Zerschlagt die Gaming-Monopole! Darum muss alle Macht den Gamern gehören
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Die Macht im digitalen Raum liegt in den Händen einiger Weniger - das gilt auch für Videospiele. Wie das politische Eingreifen diese Machtstrukturen aufbrechen kann und was das für Spieler bedeutet.
Alternativen?
Am Horizont sind aber auch schon weitere Alternativen in Sicht, die weder klassisch über Algorithmen noch über Influencer funktionieren. Im Gespräch mit Opera haben wir über mögliche Wege gesprochen, wie der Markt in Zukunft funktionieren kann. 2021 kaufte das Unternehmen hinter dem gleichnamigen Browser die Entwicklerplattform GameMaker. Kostengünstig und teils gratis können angehende Programmierer und Designer sich hier ausprobieren und kleinere Spiele erstellen. Diese wiederum können auf dem Marktplatz von Opera GX geteilt werden - einem Browser extra für Gamer. Im Gespräch mit dem Executive Vice President of Desktop and Gaming, Krystian Kolondra, haben wir gefragt, nach welchen Regeln das Unternehmen diese Inhalte empfehlt, immerhin reden wir von derzeit über 9.000 Anwendungen.
Quelle: Opera
Krystian Kolondra, EVP Browsers bei Opera
Die Antwort ist überraschend old-school: Aktuell kümmert sich ein Team händisch darum, was wo auf der Seite zu sehen ist. In Zukunft wird ein Empfehlungssystem dazukommen, in dem Spieler Punkte vergeben und so zeigen können, wenn ein Spiel besonders gut ist.
Dass Opera sich so an menschlicher Expertise orientiert und nicht voll auf Algorithmen setzt, ist überraschend. Immerhin investiert das Unternehmen viel Zeit und Geld, um KI im hauseigenen Browser einzubinden und arbeitet an Automatisierungsprozessen. Die künstliche Intelligenz Aria kann innerhalb der verschiedenen Opera-Browser nicht nur auf Fragen antworten, sondern auch Bilder generieren und soll demnächst sogar in der Lage sein, den Browser selbst zu steuern. Das umfasst dann etwa Befehle wie das Schließen oder Stummschalten bestimmter Tabs.
Intelligente Empfehlungen
Entsprechend haben wir uns bei Krystian erkundet, inwiefern KI selbst eine Art Empfehlungsfunktion neben Influencern einnehmen kann.
In Zukunft kann er sich tatsächlich vorstellen, dass Opera mit der eigenen KI so eine Funktion einführen wird, aktuell sei daran aber nicht zu denken. Denn KI verstehe nicht, warum manche Spiele sich besser anfühlen als andere. Außerdem müsste sie dafür eine Menge Daten über die Nutzer sammeln.
Um eine Meuterei sämtlicher Datenschutzbeauftragter zu vermeiden, wäre daran erst zu denken, wenn zumindest Teile der KI lokal auf den Rechnern der Nutzer laufen, und auch daran muss erst noch geforscht werden. Aktuell hat Opera eine Website erstellt, über die man testen kann, ob die eigene Rechner-Hardware überhaupt KI-fähig ist. Damit möchte das Unternehmen herausfinden, was es an Hardware eigentlich braucht, um Sprachassistenten, sogenannte Large Language Models wie ChatGPT, auf dem PC laufen lassen zu können.
Zusammengefasst heißt das: Wir sind noch nicht so weit, die Bemühungen laufen aber schon. Wir können also damit rechnen, dass über kurz oder lang jeder seine eigens auf ihn abgestimmte KI hat, die ihm dann auch persönliche Empfehlungen geben kann. Klingt je nach der eigenen Einstellung zum Thema utopisch oder dystopisch - ist im Grunde aber das gleiche wie Empfehlungsalgorithmen, die Shop-Seiten schon seit Jahren verwenden.
Vom Regen in die Traufe?
Spürbar etwas ändern wird sich für den Spieler am Ende wenig, außer, dass er weiterhin hinterfragen sollte, was er von wem vorgeschlagen bekommt. Das Ränkespiel zwischen den Technikriesen und politischen Institutionen sorgt erst einmal nur dafür, dass sich verschiebt, wer jetzt das große Geld in die Taschen bekommt. Wirklich Angst, dass jemand gegen die Interessen von Gamern handelt, braucht man wohl nicht zu haben.
Im Vergleich zu anderen Gruppen sind Gamer nämlich eine ganz besondere Art von Konsumenten, die sich anders verhalten als sämtliche Vergleichsgruppen, wie uns sowohl Chris Meredith von Xsolla als auch Krystian Kolondra unabhängig voneinander bestätigten: Gamer informieren sich, Gamer haben bestimmte Vorstellungen, und Gamer werden wütend, wenn sie das Gefühl haben, sie werden hinters Licht geführt.
Dazu kommt, dass Videospieler sehr stark vernetzt sind, etwa durch Plattformen wie Discord und Reddit, und sich somit anders organisieren als andere Konsumentengruppen. Die Aussicht auf Review-Bombings oder Angriffe auf den ganzen Finanzmarkt, wie im Falle Gamestop, lösen präventiv Panik bei Gaming-Unternehmen aus.
Doch egal, wie viel man durch einen entsprechenden Volksaufbegehr auch erreichen kann, es sollten trotzdem sinnvolle Regulierungen seitens der Politik kommen. Wenn diese dann tatsächlich für einen offeneren Markt sorgen, mehr Wettbewerb erlauben und Spiele dadurch vielleicht sogar besser werden, wird sich wohl niemand beschweren.
Aktuell ist der relevanteste Schritt aber, dass den Politikern die Tragweite ihrer Handlungen auch wirklich bewusst wird. Denn wo sie bei Apple durchaus eine Gefahr wahrnehmen, scheint das beim Beispiel Microsoft nicht der Fall zu sein. Dass Videospiele überhaupt durch den DMA betroffen sind, ist eher ein Nebeneffekt, den in der EU kaum jemand auf dem Schirm hat. Währenddessen schaut die Gaming-Industrie mit Argusaugen auf Brüssel und Straßburg. Und wir Gamer tun gut daran, weiterhin auf die Industrie zu schauen.
