Professor Layton und das unmögliche Spiel: Serien-Rückblick Seite 6

Special Ronja Häußer Michael Grünwald
Professor Layton und das unmögliche Spiel: Serien-Rückblick Seite 6
Quelle: Level-5

Als etwas verspätetes Geburtstagsgeschenk zum 15. Jubiläum von Professor Layton lüften wir für euch das Rätsel um das Spiel, das kein Spiel sein sollte.

In diesen Orten vereinen sich die einzelnen Aspekte der Reihe und entfalten sich zu voller Größe. Es gibt das große Mysterium, das wie ein Eisensuppennebel über den Dörfern und Städten hängt und jedem eine eigene melancholische Atmosphäre verleiht. Es gibt aber auch Gruppen von Menschen, die über die verfluchten Straßen wandeln und es scheint so, als hätten sie nichts anderes zu tun, als sich ein Rätsel nach dem anderen auszudenken. So verrückt das Konzept in der Theorie auch klingt, es funktioniert. Wir kommen in einer fremden Stadt an. Sie ist nicht unfassbar riesig, aber gerade weil wir immer dieselben Straßen abklappern, wird sie uns nach und nach vertrauter. Wir wissen, wo wir hinmüssen, um eine bestimmte Person zu finden. Wir kennen den besten Weg, um zum nächsten Storyabschnitt zu kommen und wir wissen, wo sich vielleicht ein neues Rätsel verstecken könnte.

Wenn wir mit einem Teil der Umgebung bekannt geworden sind, kommt ein neuer hinzu. Stück für Stück lernen wir die Stadt oder das Dorf zu verstehen, bis wir sie eigentlich gar nicht mehr verlassen wollen. Aber wir lernen nicht nur die Straßen kennen, sondern eben auch die Leute, die sie bewohnen.

Mit jedem weiteren Titel in der Layton-Hexalogie erfahren wir mehr über Laytons Leben und dessen glückliche, aber vor allem auch traurige Momente. Quelle: Level-5 Mit jedem weiteren Titel in der Layton-Hexalogie erfahren wir mehr über Laytons Leben und dessen glückliche, aber vor allem auch traurige Momente. Mit jeder neuen Handlung tritt ein neues Set Hauptcharaktere auf die Bühne, die in den Plot involviert sind. Auch wenn sie innerhalb des Spiels vergleichsweise wenig im Rampenlicht stehen, bleiben sie und ihre Geschichten noch lange in Erinnerung. Professor Layton ist der Protagonist des Spiels, aber das Finale dreht sich nie nur um ihn, selbst, wenn es um seine Hintergrundgeschichte geht. Wir können deshalb theoretisch auch jeden Teil unabhängig von den anderen spielen.

Doch es gibt auch wiederkehrende Charaktere. Flora und später (oder früher) Emmy begleiten den Professor und Luke auf ihren Abenteuern, und auch Scotland Yards kompetenteste Inspektoren mischen mit. Dann gibt es natürlich noch Oma Enygma und Schnurrbert - definitiv die Stars der Show. Und auch wenn die Handlungen und Settings stets neu sind, haben entweder Don Paolo oder Descole sicherlich ihre Hände im Spiel.

Der Teekoffer ist ein persönlicher Favorit unter den Minispielen. Das liegt hauptsächlich an der Art und Weise, wie Luke und Layton verpatzte Kreationen kommentieren. Aber ernsthaft, Tee sollte nicht schäumen! Quelle: Level-5 Der Teekoffer ist ein persönlicher Favorit unter den Minispielen. Das liegt hauptsächlich an der Art und Weise, wie Luke und Layton verpatzte Kreationen kommentieren. Aber ernsthaft, Tee sollte nicht schäumen! Der Hauptcast an Charakteren in den Spielen ist unfassbar elegant geschrieben und erinnerungswürdig. Das Erstaunliche ist aber, dass dies in kleinerem Maße auch für jeden einzelnen NPC gilt. Es ist so oft der Fall, dass in Spielen - gerade in RPGs - Dörfer von generischen, namenlosen Dorfbewohnern bevölkert werden, die so interessant sind wie Toastbrot.

Egal ob Misthallery, St. Mystere, Folsense, Monte d'Or oder London, wir finden überall Persönlichkeiten, und zwar mit einem großen P. Jede und jeder von ihnen ist auf eine eigene Art einzigartig. Das liegt zum großen Teil an den oft unkonventionellen und biologisch etwas fragwürdigen Designs. Zusätzlich haben aber auch alle eine eigene Persönlichkeit, die beeinflusst, wie sie mit Layton und seiner Truppe sprechen.

Das ist besonders schön, wenn wir im Rahmen von Minispielen mit ihnen interagieren. In Professor Layton und die Schatulle der Pandora bekommst du einen Teekoffer und machst dich auf, die Bewohner von Folsense mit frisch gebrühtem Tee zu versorgen. Das gibt dir nette kleine Einblicke in das Leben der Leute.

