Die 10 verrücktesten Gaming-Skandale der Geschichte [Archiv]
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Bluttriefende Mario-Figuren, geheime Sex-Minispiele, millionenfach gehackte Nutzerkonten, in der Wüste verbuddelte Retro-Module - auch die Gamesbranche ist vor Skandalen nicht gefeit. Im Folgenden stellen wir euch zehn besonders verrückte vor.
Seit knapp 45 Jahren gibt es die Computer- und Videospielindustrie nun schon. In dieser Zeit hat sie unzählige Skandale hervorgebracht. Wir haben für euch zehn besonders brisante Beispiele zusammengetragen.
Hinweis: Dieser Artikel erschien ursprünglich 2020.
Auf dieser Seite
- 1 PETA rügt Nintendo aufgrund eines Mario-Waschbärenkostüms
- 2 Schäferstündchen in San Andreas: Die "Hot Coffee Mod"
- 3 23 Tage offline: Der PSN-Hack
- 4 Xbox 360: Der rote Ring des Todes
- 5 Activision feuert seine Shooting-Stars West und Zampella
- 6 Peter Molyneux löst Curiosity-Versprechen nicht ein
- 7 Hearthstone-Großmeister abgestraft: Blizzard verscherzt es sich mit der Community
- 8 Starcraft-Betrug: Auf das falsche Pferd gesetzt
- 9 Ein Alien reißt Atari in den Abgrund
- 10 Kane & Lynch und die Gerstmann-Kontroverse
PETA rügt Nintendo aufgrund eines Mario-Waschbärenkostüms
Die Tierschutzorganisation PETA (People for the Ethical Treatment of Animals) hat sich schon öfter mit der Spielebranche angelegt. Einen großen Aufschrei erzeugte eine Aktion aus dem Jahr 2011: Mit Hilfe eines Flash-Browserspiels prangerte PETA damals an, dass Nintendos Maskottchen Mario in Super Mario 3D Land für den 3DS immer wieder in einem Waschbärenkostüm unterwegs ist. Das Tanooki-Kostüm würde suggerieren, dass es in Ordnung sei, Pelz zu tragen und den Tod der Tiere dafür in Kauf zu nehmen. Völlig bizarr: Im Flash-Jump'n'Run steuert der Nutzer einen Waschbären, der Mario erbittert jagt. Der Kultklempner selbst fliegt durch die Luft und trägt dabei ein bluttriefendes Waschbären-Outfit. Im Nachhinein gab PETA übrigens bekannt, dass man mit der Aktion nicht Mario schlecht machen, sondern nur auf die brutalen Jagdmethoden hinweisen wollte.
Quelle: PETA
Das Protest-Flashgame von PETA ist noch heute online abrufbar. Surft einfach mal auf https://games.peta.org/mario-kills-tanooki/ vorbei.
Schäferstündchen in San Andreas: Die "Hot Coffee Mod"
In Grand Theft Auto: San Andreas aus dem Jahr 2004 kann der Spieler in der Rolle von Protagonist Carl "CJ" Johnson ein halbes Dutzend Frauen daten. Stellt er sich dabei besonders gut an, lädt ihn sein Herzblatt zu sich nach Hause auf einen Kaffee ein. In der regulären Version des Spiels wird ein sexuelles Techtelmechtel zwischen CJ und seiner Freundin mit einer externen Kameraperspektive auf das Haus sowie entsprechenden Soundeffekten angedeutet. Editierte man nun allerdings manuell ein Bit in der Scriptdatei des Hauptspiels, wurde das Schäferstündchen plötzlich zum interaktiven Sex-Minispiel.
Rockstar versuchte sich zunächst aus der Affäre zu reden, indem man behauptete, Hacker hätten den Code der PC-Fassung massiv manipuliert. Als es jedoch einem Nutzer gelang, das Minispiel durch Anpassen einer Savegame-Datei auch auf PS2 und Xbox freizuschalten, konnte Rockstar einen Skandal nicht mehr aufhalten: Politiker, darunter Hillary Clinton, übten harsche Kritik, und auch die US-Rating-Behörde ESRB musste sich einiges an Schelte gefallen lassen. Die Folge: Aus der dem ursprünglichen Mature-Rating (ab 17) wurde eine "Adults only"-Einstufung (nur für Erwachsene). Der Verkauf in den USA wurde dadurch deutlich erschwert. Australien nahm das Spiel angesichts des Skandals sogar ganz vom Markt.
