Zerschlagt die Gaming-Monopole! Darum muss alle Macht den Gamern gehören

Special Antonia Dreßler
Zerschlagt die Gaming-Monopole! Darum muss alle Macht den Gamern gehören
Quelle: Mit Adobe KI erstellt und bearbeitet

Die Macht im digitalen Raum liegt in den Händen einiger Weniger - das gilt auch für Videospiele. Wie das politische Eingreifen diese Machtstrukturen aufbrechen kann und was das für Spieler bedeutet.

Die Akte Microsoft

Aber die EU hat auch andere Zielscheiben, auf die sie zu schießen gedenkt. Ganz vorn mit dabei ist Microsoft. Mit dem weltweit beliebtesten Betriebssystem für Desktops ist MS Windows eine unumgängliche Schnittstelle für Entwickler, Unternehmen und Konsumenten. Entsprechend muss laut EU-Kommission auch Microsoft die Pforten öffnen und darf die Marktmacht nicht nutzen, um die eigenen Produkte nach vorne zu stellen.

Das wäre zumindest so, wenn der Konzern nicht so wahnsinnig begabte Schauspieler in seinen Reihen hätte, anders lässt sich Folgendes nämlich nicht erklären: Microsoft hat die EU davon überzeugt, dass der Edge-Browser und Bing als Suchmaschine so klein, unwichtig und erfolglos sind, dass sie am Markt eh keine Bedrohung darstellen.

Ob bei der entsprechenden Anhörung ein Geigenspieler traurige Töne gespielt und jemand heulend in sein Taschentuch geschnieft hat? Die EU-Kommission hat in jedem Fall bestätigt, dass Edge und Bing nicht unter den DMA fallen. Dementsprechend kann Microsoft die eigenen Produkte weiterhin bevorzugt behandeln und Leute unterschwellig dazu bewegen, die entsprechenden hauseigenen Produkte zu nutzen.

Tagung im EU-Parlament Quelle: PC Games Die EU greift ein, aber nicht alle Entscheidungen sind nachvollziehbar. Zum Beispiel dass Bing und MS Edge nicht unter den DMA fallen Mit Blick auf Google ergibt das auch irgendwo Sinn. Denn wenn man dem zweiten Platz im Rennen um die Internetvorherrschaft das Leben schwer macht, bevorteilt man die Nummer eins. Allerdings ist das unfair gegenüber allen Marktteilnehmern, die keine so vorteilhafte Ausgangslage haben wie Microsoft. Zu diesen Wettbewerbern gehört auch das norwegische Unternehmen Opera, das als Browseranbieter im ständigen Wettkampf gegen Edge und Chrome hinter dem DMA steht. Dort findet man die Entscheidung der EU gar nicht nachvollziehbar und schleift die EU-Kommission so vor das Gericht der Europäischen Union. Hier soll noch einmal richterlich geklärt werden, ob Edge nun als Microsoft-Produkt relevant genug ist, um von Microsoft selbst bevorteilt zu werden.

Zu viel Macht den Großen

Das ist ein Problem, weil die getroffenen Entscheidungen exemplarisch für das gesamte Gesetz gelten. Wenn Apple und Microsoft jetzt ihren Kopf durchsetzen, können sie das auch in Zukunft tun. Potenziell betrifft das dann Produkte wie Xbox und sämtliche Spielemarken, die MS in den letzten Jahren eingekauft hat. Es liegt bei Microsoft, ob The Elder Scrolls, Indiana Jones, Call of Duty und Diablo nur noch im eigenen Ökosystem erscheinen und der Rest leer ausgeht.

So sieht es der freie Markt vor: Wem etwas gehört, der kann damit erst einmal machen, was er will. Wenn Microsoft nicht aufhört, Studios zu kaufen, ist das erst mal bedenklich. Und es wird problematisch, wenn Xbox anfängt, Preise zu diktieren, weil alles dem Unternehmen dahinter gehört.

Ein Aufhorchen gab es von politischer Seite dazu bereits, als der Activision-Blizzard-Deal über die Bühne ging. Aber zum Unmut der amerikanischen Aufsichtsbehörde hat auch hier die EU zugunsten Microsofts entschieden. Der Deal, der damals über die Bühne ging, bezog sich hauptsächlich auf zukünftige Cloud-Gaming-Strukturen. So muss Microsoft anderen Cloud-Anbietern die Möglichkeit gewähren, Activision-Blizzard-Spiele zu streamen -allerdings nur in der EU. Für alle anderen Länder hält Ubisoft nun die Cloud-Streaming-Rechte, wie die Aufsichtsbehörde in UK forderte.

Zwei Männer in einer hellen Umgebung, Rücken an Rücken mit großen Feuerwaffen in der Hand und im Hintergrund brennenden Gegenständen Quelle: Activision Call of Duty könnte in Zukunft nur noch für Xbox erscheinen und über Streamingdienste in der Cloud spielbar sein. Von außen stellt sich die Frage, ob der Deal so überhaupt hätte über die Bühne gehen dürfen, wenn ein derartig kompliziertes Rechtskonstrukt nötig ist, um ein Machtungleichgewicht zu verhindern. Aus Sicht der politischen Kreise selbst scheint das alles nicht so wild zu sein. Denn nach 15 Jahren löst sich die gesamte Vereinbarung ohnehin in Wohlgefallen auf und Microsoft kann machen, was der Konzern will. Dass er dann letztlich doch die ganze Marktmacht in Händen hält, ist zwar jetzt schon klar abzusehen, aber eben auch ein Problem von morgen.

Die Konkurrenz im Auge

Dem gegenüber stehen Sony und Nintendo, die den Kampf gegen den amerikanischen Technikriesen aufrechterhalten und ebenfalls nicht am Hungertuch nagen. Allerdings kann man auch hier nicht davon reden, dass die beiden Unternehmen mit fairen Mitteln spielen.

Nintendo hält sich aus dem ganzen Machtkampf heraus und macht ein eigenes Ding. Das Ökosystem der Firma ist ähnlich aufgebaut wie jenes von Apple. Kein Produkt kommt ohne Nintendos Einwilligung herein oder heraus - entweder man macht mit, oder man hat Pech gehabt. Eigentlich kein Problem. Zumindest solange die vorteilhafte Marktstellung nicht ausgenutzt wird. Dazu ließ sich Nintendo im Falle von Animal Crossing verleiten. Man braucht mehrere Konsolen in einer Familie, wenn jeder das Cozy-Spiel in vollem Umfang spielen will, ansonsten teilt man sich die Spielwelt nämlich nur. Und nur die erste Person, die das Spiel gestartet hat, kann tatsächlich alle Handlungen im Spiel vornehmen. Die einzige Lösung? Mehrere Nintendo Switch kaufen. Wem das nicht passt, braucht es ja nicht zu spielen. Nintendos Devise: friss oder stirb.

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