Zerschlagt die Gaming-Monopole! Darum muss alle Macht den Gamern gehören

Special Antonia Dreßler
Zerschlagt die Gaming-Monopole! Darum muss alle Macht den Gamern gehören
Quelle: Mit Adobe KI erstellt und bearbeitet

Die Macht im digitalen Raum liegt in den Händen einiger Weniger - das gilt auch für Videospiele. Wie das politische Eingreifen diese Machtstrukturen aufbrechen kann und was das für Spieler bedeutet.

Gaming ist einer der lukrativsten Wirtschaftszweige. Das hat jeder, der etwas mit Videospielen zu tun hat, verstanden. Wenig verwunderlich möchte jeder etwas vom Kuchen abhaben und jeder Technikgigant hat seine Hand im Spiel, wenn es ums Zocken geht. Spätestens, seitdem Microsoft Activision-Blizzard-King für die horrende Summe von 70 Milliarden Dollar aufgekauft hat, ist das auch in politischen Kreisen angekommen. Für die ist Gaming oft ein technologisches Nebenprodukt, das man vor allem aus Gründen des Kinderschutzes im Auge behalten muss.

Beinahe zufällig brachte die EU mit dem Digital Markets Act (DMA) ein Gesetz auf den Weg, das große Spielunternehmen aufhorchen ließ. Der DMA betrifft die namhaften Technikgiganten aber eigentlich nur im Allgemeinen und kommt im Bereich Core-Gaming bislang nicht wirklich zum Tragen.

Wer auf Playstation, Xbox oder PC spielt, ist also nicht betroffen - das könnte sich in Zukunft aber ändern. Denn während Apple in allem herumstochert, was nur im Entferntesten wie eine Gesetzeslücke aussieht, spielen auch Gaming-Firmen wie Microsoft schon jetzt Seilspringen mit der neuen Regelung.

Und bis jetzt hat die EU nicht einmal bedacht, dass auch die Gaming-Industrie mit Steam große Fische hat, die de facto eine Monopolstellung innehaben. Bekommt der Europäische Bund das mit, müsste sich Steam ebenfalls bestimmten Vorgaben beugen. Und das könnte Einfluss darauf haben, wie die Spieleindustrie funktioniert. Aber bevor wir anfangen, zu spekulieren, schauen wir uns erst einmal an, was der DMA, oder zu Deutsch das Gesetz für digitale Märkte, bereits für Auswirkungen hat.

Frau in schwarz schaut konzentriert, während sie einen Controller in der Hand hält Quelle: Erstellt mit KI (Adobe Firefly) Mit dem DMA hatten Politiker großen Technikgiganten auf dem Schirm - aber welche Auswirkungen treffen die Gaming-Landschaft.

Der große Apfel

Eigentlich ist der DMA dafür da, um sogenannten Gatekeepern ihre absolute Macht am Markt wegzunehmen und einen fairen Wettbewerb zu ermöglichen. Das bedeutet konkret, dass etwa Apple anderen Anbietern erlauben muss, eigene App Stores fürs iPhone herauszubringen, oder dass man auf Handys von Google nun gefragt wird, welchen Browser man als Standard gesetzt haben will.

Die Idee dahinter ist, dass Nutzer ihre Plattformen selbst auswählen können, ohne Hürden überwinden zu müssen. Sprich: kein Suchen und umständliches Side-Loading mehr von Alternativprogrammen, die nicht nativ auf dem Telefon vorprogrammiert sind.

Diese Auswirkungen betreffen Gaming vor allem im Bereich Mobile - also dem Sektor, der im Vergleich zu Konsolen und PC-Spielen das meiste Geld abwirft. So reibt sich Epic beispielsweise die Hände, denn Apple kann dem Unternehmen nicht mehr verbieten, seinen Store für IOS zu launchen. Fortnite war auf dem Betriebssystem lange Zeit nämlich nicht verfügbar, weil sich der Publisher weigerte, von jedem Kauf 30 Prozent an Apple abzudrücken. So hoch sind die Gebühren, die der silberne Apfel für jede getätigte Transaktion über seinen Store verlangt.

Apps auf einem Handy-Bildschirm Quelle: Pexels Apple muss durch den DMA auch SIdeloading erlauben, also dass man Apps aus Quellen herunterladen kann, die nicht von Apple selbst kommen. Epics Boykott ist sehr verständlich, wenn man sich mal zu Gemüte führt, wie Apple sich verhält. So war es vor dem DMA nicht möglich, innerhalb des App Stores oder sogar den Apps selbst auf Angebote außerhalb des Apple-Systems zu verweisen. Kauft jemand einen Skin oder ein Abo über etwa den PC-Browser, kann Apple nämlich keine Anteile einfordern. Das wollte Apple geheim halten.

Damit wäre nun theoretisch Schluss, wenn Apple nicht alles tun würde, um die Kuh weiter zu melken.

Wenn man jetzt einen Link anklickt, der sich irgendwo in Apples System befindet, verhält er sich wie ein Affiliate-Link. So will Apple weiterhin bis zu fünf Prozent Anteile bekommen - bei Abos bis zu einem Jahr.

Eine Flucht in die alternativen App Stores wäre möglich, doch auch hier biegt Apple die Regeln. So verlangt man von Entwicklern, die Anwendungen außerhalb von Apples hauseigenem Store anbieten, eine Gebühr: 50 Cent pro Installation. In Zeiten, in denen Apps in der Regel kostenlos sind und teils millionenfach heruntergeladen werden, absoluter Irrsinn. Dementsprechend prüft die EU, ob Apple gegen den DMA verstößt. Einfach sagen lässt sich das nicht, denn bürokratische Mühlen mahlen langsam.

Apples Verhalten zeigt auf verstörende Weise, was es heißt, wenn man sich im Ökosystem des Konzerns befindet. Es gibt kein Entrinnen und selbst die Drohung, dass die EU es aus einem der wichtigsten Märkte der Welt verbannt, hält eines der mächtigsten Unternehmen nicht davon ab, Schindluder zu treiben.

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