Quelle: Airmotion Games / Medienagentur plasma
Das „Hot Coffee“-Minispiel war keine klassische Nutzer-Modifikation, sondern bereits im Vorfeld von Rockstar integriert. Findige Nutzer schalteten die gesperrte Szene lediglich wieder frei.
23 Tage offline: Der PSN-Hack
Seien es nun die Vereinigten Nationen, die Microblogging-Seite Tumblr oder der deutsche Autovermieter Buchbinder: Vor umtriebigen Hackern ist niemand sicher. Besonders hart traf es jedoch Sony vor neun Jahren. Nicht weniger als 77 Millionen PlayStation-Network-Kundendaten wurden zwischen dem 17. und 19. April 2011 entwendet. 24,7 Millionen davon waren europäischen Kundenkonto zugeordnet. Am 20. April 2011 bestätigte Sony den Datenklau-Supergau und schaltet das PSN noch am selben Tag ab - für 23 lange Tage. Der Fall bedeutete nicht nur einen massiven Imageschaden für Sony, sondern wurde für das Unternehmen auch richtig teuer. Im Nachhinein bezifferte Sony die Verluste durch den Ausfall auf 171 Millionen US-Dollar. Entschädigt wurden Betroffene mit einem Gratismonat PS-Plus-Mitgliedschaft sowie je zwei Gratisspielen für PS3 und PSP. Die gute Nachricht heute: Seit das PSN am 14. Mai 2011 wieder online ging, hat Sony die Sicherheit seines Dienstes zunehmend verbessert und ähnlich schwere Fälle abwenden können.
Quelle: Sony
Heute ist die Sicherheit im PSN deutlich höher, unter anderem dank Mechanismen wie der 2-Faktor-Authentifizierung.
Xbox 360: Der rote Ring des Todes
Mit mehr als 85,5 Millionen verkauften Geräten ist die Xbox 360 die bis dato erfolgreichste Konsole aus dem Hause Microsoft. Der Weg dorthin war jedoch ziemlich steinig und mit einem besonders markanten Skandal gepflastert. Gemeint ist ein durch Hitze hervorgerufener Hardwaredefekt, der vor allem bei der ersten Hardware-Generation der Xbox 360 auftrat. Er führte dazu, dass drei Bereiche des LED-Rings um den Ein/Aus-Knopf der Konsole rot aufleuchteten und das Gerät nicht mehr verwendet werden konnte.
Verlässliche Ausfallstatistiken gibt es nicht, doch Vertreter von EB Games, Gamestop und Best Buy sprachen damals davon, dass bis zu ein Drittel aller verkauften Geräte repariert werden mussten. Microsoft reagierte auf den "Red Ring of Death" (RRoD), indem man zum einen die Garantie betroffener Geräte ab Kaufdatum auf drei Jahre erhöhte. Zum anderen brachten die Redmonder im Juni 2010 die technisch überarbeitete Xbox 360 S auf den Markt. Sie reduzierte die Fehleranfälligkeit der Geräte um ein Vielfaches.
Quelle: play3
Unter Xbox-360-Nutzern damals weit verbreitet: der „Red Ring of Death“.
Activision feuert seine Shooting-Stars West und Zampella
Noch heute gilt Call of Duty 4: Modern Warfare (2007) aus der Feder von Infinity Ward als ein Meilenstein der gesamten Call-of-Duty-Reihe. Hauptverantwortliche damals waren Vince Zampella und Jason West - zwei Branchenveteranen, die 2009 auch Call of Duty: Modern Warfare 2 ins Rollen brachten. Teil zwei war vielleicht nicht mehr so innovativ, dafür aber kommerziell noch erfolgreicher. Schon nach zwei Monaten hatte Hersteller Activision damit Umsätze im Wert von einer Milliarde Dollar erwirtschaftet. Doch dann gab es einen Skandal: Nur vier Monate nach Spielveröffentlichung wurden West und Zampella gefeuert - von der Firma, die dank Modern Warfare 2 gerade Entertainment-Geschichte schrieb.
