Metacritic: Die Macht von User-Kritiken - und was davon übrig ist! - Seite 3

Special Olaf Bleich Benedikt Plass-Fleßenkämper Katharina Pache
Metacritic: Die Macht von User-Kritiken - und was davon übrig ist! - Seite 3
Quelle: Medienagentur Plassma

Ultimative Kaufberatung oder problematisches Marktinstrument, das Spiele und Gaming-Kultur verändert? Ein Blick auf Metacritic und die Probleme, die die Plattform auch im Jahr 2022 noch mit sich bringt.

Dion Rogers, Art Director bei Blizzards Overwatch 2, weicht dieser Frage im Vorfeld der Veröffentlichung des Free2Play-Shooters dagegen eher aus: "Uns geht es vor allem darum, dass die Spieler Spaß an Overwatch 2 haben. Wir möchten sie mit auf eine Reise nehmen - über verschiedene Maps, mit den unterschiedlichen Helden und ihren Geschichten. Alles andere überlassen wir anderen." Sein Kollege Piero Herrera ergänzt, dass er persönlich vor allem die Emotionen und auch Reaction-Videos aus der Community und durch die Creator liebt. Damit stimmt er unbewusst Matthew Karch zu, der Faktoren wie Social Media oder auch Influencer-Arbeit als wichtiger erachtet als Metacritic-Bewertungen.

Jüngste Metacritic-Diskussionen

Die Kreativen hinter den Spielen halten sich also eher mit klaren Aussagen zurück - und das, obwohl es durchaus üblich war beziehungsweise ist, dass ihre Jobs und Gehaltsboni an Metacritic-Bewertungen gekoppelt sind. Dieser Aspekt war schon länger ein offenes Geheimnis, kochte aber infolge der Veröffentlichung von Cyberpunk 2077 erneut hoch.

Ursprünglich waren hier nämlich Bonuszahlungen an die Metacritic-Wertungen geknüpft. Das Spiel erhielt gerade auf dem PC gute bis sehr gute Wertungen und knackte teils sogar die 90er-Grenze. Die Version für die alte Konsolengeneration aber war ein Fiasko und aufgrund der zahlreichen Bugs kaum spielbar. Allerdings wurden auch Stimmen laut, dass CD Projekt Red Cyberpunk 2077 unter hartem Crunch und erschwerten Bedingungen zu Pandemiezeiten fertiggestellt habe.

Bonuszahlungen für das Team wären hier auf Basis von Metacritic nicht selbstverständlich gewesen. Dennoch kündigte Studiochef Adam Badowski an, dass das Team diese auch unabhängig vom Metascore erhalten würde: "Wir besaßen ursprünglich ein Bonussystem, welches auf den Wertungen für das Spiel und dem Release-Datum basierte. Wir glauben aber, dass dies unter den gegebenen Umständen nicht fair ist. Wir haben den Umfang und die Komplexität unterschätzt, die es erfordert, dies (Cyberpunk 2077, Anm. d. Red.) zu bewältigen, und trotzdem habt ihr alles getan, um ein ambitioniertes und besonderes Spiel auf die Beine zu stellen."

Cyberpunk 2077 war gerade auf der alten Konsolengeneration ein Totalschaden. Dieser Metacritic-Absturz hätte die Belegschaft eigentlich ihren hart erarbeiteten Bonus gekostet. Aber aufgrund der Umstände gab CD Projekt Red schlussendlich nach und zahlte dennoch.  Quelle: Medienagentur plassma Cyberpunk 2077 war gerade auf der alten Konsolengeneration ein Totalschaden. Dieser Metacritic-Absturz hätte die Belegschaft eigentlich ihren hart erarbeiteten Bonus gekostet. Aber aufgrund der Umstände gab CD Projekt Red schlussendlich nach und zahlte dennoch.  Wie Journalist und Insider Jason Schreier bei Bloomberg ebenfalls erklärte, habe CD Projekt Red bis dato auf ein vergleichsweise komplexes Bonussystem gesetzt, das vor allem Einzelpersonen bevorteilte, aber zu wenig das gesamte Team. Zudem war es stark an das Erreichen bestimmter Ziele, wie etwa den vorgegebenen Erscheinungstermin gekoppelt. Mit dem neuen System dagegen sollten die Boni dennoch ausgezahlt werden.

Dass Metacritic und sein Einfluss überhaupt öffentlich thematisiert werden, ist eine Seltenheit. Jeff Ross, Director des Zombie-Abenteuers Days Gone, machte sich zu Beginn des Jahres 2022 kräftig Luft. Via Twitter merkte er an, dass Days Gone und US-Entwickler Bend Studio trotz ähnlicher Verkaufszahlen wie Ghost of Tsushima "wie eine Enttäuschung behandelt wurden".

Dies war nicht das erste Mal, dass Kritik auf Basis von Days Gone laut wurde. Game Director John Garvin konstatierte in einem im Frühjahr 2021 veröffentlichten Interview: "Die Realität bei Sony lautet: Metacritic ist alles. Wenn du Creative Director einer Marke bist, die nur einen 70er-Metascore erhält, dann wirst du nicht mehr lange Creative Director dort sein." Auf Nachfrage, ob man sich schlechte Metacritic-Bewertungen erlauben könne, solange die Verkäufe gut seien, zog Garvin den Vergleich zu Disney: "Als Disney kannst du dir es nicht leisten, einen schlechten Film abzuliefern, selbst wenn ihn noch viele Leute sehen."

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