Metacritic: Die Macht von User-Kritiken - und was davon übrig ist! - Seite 2

Special Olaf Bleich Benedikt Plass-Fleßenkämper Katharina Pache
Metacritic: Die Macht von User-Kritiken - und was davon übrig ist! - Seite 2
Quelle: Medienagentur Plassma

Ultimative Kaufberatung oder problematisches Marktinstrument, das Spiele und Gaming-Kultur verändert? Ein Blick auf Metacritic und die Probleme, die die Plattform auch im Jahr 2022 noch mit sich bringt.

Kommen wir zu den User-Bewertungen. Sie täuschen Authentizität vor, schließlich bewerten hier die Spieler selbst. Das Problem: Metacritic besitzt kaum echte Handhabe, um zu kontrollieren, ob die wertenden Nutzer einen Titel ausreichend oder gar überhaupt gespielt haben. Dadurch ist dem sogenannten Review Bombing - also dem organisierten Abwerten bestimmter Titel - Tür und Tor geöffnet.

Metacritic ging 2020 gegen diese Aktionen vor und erlaubte das Bewerten von Spielen erst 36 Stunden nach dem Release. Stein des Anstoßes war damals eine Kampagne gegen The Last of Us Part 2, bei der vielerorts politische und weltanschauliche Gründe zu niedrigen Wertungen von Seiten bestimmter Teile der Community führten. In Zahlen bedeutete dies unter anderem einen User-Score von 3.4 gegenüber einem durch Pressewertungen entstandenen Metascore von 95. Das verschobene Zeitfenster zum Eintragen der Bewertungen sollte den Nutzern mehr Zeit geben, um die Produkte zu spielen und so die eigene Sicht daraus zu schärfen. Zusätzliche Kontrollmechanismen gibt es aber bis heute nicht, wodurch die User-Scores weiterhin mit Vorsicht zu genießen sind.

Valve geht bei Steam offensiver gegen Review Bombings vor. Hier können sich die Entwickler direkt an das Unternehmen wenden, sollten in kurzer Zeit auffällig viele negative Wertungen aufschlagen. Außerdem wird bei den Berichten klar dargestellt, wie viele Stunden die "Tester" mit dem Spiel verbracht haben.

Was sagen Entwickler und Publisher?

Dass Metacritic und andere Bewertungsmöglichkeiten eine wichtige Rolle spielen, ist auch im Jahr 2022 weiterhin der Fall. Doch vielerorts findet ein Umdenkprozess statt. Schließlich sind gute Meta-Ratings längst keine Garantie für einen Verkaufserfolg, genauso wie ein schlechter Metascore nicht zwangsläufig auch einen finanziellen Flop bedeutet. Matthew Karch, CEO des US-Studios Saber Interactive (World War Z, SnowRunner), stellte etwa zuletzt die Wichtigkeit dieser Daten im Rahmen des Q4-Finanzreports der Embracer Group infrage.

Konamis eFootball 2022 wurde sowohl von der Presse als auch von den Metacritic-Nutzern abgestraft. Trotzdem arbeitet das Team weiter an dem Spiel und liefert regelmäßig Content-Updates.  Quelle: Medienagentur plassma Konamis eFootball 2022 wurde sowohl von der Presse als auch von den Metacritic-Nutzern abgestraft. Trotzdem arbeitet das Team weiter an dem Spiel und liefert regelmäßig Content-Updates.  Auf die lediglich durchschnittlichen Bewertungen für das Actionspiel Evil Dead: The Game angesprochen, stellte Karch fest: "Eine andere Sache, die wir gelernt haben, ist die Tatsache, dass die Tage, an denen Metacritic über die Verkäufe eines Spiels entscheiden, lange vorüber sind." Stattdessen nannte er Social Media, Influencer und auch den Hype für ein Produkt als maßgebliche Treiber. Dabei betonte er auch, dass die Qualität eines Spiels und die Verkaufsperformance nicht zwangsläufig in Relation zueinanderstehen müssen: "(...) Ich kann Titel mit 8er- oder 9er-Wertungen aufzählen, bei denen sich Publisher gewünscht haben, sie hätten diese nie veröffentlicht. Es ist schön, wenn du dir ein derartiges Siegel an die Wand nageln kannst. Aber wenn du dir selbst diesen Nagel nicht leisten kannst, macht die Sache auch keinen Sinn, oder?"

Auch Tymon Smektala, Lead Game Design bei Techlands Endzeit-MMO Dying Light 2, unterstreicht im Interview mit PC Games im Rahmen der Gamescom die Rolle der Community. Dying Light 2 gehört zu den Top 25 der meistgespielten Titel auf Steam und wurde in den ersten fünf Monaten fünf Millionen Mal verkauft.

Die Wertungen auf Metacritic betrachtet Smektala eher aus der Distanz und freut sich darüber, wenn ein Spiel wertgeschätzt wird. "Als Mensch möchtest du wissen, wie deine Arbeit ankommt. Aber nach dem ersten Teil haben wir gelernt, dass Metacritic nicht so wichtig ist wie beispielsweise das Feedback der Community. Mit dem zweiten Teil ist das ähnlich. Die Bewertungen sind für die geschäftliche Seite daher weiterhin von Bedeutung. Für mich persönlich aber sind die Reaktionen der Spieler weitaus wichtiger", erklärte er im Gespräch.

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