Was war passiert? Schenkt man einer sehr ausführlichen Analyse des US-Magazins Vanity Fair Glauben, dann hatten beide bereits vor der Entwicklung von Teil zwei hohe Boni-Forderungen gestellt und volle kreative Kontrolle über die Marke verlangt. Activision stimmte zwar zu, konnte allerdings eine Klausel durchsetzen, die besagt, dass alle Forderungen nichtig würden, sollte die beiden jemals gefeuert werden. Als dann aber eben dieser Fall eintratet, verklagten sich beide Parteien gegenseitig in einem millionenschweren Rechtsstreit. Während dies geschah, hatten West und Zampella bereits Respawn Entertainment gegründet und die Arbeiten an Titanfall aufgenommen, das schließlich 2014 auf den Markt kommen sollte.
Quelle: Respawn Entertainment
Jason West und Vince Zampella ließen sich nach dem Rauswurf bei Infinity Ward nicht unterkriegen und gründeten ihr eigenes Studio. Der überaus passende Name: Respawn Entertainment.
Peter Molyneux löst Curiosity-Versprechen nicht ein
Mit Klassikern wie Populous, Syndicate, Dungeon Keeper und Fable wurde der britische Entwickler Peter Molyneux weltberühmt. Nach seinem Weggang bei Microsoft im Jahr 2012 gründete der Kreativkopf sein eigenes Indie-Studio 22Cans und begann sogleich mit den Entwicklungsarbeiten an Curiosity: What's Inside the Cube? Ziel des Launch-Titels war es, das Innere eines aus 69 Milliarden Würfeln bestehenden Kubus freizulegen. Wem das als Erstes gelingt, dem wurde ein lebensverändernder Preis versprochen. Knapp sieben Monate später hatte es der 18-jährige Schotte Bryan Henderson dann endlich geschafft und Molyneux ließ die Katze aus dem Sack.
Versprochen wurde, dass der Gewinner eine Rolle als höchste Gottheit in Molyneux' nächstem, Kickstarter-finanzierten Spiel Godus erhält. Zudem war geplant, den glücklichen Gewinner an den Einnahmen des Spiels zu beteiligen. Doch die großangekündigte Aktion floppte grandios: Statt virtuell zum Gott befördert zu werden und Gameplay-Mechanismen zu beeinflussen, lud 22Cans Henderson lediglich ins Studio ein und spendierte ihm ein Bier in der nächstbesten Kneipe. Godus selbst wurde nicht der erhoffte Hit, weshalb man - so Molyneux - Henderson auch keine Beteiligungen auszahlen konnte.
Quelle: 22Cans
In Godus wurde einem Spieler versprochen, die mächtigste Gottheit der Spielwelt zu werden. Sinnvoll umgesetzt haben die Entwickler die Idee bis heute nicht. Viele Fans forderten daraufhin Rückerstattungen.
Hearthstone-Großmeister abgestraft: Blizzard verscherzt es sich mit der Community
Speziell in Asien ist Hearthstone, das digitale Sammelkartenspiel von Blizzard, ein Dauerbrenner und auch in der E-Sport-Szene sehr beliebt. Als jedoch Ng "Blitzchung" Wai Chung, ein aus Hongkong stammender E-Sportler, im Rahmen eines offiziellen Turnier-Livestreams "Befreit Hongkong, Revolution unseres Zeitalters" rief, kam es zum Eklat. Die Kalifornier sperrten "Blitzchung" wegen Verstoßes gegen die Turnierregeln für ein volles Jahr und froren die ihm zustehenden Preisgelder ein. Den beiden aus Taiwan stammenden Personen, die das Interview geführt hatten, würde ebenfalls fristlos gekündigt.
Als der Vorfall im Oktober 2019 die Runde machte, ging ein Aufschrei durch die Community. Der Vorwurf: Blizzard würde vorrangig wirtschaftliche Interessen im chinesischen Markt verfolgen und dafür die freie Meinungsäußerung mit Füßen treten. Der Skandal spitzte sich weiter zu, als der renommierte Hearthstone-Kommentator Brian Kibler aus Protest gegen Blizzard sein Amt niederlegte und auch US-Abgeordnete lautstark Kritik äußerten. Im November 2019 zeigte sich Blizzard dann jedoch einsichtig und entschuldigte sich auf der Blizzcon 2019 bei seinen Fans.
