Taliban in Medal of Honor, Eklat bei der Verleihung des Deutschen Computerspielpreises und Bayerns umschrittenes Veto gegen die Altersfreigabe von Dead Space 2: Diese und andere kontroverse Themen fanden 2010 auch außerhalb der Gaming-Szene reichlich Gehör. Ein Rückblick auf die aufsehenerregendsten Ereignisse des vergangenen Jahres.
Der umstrittene Grenzstreifen-Shooter 1338 (km)
In 1338 (km) kann man in die Uniform eines DDR-Grenzsoldaten schlüpfen.
Selten erlangte ein Studentenprojekt eine derart hohe Aufmerksamkeit wie das von Jens Stober. Der 24-jährige entwickelte eine kostenlose Mehrspieler-Modifikation für Half-Life 2, genauer gesagt einen Ego-Shooter. So weit, so gewöhnlich. 1338 (km) ist allerdings kein herkömmliches Ballerspiel. Hier finden sich die Spieler im Jahr 1976 in der Haut der Soldaten und Flüchtigen am 1338 Kilometer langen Grenzstreifen zwischen der Bundesrepublik Deutschland und der DDR wieder. Als Grenzer hat man die Möglichkeit auf die Republikflüchtigen zu schießen. Der Skandal war vorprogrammiert.
"Makaber", "geschmacklos" und "dumm", schimpften Politiker und Opferverbände. "Widerwärtiges DDR-Ballerspiel", urteilte die BILD-Zeitung mal wieder vorschnell. Dabei haben sie sich den Titel offensichtlich nicht genauer angesehen. Denn in 1338 (km) wird die Exekution von Flüchtigen bestraft. Wer im Spiel eine gewisse Anzahl Menschenleben auslöscht, der findet sich einige Jahrzehnte später vor einem Gericht wieder und muss sich mit seiner Schuld auseinandersetzen. Die Killgrenze sei "bewusst" eingebaut worden, erklärte Stober. "Gewinnen kann man bei 1378 (km) nur, wenn man nicht schießt". Er hatte die Absicht die jungen Leute für das Thema sensibilisieren. Das ginge über Computerspiele, dem Leitmedium der Jugend, eben besser.
Die Staatliche Hochschule für Gestaltung, die über das umstrittene Projekt wachte, versuchte sich in einem sachlichen Dialog mit den Kritikern - zunächst vergebens. Aufgrund der heftigen Proteste wurde die Veröffentlichung des Mehrspieler-Shooters, ursprünglich auf den 3. Oktober, den 20. Jahrestag der Wiedervereinigung, angesetzt, auf den Dezember verschoben. Wer es noch nicht getan haben sollte, macht sich am Besten ein eigenes Bild von der Modifikation. Einige Mirrors findet ihr auf der offiziellen Webseite.
In diesem Artikel
- Seite 1 Jahresrückblick 2010: Spiele in der Öffentlichkeit - Einleitung
- Seite 2 Jahresrückblick 2010: Spiele in der Öffentlichkeit - Medal of Honor und die Taliban
- Seite 3 Jahresrückblick 2010: Spiele in der Öffentlichkeit - Bayern gegen Dead Space 2
- Seite 4 Jahresrückblick 2010: Spiele in der Öffentlichkeit - Der Mauer-Shooter 1338 (km)
- Seite 5 Jahresrückblick 2010: Spiele in der Öffentlichkeit - Dt. Computerspielpreis: Kinderkram?
- Seite 6 Jahresrückblick 2010: Spiele in der Öffentlichkeit - Blizzards Kampf gegen Anonymität
- Seite 7 Bildergalerie
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