Außerdem ist das Teekochen selbst unfassbar spaßig und dazu noch begleitet von den lustigsten Dialogen in der gesamten Reihe. Die Minispiele sind natürlich nicht der Fokus und es wird immer welche geben, die uns nicht wirklich liegen. Aber zum Glück gibt es in jedem Teil mindestens drei und es ist immer etwas Gutes dabei. Vom Training eines fetten Hamsters bis zu einer Hobbytätigkeit als Fashion-Designer wird so ziemlich alles geboten.

Finden kann man diese Minispiele im Koffer. Hier liegen sie zwischen Optionen, unaufgedeckten Geheimnissen, einem Rätsellogbuch und natürlich den Notizen des Professors. Der pflichtbewusste, vollberufliche Hobby-Detektiv dokumentiert die Geschehnisse fleißig mit und gibt uns dabei auch einen kleinen Einblick in seine eigenen Gedanken.

Die Meisten werden aber noch die darin gelesen haben. Es ist ein einfacher Zusatz, um Spielern zu erleichtern, ihren Platz im Spiel zu finden. Ähnlich wie die Geheimnisse sorgen sie für eine bestimmte Struktur der Handlung, die bei der Orientierung helfen soll. Als weitere Stützen gibt es, sobald wir das Spiel starten, einen kleinen "Was bisher geschah"-Rückblick, wie man ihn etwa aus Streaming- und TV-Serien kennt, und eine kleine Notiz zum nächsten Objektiv auf dem oberen Bildschirm.

In den ersten vier Layton-Titeln bewegen wir uns mithilfe gelber Pfeiltasten von Hintergrundbild zu Hintergrundbild.&nbsp;Später wird diese Mechanik durch eine Karte ersetzt, auf der wir auch weitere Strecken zurücklegen können.<br> &nbsp; Quelle: Level-5 In den ersten vier Layton-Titeln bewegen wir uns mithilfe gelber Pfeiltasten von Hintergrundbild zu Hintergrundbild. Später wird diese Mechanik durch eine Karte ersetzt, auf der wir auch weitere Strecken zurücklegen können.
 
Das sind alles weitere Ideen von Akihiro Hino. Der Nintendo DS ist dafür designt, dass oft nur für kurze Zeit gespielt und er dann wieder weggelegt wird. Das macht es leicht, den eigenen Spielfortschritt zu vergessen und die Orientierung zu verlieren. Das Entwicklerteam war frustriert von den eigenen Erfahrungen mit Spielen, bei denen sie Zeit verloren, nur um herauszufinden, was sie als Nächstes machen müssen. Das sollte in Professor Layton anders sein, auch wenn das bedeutete, Spielekonventionen zu brechen.

Für Gamer wäre es schließlich langweilig, immer gesagt zu bekommen, wo sie als Nächstes hinmüssen. Aber, das Spiel sollte ja gar nicht für Gamer sein. Es sollte zugänglich sein, und zwar für Leute ohne jegliche Erfahrung mit Videospielen. Seine Mitarbeiter zweifelten Hinos Entscheidung lange an. Die Sorge war, dass das Spiel, das sie kreieren, irgendwann gar kein Spiel mehr sein würde. Hinos einfache Antwort darauf war: "Das muss kein Spiel sein."

Und diese Aussage ergibt so viel Sinn. Es ist kein Spiel beziehungsweise keine Spielereihe. Professor Layton ist viel mehr als das. Es ist ein Rückzugsort. Eine Parallelwelt, in der es für jedes Problem eine Lösung gibt, egal wie unwahrscheinlich diese auch sein mag. Ein wunderschönes Fantasie-Europa, für dessen Einbürgerungstest man beweisen muss, dass man immer ein Rätsel parat hat, wenn man von Fremden angesprochen wird.

Eine Welt, in der man sich in einem Moment um einen fetten Hamster mit dem breitesten Berliner-Akzent kümmert und im anderen mit den melancholischsten Schicksalen konfrontiert wird. Es mag eine Serie sein, die für ein neues Publikum aus Gelegenheitsspielern konzipiert wurde, aber das bedeutet nicht, dass sie qualitativ nicht hochwertig wäre.

Professor Layton ist wundervoll, gerade weil seine Spiele von jeder und jedem ohne Probleme gespielt werden können und wir trotzdem merken, wie viel Mühe und Liebe in ihnen steckt. Ja, wir bekommen gesagt, wohin es als Nächstes geht, aber das bedeutet nicht immer, dass wir auch tatsächlich dort hingehen müssen. Es gibt keine anderen Spiele, die so sind wie die existierenden Professor-Layton-Teile und so wie es gerade aussieht, wird es vielleicht auch keine mehr geben. Also, worauf wartest du noch?

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