 900 derzeit verfügbaren Pokémon, die dem Rotstrich zum Opfer gefallen sind. Spaßeshalber sprechen Poké-Liebhaber darum auch vom Thanos-Snap, der die Welt des Rollenspiels getroffen hat und spielen damit auf eine Szene aus Marvel's Avengers: Infinity War (Spoiler!) an, in welcher der Bösewicht Thanos mit einem Fingerschnippen die Hälfte aller Lebewesen im Universum auslöscht. So lustig gemeint dieser Vergleich, so ernst ist die Enttäuschung vieler Fans. Den Ärger einzudämmen gelang es auch mit der Erklärung der Entwickler nicht.

Sie sagten, dass es zu viel Aufwand gewesen wäre, alle Modelle und Animationen der Taschenmonster neu für die Rollenspiele zu entwickeln. Allerdings ist bekannt, dass schon lange eine Art interne Datenbank existiert, in der alle Pokémon in hoher Qualität enthalten sind, sodass sie entsprechend schnell adaptiert werden können. Außerdem wurden auch Monsterchen gestrichen, die in den letztjährigen "Pokémon: Let's Go! Pikachu & Evoli"-Titeln für die Switch noch enthalten waren. Dass Schwert und Schild auch in sonstigen Aspekten kontrovers aufgenommen wurden, verstärkte den Shitstorm nur noch. So gibt es eine nicht wirklich zeitgemäße Optik, gestrichene Attacken und ein eher müdes Endgame zu beklagen. Schlussendlich sollten Schwert und Schild all dem Ärger zum Trotz dennoch riesige Erfolge werden und wandern derzeit millionenfach über die Ladentheken dieser Welt. Aber wer weiß, vielleicht haben die Entwickler trotzdem aus der negativen Erfahrung im Vorfeld gelernt? Nicht mehr 2019, aber Anfang 2020 ruderten sie immerhin schon insofern zurück, als dass jetzt doch einige Pokémon per DLC in das Spiel zurückkehren werden.

Electronic Arts: Lootboxen sind "Surprise Mechanics"

Beginn des Shitstorms: 19. Juni 2019 - Kerry Hopkins tätigt ihre Aussage.

Star Wars: Battlefront 2 war einer der Auslöser für die nun oft getroffenen Vergleiche zwischen Lootboxen und Glücksspiel und ist auch spielerisch bloß in Ordnung. Quelle: Electronic Arts Star Wars: Battlefront 2 war einer der Auslöser für die nun oft getroffenen Vergleiche zwischen Lootboxen und Glücksspiel und ist auch spielerisch bloß in Ordnung. Lootboxen, Geißel der Videospielwelt und seit einigen Jahren fester Bestandteil des Geschäftsmodells zahlreicher großer Publisher. Viele sind auf den Zug aufgesprungen, willigen Kunden mit Zufallsbelohnungen zusätzliches Geld aus den Taschen zu ziehen. Waren Lootboxen zu Beginn vor allem auf Free2Play-Titel beschränkt, etablierten die Spielehersteller sie gerade 2017, 2018 und 2019 vermehrt auch in 60-Euro-Spielen. Es schien, als würde der Trend nicht allzu schnell abreißen. Trotz Rückschlägen wie den extrem frech gestalteten Finanzierungsmodellen von Star Wars: Battlefront 2 und Need for Speed: Payback, die ihrerseits zu den größten Shitstorms 2017 führten, hielten Electronic Arts, Activision und Co. weiterhin daran fest. Man denke nur an FIFA Ultimate Team. Dann aber geschah etwas für die Hersteller Unangenehmes: Die Politik schaltete sich ein und wer hätte es gedacht: Die von vielen Seiten als dem Glücksspiel ähnlichen Lootboxen wurden auf einmal auch offiziell mit Glücksspiel verglichen. In einigen Ländern, zum Beispiel Belgien, sind sie deswegen bereits verboten, in anderen befinden sich ähnliche Gesetze in Vorbereitung. Wegen immer geringerer Akzeptanz und der rechtlichen Grauzone beschränken viele Publisher ihre Finanzierungsgebaren nun doch. Besonders frech: Der Verzicht auf Lootboxen wird nun manchmal bei der Ankündigung als großes Geschenk an die Spieler verkauft, wenn er doch in Wahrheit nur aussagt:

Ja, jetzt machen wir es besser, nachdem wir euch vorher das Geld aus den Taschen gezogen haben. Und freiwillig war und ist dieser teilweise Rückzug eben keineswegs. Nirgends zeigt sich das besser als bei der Aussage von Kerry Hopkins, ihres Zeichens Vice President of Legal and Government Affairs bei EA, vor dem britischen House of Commons im Juni 2019. Dort ging es neben Battlefront 2 auch um die Lootboxen in FIFA, die ja weiterhin jedes Jahr eingebaut werden. Lootboxen seien ethisch vertretbar und unterhaltsam für die Spieler, handle es sich doch lediglich um "Surprise Mechanics", also "Überraschungsmechaniken". Und Menschen, so Hopkins, würden Überraschungen schließlich lieben. Der Shitstorm ließ nicht langte auf sich warten und Surprise Mechanics dürfte in der Welt der Videospiele eines der Unwörter des Jahres sein. Dabei war die Aussage eben nur ein besonders unglücklicher Versuch einer Rechtfertigung aus einer ganzen Reihe an ungeschickten Verteidigungsstrategien von Lobbyisten vor politischen Entscheidungsträgern auf der ganzen Welt. "Pride and Accomplishment" wegen Star-Wars-Lootboxen in 2017, "Surprise Mechanics" in 2019 - Electronic Arts setzt sich offenbar gerne in die Nesseln!

  1. Seite 1 Die größten Shitstorms 2019, Seite 1 - Epic Games Store und Anthem
  2. Seite 2 Die größten Shitstorms 2019, Seite 2 - Sonic-Film und Mario Kart Tour
  3. Seite 3 Die größten Shitstorms 2019, Seite 3 - Pokédex und "Surprise Mechanics"
  4. Seite 4 Die größten Shitstorms 2019, Seite 4 - NBA 2K20 und Blizzchung
  5. Seite 5 Die größten Shitstorms 2019, Seite 5 - Fallout 1st und Horst Seehofer
  • Print / Abo
    Apps
    PC Games 06/2026 PCGH Magazin 07/2026 play5 07/2026 N-Zone 06/2026 Linux Magazin 06/2026 LinuxUser 06/2026 Raspberry Pi Geek 07/2026
    PC Games PC Games Hardware Linux Magazin Raspberry Pi Geek Computec Kiosk