Gescheiterte Firmendeals mit Einfluss auf die Spielwelt - Beinah-Fusion der Megakonzerne: Atari und Nintendo

Special Max Falkenstern

Die Spielebranche hat sich über viele Jahrzehnte zu einem knallharten Business entwickelt. Fusionen, Joint Ventures und strategische Allianzen zwischen den Unternehmen sind keine Seltenheit. Doch nicht jedes geplante Abkommen kommt so zustande, wie anfänglich gedacht - häufig mit Auswirkungen auf die Spielwelt. Wir blicken heute zurück auf eine Reihe der größten gescheiterten Firmendeals.

Beinah-Fusion der Megakonzerne: Atari und Nintendo

Wie würde die Spiellandschaft heute ausschauen, wenn die beiden Megakozerne Atari und Nintendo fusioniert hätten? Eine interessante Frage, auf die wir (möglicherweise zu unser allem Glück) keine Antwort geben können. Fest steht, dass es Anfang der 80er-Jahre tatsächtlich konkrete Pläne für eine Zusammenarbeit der beiden Unternehmen gab. Nintendo, die mit Donkey Kong für Arcadespielautomaten international große Erfolge feierten, beabsichtigten ihre erste Heimkonsole auf den Markt zu bringen. Um das finanzielle Risiko eines Scheiterns zu minimieren, beschloss der japanische Konzern, sich mit Experten auf dem Gebiet zusammentun. Atari war ihre erste Wahl, da diese bereits mit dem Atari VCS 2600 und den Nachfolgermodellen bewiesen, dass sie ihr Handwerk verstehen. Das US-Unternehmen stand der Offerte von Nintendo zunächst skeptisch gegenüber. Angesichts des durchschlagenden Erfolgs von Donkey Kongs hat Atari seine Position allerdings noch einmal überdacht und setzte sich schließlich mit den Japaner zu Verhandlungen zusammen.

Der Vertrag stand und sollte eigentlich auf der Consumer Electronics Show (kurz: CES) im Jahr 1983 offiziell unterzeichnet werden. Doch es kam zum Eklat. Coleco, einer von Ataris größten Konkurrenten, enthüllte auf der Fachmesse seinen neuen Computer namens Adam. Zur Präsentation der Leistungsfähigkeit verwendete man ausgerechnet Nintendos Donkey Kong. Darüber war Atari alles andere als begeistert; sie fühlten sich von Nintendo betrogen und warfen ihnen vor, gemeinsame Sache mit dem "Feind" zu machen. Die Japaner wehrten sich und behaupteten, dass Coleco gar keine Rechte an der Marke Donkey Kong besäßen und die Software illegal zur Schau stellen würden. Coleco wies die Vorwürfe mit der Begründung zurück, dass man die Vertriebsrechte zuvor ehrlich erworben hätte. Wegen der Zankerein wurde die Pläne für die Zusammenarbeit zwischen Atari und Nintendo erst einmal begraben.

Was danach geschehen ist, ist nicht ganz geklärt. Angeblich haben sich die beiden Streithähne noch einmal getroffen, um die Verhandlungen wieder aufzunehmen. Doch schon wieder sollte es einfach nicht sein. Nach einem aufsehenerregenden Börsenskandal musste der Atari CEO Raymond Kassar im Juli 1983 seinen Schreibtisch räumen. Danach verschwand der geplante Deal offenbar in irgendeiner Schublade. Für Nintendo kam irgendwann der Zeitpunkt, an dem sie nicht mehr länger warten wollten. Und so veröffentlichten die Japaner schließlich im Alleingang das Nintendo Entertainment System (kurz: NES). Atari meldete wenig später Konkurs an.

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