Die größten Shitstorms 2019, Seite 4 - NBA 2K20 und Blizzchung
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Welche Skandale und Skandälchen erregten im vergangenen Jahr das kollektive Spielergemüt? Sorgte die Anthem-Enttäuschung für die größte Aufregung? Trieb es Nintendo mit Mario Kart Tour zu weit? Was hat es mit EAs "Surprise Mechanics" aus sich? Wir haben an dieser Stelle unsere Auswahl der zehn größten Shitstorms getroffen und präsentieren sie in unserem Special!
In diesem Artikel
- Seite 1 Die größten Shitstorms 2019, Seite 1 - Epic Games Store und Anthem
- Seite 2 Die größten Shitstorms 2019, Seite 2 - Sonic-Film und Mario Kart Tour
- Seite 3 Die größten Shitstorms 2019, Seite 3 - Pokédex und "Surprise Mechanics"
- Seite 4 Die größten Shitstorms 2019, Seite 4 - NBA 2K20 und Blizzchung
- Seite 5 Die größten Shitstorms 2019, Seite 5 - Fallout 1st und Horst Seehofer
- Seite 6 Bildergalerie
2K Games: NBA 2K20 wirbt mit Glücksspiel
Beginn des Shitstorms: 26. August 2019 - der Trailer erscheint.
Quelle: 2K Games
Im Trailer sind die angeheuerten Schauspieler total glücklich, sich dem virtuellen Glücksspiel in NBA 2K20 hingeben zu können. Genauso wie im echten Leben!
Wo wir schon bei Lootboxen, Glücksspielmechaniken und frechen Publishern sind: Electronic Arts versuchte die unmoralischen Finanzierungsmethoden zumindest noch zu kaschieren. Man mag nun besonders frech oder entwaffnend ehrlich finden wie 2K Games im Falle von NBA 2K20 vorging. Ende August 2019 veröffentlichten die Macher einen Trailer zum sogenannten MyTeam-Modus im Spiel. Und anstatt um den heißen Brei herumzureden, wird hier zusätzlich zu Lootboxen in Form von Kartenpacks einfach waschechtes Glücksspiel gezeigt. Ein Ballspiel, bei dem man eine Kugel durch Geschick und Glück in ein Loch befördern muss, ein Einarmiger Bandit und ein Roulettekessel sind Teil des Modus. Die Ausrede, mit der versucht wurde diesen Umstand zu verteidigen: Man könne ja kein echtes Geld gewinnen, insofern seien diese Mechaniken ja kein Gewinnspiel. Dass man im Rahmen des Modus sehr wohl an vielen Stellen echtes Geld ausgeben kann, wurde aber geflissentlich verschwiegen. Der Trailer wurde alles andere als gut aufgenommen und große Youtuber wie Jim Sterling und Angry Joe nahmen sich des Themas an. Aber auch nicht-Videospiele-spezifische Medien griffen die Kontroverse auf. Vor allem aber befand die Internetwelt, die eigentlich schon jede Menge Quatsch von Publishern gewohnt war:
Das ist zu viel des Schlechten. 2K erntete einen veritablen Shitstorm und die diversen Versuche, sich zu rechtfertigen, machten die Sache nicht besser. Wer jetzt auf einen glücklichen Ausgang der Geschichte hofft, den müssen wir leider enttäuschen. Irgendwann flaute der Ärger ab und das Spiel erschien genauso frech wie es der Trailer erwarten ließ; noch dazu sanktioniert durch die Altersbewertung PEGI, die eben aufgrund der fehlenden Echtgeld-Gewinnmöglichkeit kein Glücksspiel und deswegen keine Jugendgefährdung sah. Spitzfindigkeiten sind doch etwas Feines!
Blizzard: Kontroverse um Streamer Blizzchung
Beginn des Shitstorms: 6. Oktober 2019 - Blizzchung äußert sich im Stream.
Quelle: Activision Blizzard
Während eines Streams zum Kartenspiel Hearthstone äußerte sich Blizzchung zu den Protesten in Hongkong und wurde nur kurze Zeit später von Blizzard gesperrt.
Den wohl politisch relevantesten Shitstorm des Jahres kassierte Hearthstone-Publisher Blizzard Anfang Oktober. Die auch jetzt noch anhaltenden Proteste gegen die chinatreue Regierung in Hongkong waren damals an einem ihrer Höhepunkte. Der Hongkong-stämmige Hearthstone-Streamer Blizzchung nahm dies zum Anlass, um im Blizzard-Stream seine Unterstützung für die Proteste kundzutun. "Liberate Hongkong", sagte er und zeigte sich in einer Maske, die zu einem Erkennungssymbol der Protestler geworden ist. Blizzard, die Meinungsfreiheit, Diversität und persönliche Entfaltung propagieren, reagierte prompt: Blizzchung wurde für ein Jahr gesperrt, seine Preisgelder wurden gestrichen und auch die beiden völlig unbeteiligten Moderatoren des Streams wurden gesperrt. Als offizieller Grund angegeben wurde, dass man politische Meinungen in Streams, welche Gesellschaftsgruppen beleidigen könnten, nicht dulde. Inwiefern die chinesische Regierung eine Gesellschaftsgruppe ist, wurde nicht erklärt, denn natürlich geht und ging es nur um diese. Andere Streamer, die sich zu anderen Themen zu Wort meldeten, hatten in der Vergangenheit schließlich keine Repressalien zu fürchten. Nein, wie für so viele andere Unternehmen ist auch für Blizzard China ein extrem wichtiger Markt. Dort aktiv sein kann man aber nur, wenn man es sich mit der Regierung nicht verscherzt. Meinungsfreiheit also gerne - aber nur, solange sie die Geldbörsen der Unternehmen nicht tangiert.
Der Aufschrei nach der Aktion war riesig und ging weit über die Videospielewelt hinaus. Blizzard hatte wohl mit etwas Kritik gerechnet, aber nicht mit diesem epochalen Shitstorm. Kleinlaut halbierte man die Dauer der Sperre einige Zeit später und gab Blizzchung sein Preisgeld zurück. Das reichte den empörten Menschen im Internet aber nicht. Gefordert wurde eine völlige Rehabilitierung Blizzchungs, die Blizzard allerdings verweigerte. Stattdessen wurde während der Blizzcom 2019 reumütig gesagt, dass man einen Fehler gemacht habe, ohne dass man Details nannte oder erklärte, warum man denn dann die Sperre nicht einfach ganz zurücknahm. Stattdessen hustete man diese Nicht-Entschuldigung heraus und zeigte dann ein paar Trailer zu Diablo, Overwatch und Co, in der Hoffnung, dass niemand diese schwammigen Aussagen hinterfragen würde. Vor Ort klappte diese Strategie leider recht gut, aber im Anschluss wurde die Kritik an Blizzard zu Recht wieder laut. Entweder man steht für Meinungsfreiheit, wie sie Blizzchung im Rahmen des Streams friedlich geäußert hat, oder man zieht den Schwanz ein und verrät seine eigenen angeblichen Prinzipien. Blizzard hat sich für Letzteres entschieden.
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