Metacritic: Die Macht von User-Kritiken - und was davon übrig ist!

Special Olaf Bleich Benedikt Plass-Fleßenkämper Katharina Pache
Metacritic: Die Macht von User-Kritiken - und was davon übrig ist!
Quelle: Medienagentur Plassma

Ultimative Kaufberatung oder problematisches Marktinstrument, das Spiele und Gaming-Kultur verändert? Ein Blick auf Metacritic und die Probleme, die die Plattform auch im Jahr 2022 noch mit sich bringt.

Wer online einkauft, kennt Bewertungsportale und Kundenbewertungen: Egal, ob beim örtlichen Pizzadienst mit nur zwei Sternen für seine verkohlte Margherita oder dem Versandhändler mit fünf Sternen für einen sündhaft teuren Fernseher - im Jahr 2022 sind wir darauf trainiert, dass alles bewertet wird und wir dadurch (scheinbar) mühelos einen Eindruck der Qualität des entsprechenden Produkts bekommen.

Im Bereich der Computer- und Videospiele gehören Wertungen bereits seit den Anfangszeiten des Mediums dazu. Zunächst verpassten Printmagazine, später Webseiten, Blogs und Youtube-Formate Games nur allzu gerne Prozentwertungen, Siegel oder andere Preise als Zeichen für herausragende oder auch unterirdische Spielerfahrungen. Wer einen Gesamtüberblick über Wertungen und einen Mittelwert der vergebenen Ratings sucht, wird indes bei Metacritic fündig. Die 2001 gegründete Website fasst Testwertungen registrierter Medien zusammen und spuckt im Anschluss den sogenannten Metascore auf einer Skala von 0 bis 100 aus. Zusätzlich liefert Metacritic den auf Nutzerwertungen aufgebauten User-Score auf Basis eines Mittelwerts von 0 bis 10.

Metacritic oder auch die auf Steam von Spieler erstellten Reviews bieten vor allem eins: einen schnellen, scheinbar objektiven Überblick über die Qualitäten eines Spiels. Allerdings ist gerade Metacritic mehr als nur Kaufberatung. Das Portal nimmt aufgrund seiner großen Reichweite starken Einfluss auf die Spielentwicklung, die Menschen dahinter und auf die Gaming-Kultur im Allgemeinen.

Wieso Metacritic?

Die Ampel zeigt an, wie gut oder schlecht Spiele sind: Metacritic markiert die Qualitätsstufen der Produkte in den Farben grün, gelb und rot.  Quelle: Medienagentur plassma Die Ampel zeigt an, wie gut oder schlecht Spiele sind: Metacritic markiert die Qualitätsstufen der Produkte in den Farben grün, gelb und rot.  Das System Metacritic wirft zweifellos Fragen auf und bringt, sofern man ein wenig über die Zahlen nachdenkt, auch einige grundsätzliche Schwierigkeiten mit sich. Beispielsweise schmeißt das Portal Pressewertungen zusammen und rechnet diese trotz unterschiedlicher Bewertungsansätze kurzerhand auf ein 100er-System hoch. Das Problem: Portale, die etwa in 5er-Schritten werten, verändern dadurch den bei Metacritic errechneten Durchschnitt stark. Metacritic selbst schreibt zwar in diesem Zusammenhang von "weighted average" (also "gewichteter Durchschnitt") und betont, dass man bestimmte Publikationen und Pressevertreter stärker wertet als andere. Wirklich klar erkennbar oder gar transparent wird dies aber nicht dargestellt. Nicht selten sind die ersten zehn verzeichneten Beurteilungen entscheidend, um einen ersten Trend vorzugeben.

Bereits 2015 kritisierte US-Journalist Jason Schreier für die US-Webseite Kotaku Metacritics Einflussnahme auf die Konzeption von Spielen. Metacritic-Wertungen dienten demnach in Verträgen zwischen Publishern und Entwicklern als Hürde für Bonuszahlungen und auch als Einstellungskriterien. Die scheinbare Abhängigkeit von Metacritic nahm schließlich auch Einfluss auf die Konzeption der Projekte selbst. Man beachtete nicht allein die Wünsche und Bedürfnisse der zahlenden Kundschaft, sondern zielte stärker auf die Vorlieben der Presse ab, um den Metascore zu steigern. Von "kreativer Freiheit" kann also hier kaum mehr die Rede sein.

Weiter geht's auf Seite 2!

  1. Seite 1 Metacritic: Die Macht von User-Kritiken - und was davon übrig ist!
  2. Seite 2 Metacritic: Die Macht von User-Kritiken - und was davon übrig ist! - Seite 2
  3. Seite 3 Metacritic: Die Macht von User-Kritiken - und was davon übrig ist! - Seite 3
  4. Seite 4 Metacritic: Die Macht von User-Kritiken - und was davon übrig ist! - Seite 4
  • Print / Abo
    Apps
    PC Games 06/2026 PCGH Magazin 06/2026 play5 06/2026 N-Zone 06/2026 Linux Magazin 06/2026 LinuxUser 06/2026 Raspberry Pi Geek 07/2026
    PC Games PC Games Hardware Linux Magazin Raspberry Pi Geek Computec Kiosk