Zerschlagt die Gaming-Monopole! Darum muss alle Macht den Gamern gehören
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Die Macht im digitalen Raum liegt in den Händen einiger Weniger - das gilt auch für Videospiele. Wie das politische Eingreifen diese Machtstrukturen aufbrechen kann und was das für Spieler bedeutet.
Sony ist zwar offener, was die eigenen Spiele angeht, sodass sie oftmals nach einiger Zeit auch auf PC erscheinen, allerdings greift das Unternehmen im Hinblick auf Hardware zu unlauteren Mitteln. Wer für die Playstation 4 einen Dritthersteller-Controller nutzt, erhält regelmäßig Nachrichten darüber, dass irgendwas mit dem Endgerät nicht stimme. Manche Controller können die Verbindung zur Konsole nicht halten, oder schalten sich ab. Das ist aber kein Versagen der entsprechenden Hersteller, sondern sind Machenschaft von Sony, da absichtliche Hürden in ihre Systemsoftware einbauen.
Für diesen unlauteren Wettbewerb hat das japanische Unternehmen sogar Strafen zahlen müssen, denn dieses Vorgehen ist auch ohne den DMA illegal. So sieht das zumindest die französische Wettbewerbsbehörde, die über 13 Millionen Euro von Sony verlangte. Die EU könnte mit ihrem Gesetz nun dafür sorgen, dass der Markt noch ein bisschen fairer wird und Produkte dementsprechend auch günstiger. Aktuell können die wenigen Konsolenhersteller die Preise nämlich weitestgehend vorgeben, einfach, indem sie Drittanbieter aus ihren Ökosystemen heraushalten.
Happy Case - der DMA greift und alle sind gleich
Eine Welt, in der es den DMA nicht gibt, besteht aus viel Macht bei wenigen Herstellern. Man könnte auch vom Ist-Zustand sprechen. Dem gegenüber steht, dass das Gesetz bereits jetzt eine Wirkung entfaltet. Immerhin haben wir festgestellt, dass Google andere Browser vorschlägt, wenn man Google-Handys nutzt - ein kleiner Schritt in die richtige Richtung?
Im Gespräch mit Xsolla schaut man positiv in die Zukunft. Das Unternehmen agiert im Hintergrund der Gaming-Branche und bietet Entwicklern Werkzeuge, ihre Spiele zu monetarisieren. Außerdem kundschaftet Xsolla Märkte aus und greift auf ein Netz von Influencern zurück. So bietet die Firma Indie-Entwicklern erst die Möglichkeit, potenzielle Spieler zu erreichen.
Quelle: Xsolla
Chris Meredith, SVP EMEA bei Xsolla
Für Chris Meredith, SVP EMEA bei Xsolla, ist der DMA ein Segen, denn er gibt kleineren Studios eine faire Chance am Markt. So können App- und vielleicht sogar Gaming-Stores wie Steam am Ende gezwungen sein, ihre Algorithmen aufzubrechen und alle Spiele gleichwertig zu behandeln.
Dass Steam aktuell nicht vom DMA betroffen ist, hat keinen klaren Grund. Die Voraussetzung dafür sind mehr als 45 Millionen monatliche Nutzer innerhalb der EU und eine signifikante Marktstellung. Über Letzteres brauchen wir nicht zu streiten, über die Nutzerzahlen aber schon. Immerhin hat Steam weltweit über 130 Millionen Spieler - und gilt innerhalb Europas als sehr beliebt.
Steam umgeht die wachsamen Augen der EU auf zwei Wegen - der Storefront-Monopolist legt nicht die Zahlen vor, die nach EU Verordnung als monatliche Nutzer gelten - und er ist innerhalb der politischen Kreise nicht wirklich bekannt. Das mussten wir feststellen, als wir letztes Jahr in Brüssel zu Besuch waren und direkt mit einigen Politikern über den DMA sprachen. Auf unsere Frage, ob neben Alphabet, Microsoft, Apple und Co. auch Steam betroffen sei, antwortete man uns mit der Rückfrage, was das genau für eine Plattform sei.
Chris Meredith spricht davon, dass auch kleinere Studios so eine höhere Überlebenschance haben, selbst wenn sie keine Kooperation mit den großen Namen eingehen. Es reiche nicht mehr, ein guter Entwickler mit einem guten Spiel zu sein, wenn man nicht gleichzeitig Aufmerksamkeit auf sich ziehen kann. Und die wird von Algorithmen ausgegeben, die wiederum von den Unternehmen geschrieben werden, die der Digital Market Act ins Auge fasst.
Es ist aber kein Wunder, dass Firmen wie Xsolla die Entwicklung positiv sehen. Denn wenn man etablierten Plattformen die Macht wegnimmt, Aufmerksamkeit zu steuern, herrscht erst einmal Wilder Westen. Sprich, Machtverhältnisse werden neu ausgewürfelt und kleinere Unternehmen können sich potenziell mehr vom Kuchen abschneiden.
Keine Orientierung
Aber wenn jeder grundsätzlich alles vorgelegt bekommt und Empfehlungsalgorithmen ausfallen, sind die Konsequenzen nicht nur positiv, vor allem für die Nutzer. Menschen sind nämlich schlecht darin, eine Auswahl zu treffen, wenn sie zu viele Möglichkeiten vorgesetzt bekommen - das sogenannte Auswahlparadox lähmt uns bereits ab sechs bis acht gleichwertigen Wahlmöglichkeiten.
Wenn man nun bedenkt, dass es immer mehr Spiele gibt, und diese ungefiltert allen Usern zur Wahl gestellt werden, führt das zu Überforderung. Für dieses Problem gibt es jetzt zwar schon eine Lösung, die aber nicht allen gefällt. Denn neben den internen Empfehlungsstrukturen von Gaming-Stores gibt es externe Alternativen.
Influencer dienen als Aufmerksamkeitsinseln, die spezialisiert auf bestimmte Genres Empfehlungen abgeben und Spielern Orientierung geben. Sollte der DMA Erfolg haben, werden Influencer noch einmal wichtiger. Und wer dann hinter den einflussreichen Gesichtern steht, gewinnt. Neben Influencer-Agenturen sind das Unternehmen wie eben Xsolla, die schon lange ihre Netzwerke pflegen und kleinen Studios Zugriff auf große Communitys gewähren.
Monetär funktioniert das über die prozentuale Beteiligung an Verkäufen. Kauft also ein Spieler einen Key über den Link eines Influencers, erhält der, sowie Xsolla einen Anteil an der Summe und jeder hat gewonnen. Das ist natürlich nichts anderes als Werbung. Aber wo konventionelle Werbung Geld kostet und so vor allem denen zugänglich ist, die bereits Geld haben, dreht man das System hier um. Zwar müssen auch hier Entwickler eine Kooperation eingehen, um Aufmerksamkeit zu bekommen, aber sie müssen immerhin nicht monetär in Vorleistung gehen.