Starcraft-Betrug: Auf das falsche Pferd gesetzt
Schon mal von "Matchfixing" gehört? Im Kern beschreibt der Begriff, dass Personen eine Sportpartie absichtlich so spielen, dass dadurch ein vorher abgesprochenes Ergebnis erreicht wird. Vor allem im E-Sport tritt das Phänomen leider immer wieder auf. Einer der bekanntesten Fälle ereignete sich 2015 in der südkoreanischen Starcraft-Liga: Ein Dutzend Personen waren damals in einen Matchfixing-Betrug verwickelt und verdienten damit Beträge zwischen 4.000 und 35.000 Dollar. Als der Skandal aufflog, wurden sowohl der Profispieler Choi "YoDa" Byeong-Heon als auch sein Trainer Park "Gerrard" Wae-Sik zu Gefängnisstrafen verurteilt. Darüber hinaus erfolgte eine lebenslange Sperre in allen südkoreanischen Ligen durch den dortigen E-Sport-Verband.
Quelle: Blizzard
Choi „YoDa“ Byeong-Heon landet für seine Wettbetrugs-Vergehen bei Starcraft hinter schwedischen Gardinen.
Ein Alien reißt Atari in den Abgrund
Das 1982 veröffentlichte E.T. The Extra-Terrestrial wurde von Branchenveteran Howard Scott Warshaw (Yars' Revenge) in gerade einmal sechs Wochen für den Atari 2600 programmiert und gilt als einer der größten Flops der Gaming-Geschichte. Der Grund: Publisher Atari war damals felsenfest vom Erfolg der Filmlizenz überzeugt und stellte über fünf Millionen Spielmodule her. Doch die niedrige spielerische Qualität sprach sich schnell herum und führte dazu, dass Atari trotz zeitnaher Preisreduzierungen auf sage und schreibe 3,5 Millionen Modulen sitzenblieb.
Um die Lagerbestände zu leeren, beschloss das Unternehmen wenig später, die Restbestände in einer Mülldeponie in der Wüste von New Mexico zu vergraben. Noch im selben Jahr korrigierte Atari den prognostizierten Umsatz um 50 Prozent, was wiederum einen massiven Einbruch des Aktienkurses des Atari-Mutterunternehmens Warner zur Folge hatte. Rückblickend betrachtet gilt das E.T.-Dekabel als einer der Auslöser für den großen Video-Game-Crash von 1983. Kaum zu glauben: Im April 2014 ließen die Xbox Entertainment Studios die Module in einer medienwirksamen Aktion wieder ausbuddeln.
Quelle: Atari
E.T. The Extra-Terrestrial sollte von der Magie des gleichnamigen Steven-Spielberg-Films profitieren. Optisch und spielerisch funktioniert das leider hinten und vorne nicht.
Kane & Lynch und die Gerstmann-Kontroverse
Im November 2007 brachte der dänische Entwickler IO Interactive zusammen mit Publisher Eidos Interactive den Third-Person-Shooter Kane & Lynch: Dead Men auf den Markt. Jeff Gerstmann, damals Redaktionsleiter der US-Website Gamespot, verlor kurz nach Veröffentlichung seinen Job. Der Auslöser? Publisher Eidos schien ganz und gar nicht begeistert von der Wertung (6 von 10) -und zog die zeitgleich zum Launch laufende Werbekampagne auf Gamespot zurück. Kurz darauf wurde Gerstmann gekündigt. Zwar bestritt Gamespot-Besitzer CNET einen Zusammenhang zwischen beiden Ereignissen, die völlig aufgebrachte Community wollte das jedoch nicht hinnehmen und rief einen Boykott der Webseite ins Leben. Gleichzeitig bombardierte man das Spiel mit Negativbewertungen. Für Gerstmann nahm das Ganze immerhin ein glückliches Ende Er gründete daraufhin seine eigene, bis heute erfolgreiche Website Giant Bomb.
